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 © picture alliance / dpa

Justiz

Arminia Hannover: Trainer hintergeht Spieler

Er war mit seiner Mannschaft aufgestiegen. Pierre K. machte seinen C-Jugendspielern von Arminia Hannover große Versprechen. Ein Jahr lang sparten sie auf eine Abschlussfahrt. Doch dann war die Mannschaftskasse weg und der Trainer untergetaucht.

hannover.  Eine Spielermutti streicht Pierre K. (28) über den Oberarm: „Ich wünsche Dir trotzdem alles Gute“, sagt sie traurig. Der Angeklagte hat 1375 Euro aus der Mannschaftskasse der C-3-Jugend (12 bis 14 Jahre) von Arminia Hannover unterschlagen. Dafür und für ein paar andere Betrügereien wurde er zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der Prozess im Amtsgericht konnte am Mittwoch erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung beginnen. Pierre K. Hatte verschlafen. Als er dann vor Richterin Svenja Tittelbach-Helmrich erschien, gab er sich kleinlaut. „Ich war mit allem überfordert“, sagte er leise. Manche Antworten waren kaum zu verstehen. Den Umschlag mit dem Geld der Spieler habe er bei einem überhasteten Umzug in seiner alten Wohnung vergessen. Er habe nur 70 Euro aus der Mannschaftskasse genommen. Der Umzug war 2015, bemüht hat er sich nicht, es wiederzubeschaffen. Im Urteil äußerte die Richterin Zweifel an dieser Aussage. Den Angeklagten litt unter ständiger Geldnot.

In der Saison 2014/15 hatte der Jugendtrainer 1375 Euro eingesammelt. Er hatte viele Ideen: Ein Trainingslager in England, Teilnahme an Turnieren, eine Abschlussfahrt in den Heide-Park. Am Ende war das Geld weg und der Trainer untergetaucht. „Unsere Jungs waren aufgestiegen. Sie waren sehr enttäuscht. Es gab nicht mal ein Abschluss-Grillen“, sagt der Vater eines Spielers gestern nach der Verhandlung. Sie waren als Zeugen geladen.

Im Internet ist der Angeklagte nicht so maulfaul wie im Amtsgericht. Dort wirbt er um Sponsoren, um Trainer-Lizenzen machen zu können. „Bitte unterstützen sie mich. Sie helfen einem jungen, engagierten Trainer voran zu kommen“, heißt es.

Als Trainer mag der Angeklagte etwas taugen. In Sachen Verantwortungsgefühl hat er bislang versagt. Er habe eine Tischlerlehre abgebrochen, weil er zur Bundeswehr eingezogen worden sei, behauptet er. Pierre K. lebt von Hartz IV, auch das Job-Center hat er betrogen. Warum derzeit seine Bezüge vom Job-Center gekürzt seien, wollte die Richterin wissen. Die Antwort: „Da wollte ich noch nach fragen.“

„Sie haben die Angewohnheit, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten, was passiert“, erklärte die Richterin. Pierre K. ist mehrfach teils einschlägig vorbestraft.

Sie erlegte ihm 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Er soll auch den Schaden, den er angerichtet hat, wiedergutmachen. Ansonsten könnte er schnell wieder einfahren. Zwei Wochen saß er bereits in der Burgdorfer Justizvollzugsanstalt (JVA) – wegen Schwarzfahrens.

Von Thomas Nagel


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