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Meine Stadt Ampel will Obdachlosen Wohnungen verschaffen
Hannover Meine Stadt Ampel will Obdachlosen Wohnungen verschaffen
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00:16 21.12.2017
OBDACHLOS: Wohnungslosen wird der Weg zur eigenen Wohnung nicht leicht gemacht.   Quelle: Fotos: Schaarschmidt
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HANNOVER

 Wer erstmal auf der Straße gelandet ist, kommt so leicht nicht wieder von ihr runter. Der Weg aus der Obdachlosigkeit in eine eigene Wohnung ist gepflastert mit sozialbürokratischen Hemmnissen. Das will die Ampelkoalition in Hannovers Rat nun ändern.

„Housing First“ – oder auf gut deutsch: Erst wohnen und dann alles andere – nennt sich das Konzept, mit dem andere Städte vor allem im Ausland schon gute Erfahrungen haben machen können. Das Modell stammt aus den USA, in Wien wird es seit 2012 erfolgreich praktiziert und in Hamburg läuft es in einer Pilotphase mit dem Fokus auf Jugendliche.

Nun haben SPD, Grüne und FDP im Rat beantragt, dass auch die Stadt Hannover gemeinsam mit der Region ein Pilotprojekt „Niedrigschwelliges Wohnangebot für Wohnungslose“ nach diesem Muster planen und ein Konzept im Laufe des kommenden Jahres vorlegen soll. „Am besten noch vor der Sommerpause“, so Katrin Langensiepen, sozialpolitische Sprecherin der Grünen.

Diskutiert wurde der Antrag am Montag im Sozialausschuss nicht, da er von der „Partei“ ebenso wie ein Antrag der Gruppe Linke/Piraten zur Verstärkung des Kältebusses in die Fraktion gezogen wurde. Doch ist das Thema gerade angesichts der Witterung hochaktuell.

Wohnraum für Wohnungslose könnte natürlich schon am herrschenden Wohnraummangel scheitern, wobei für Langensiepen auch eine Unterkunft in Flüchtlingsheimen, wie sie aktuell am Waterlooplatz geplant ist (NP berichtete) oder in Hotels als Übergangslösung denkbar scheint. Wichtig sei ihr aber, dass dieses Thema mal nicht baupolitisch sondern sozialpolitisch angegangen werde, sagte sie zur NP. „Als eine Art Willkommenskultur für Obdachlose. Wir brauchen einen sozialpolitischen Wechsel.“

In der Regel durchlaufen Obdachlose einen mehrstufigen Prozess über Notunterkünfte und Wohnheime, verbunden mit diversen Auflagen, bevor sie irgendwann einmal wieder eigene vier Wände beziehen können. Für die Betroffenen purer Stress ohne Privatsphäre und Autonomie bei dem das Scheitern für viele unvermeidbar scheint. Beim „Housing First“ kommt zuerst das stabilisierende Dach über dem Kopf, das dann durch Hilfsangebote auf freiwilliger Basis ergänzt wird.

Einen umfassenden Bericht über die Situation Obdachloser in Hannover kündigte Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf für die Ausschusssitzung im Januar an. Im Ausschuss berichtete sie zunächst über das Winterhilfsprogramm, für das die Stadt zu den eingeplanten 45 000 Euro für Maßnahmen wie den Kältebus weitere 5000 Euro speziell für Schlafsäcke bereit gestellt habe.

Hinsichtlich des Kältebusses zweifelte etwa Julian Klippert (Partei) daran, dass dessen Einsatz ausreichend sei. Der Bus versorgt Obdachlose mit warmen Getränken, Schlafsäcken und Decken, aber nur Dienstags und Donnerstags von 18 bis 20 Uhr. „In anderen Städten ist das anders geregelt“, räumte Beckedorf ein. „Da ist der Kältebus auch nachts unterwegs.“ Worauf auch der Antrag der Gruppe Linke/Piraten zielt, den Bus nach Berliner Modell täglich von 19 Uhr bis 3 Uhr einzusetzen.

Von Andreas Krasselt

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