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Meine Stadt Ambulante Pflege in der Krise
Hannover Meine Stadt Ambulante Pflege in der Krise
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18:30 27.08.2018
Symbolbild, Epd
Hannover

„Wir müssen mit einem Aufschrei an die Öffentlichkeit gehen“ – so ernst steht es laut Rüdiger Becker um die ambulante Pflege in Niedersachsen. Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Dienstgeberverbandes Niedersachsen (DDN) wird konkret: „Wir sind da in einer Situation, die es uns fast nicht mehr möglich macht, die Tariflöhne zu zahlen.“ Es sei nicht ausreichend stabile Liquidität vorhanden, die Versicherer zahlten nicht genug für die Leistungen.

Auch seitens der Gewerkschaft Verdi möchte man den öffentlichen Fokus auf das Thema lenken: „Ambulante Pflege findet eher leise statt und ist nicht so gut sichtbar wie die stationäre Pflege im Krankenhaus etwa“, sagt Gewerkschaftssekretärin Annette Klausing und unterstreicht: „Sieben von zehn Patienten werden ambulant gepflegt.“ Kontrastiert würde die Relevanz des Themas dagegen durch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten: Lediglich ein Bruchteil sei von der Tarifbindung erfasst: „In Niedersachsen sind das 15 Prozent, eine erschreckende Zahl“, attestiert Klausing.

Im Vergleich zum Tarifvertrag seien die Arbeitsbedingungen in der Regel „wesentlich schlechter“. So gebe es weniger Gehalt, weniger Urlaubstage oder keine betriebliche Altersvorsorge. Ein weiteres Problem: Betriebe, die nach Tarif zahlen, bekämen in den Verhandlungen mit den Kassen die selbe Steigerung wie Dienstleister, die ihr Personal geringer entlohnten. Das setze flasche Anreize für die Unternehmen.

In Niedersachsen sei die Lage für die Arbeitnehmer darüber hinaus besonders prekär: Angestellte in Baden-Württemberg erhielten durchschnittlich rund 500 Euro mehr im Monat. Die Belastungen in dem Beruf seien sehr hoch: „Die Angestellten haben es oft mit Überstunden, Doppeldiensten, spontanem Einspringen und wenigen freien tagen bei gleichzeitig hoher Verantwortung zu tun“, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Thilo Jahn.

Die AOK Niedersachsen bestreitet, dass zu wenig Geld für das Personal vorhanden sei: „Die niedersächsischen Krankenkassen kommen ihrer Verpflichtung zur Refinanzierung leistungsgerechter Vergütungen in der Pflege nach.“ Demnach steigen die Vergütungen jährlich um maximal 2,7 Prozent, sofern der Arbeitgeber mindestens 81 Prozent der Steigerung an die Angestellten weitergibt. Darüber hinaus erklärt die AOK: „Die Bezahlung von Gehältern bis zur Höhe tarifvertraglich vereinbarter Vergütungen kann dabei nicht als unwirtschaftlich abgelehnt werden.“

Von Janik Marx

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