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Punks gegen Polizei

Als Hannover brannte - Chaostage sind Geschichte

Die Bilder der Straßenschlachten von Punkern und Polizei in Hannover gingen 1995 um die Welt. 20 Jahre nach den Chaostagen ist die Randale zu einem kleinen Kapitel der Stadtgeschichte geworden. Was ist aus Bewegung geworden?

Hannover. Vereinzelt sitzen noch manchmal Punker gegenüber dem Hauptbahnhof in Hannover und betteln um ein paar Münzen - die Polizisten ein paar Schritte weiter aber haben eher anreisende Fußballfans im Blick. Ganz anders die Situation vor 20 Jahren, als sich bei den berüchtigten Chaostagen Polizisten und Punker in der Landeshauptstadt wüste Straßenschlachten lieferten. Die gewalttätigen Ausschreitungen bei dem Punker-Treffen vom 3. bis zum 6. August 1995 mit mehr als 400 Verletzten versetzten Hannover in den Ausnahmezustand und brachten die Stadt weltweit in die Negativschlagzeilen.

"Das war fast wie im Bürgerkrieg", erinnert sich der spätere Polizeipräsident Hans-Dieter Klosa. Punks warfen mit Pflastersteinen, errichteten brennende Barrikaden, plünderten stundenlang einen Supermarkt - und die Polizei sah hilflos zu. "Der Polizeieinsatz damals war ein Desaster", sagt Klosa, der seinerzeit Chef der Landesbereitschaftspolizei war. "Bilder vom brennenden Hannover gingen um die Welt und haben das Image der Stadt schwer beschädigt."

Die Anfänge der Chaostage gingen zurück bis ins Jahr 1982. Punker wollten sich damit damals gegen eine von der Polizei eingerichtete "Punker-Datei" zur Wehr setzen. Von da an gab es jährlich Punker-Treffen, bei denen es immer wieder zu Gewalttätigkeiten kam. 1994 drohte die Situation erstmals außer Kontrolle zu geraten - das spornte die durch Anarchie und Nicht-Organisation gekennzeichnete Szene vermutlich an, im folgenden Jahr so richtig Dampf abzulassen. Schon Anfang 1995 mehrten sich im Internet und auf Flugblättern Aufrufe zur Teilnahme mit Parolen wie "Tötet alle Bullen" oder "Wir legen die Stadt in Schutt und Asche".

Anfang August dann kamen rund 1500 bunthaarige und autonome Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland nach Hannover und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Als Konsequenz trat der damalige Polizeipräsident zurück. Sein Nachfolger Klosa setzte im kommenden Jahr auf Stärke und bereitet den Chaostagen für immer ein Ende. 6000 Beamte verwandelten Hannover im Sommer 1996 in eine Festung. Krawalle blieben aus. So mancher im Rathaus und bei der Polizei wird zwar auch nach 20 Jahren nicht gerne auf die Chaostage angesprochen - das Image von Hannover ist aber schon lange durch andere Dinge geprägt.

Als Großstadt im Grünen wirbt Hannover nicht nur erfolgreich um eine wachsende Zahl von Touristen, auch die Einwohnerzahl steigt seit einigen Jahren wieder, unter anderem dank der florierenden Wirtschaft. Wenn die Polizei heute in Gerangel mit Protestlern verwickelt wird, dann geht es wie in anderen Großstädten eher um Proteste gegen die Gentrifizierung, die Verdrängung ärmerer Einwohner durch wohlhabendere in begehrten Stadtteilen. Inzwischen sind die Schauplätze der Punk-Randale von damals sogar zu touristentauglichen Orten der Zeitgeschichte geworden.

Das Unternehmen Living Culture organisiert seit einigen Jahren alternative Stadtführungen dahin. Ein letztes Mal von sich Reden machten Punks in Hannover 2008 vor Start eines Films zu den Chaostagen. Bei Ausschreitungen zwischen Punkern und der Polizei wurden damals 22 Menschen verletzt, darunter 4 Beamte. Die Randale aber war nicht geplant wie 1995 - sie begann erst, als rund 100 Punker keinen Einlass mehr zu einem Konzert zum Filmstart erhielten.

1982

Die Wurzeln des Punkertreffens gehen zurück in das Jahr 1982. Damals wollten die Jugendlichen gegen eine vom damaligen CDU-Innenminister Egbert Möcklinghoff geplante Punker-Datei demonstrieren. Schon damals flogen Steine, zehn Polizisten wurden verletzt.

1983

Ein Jahr später kamen 1000 Punks in die Stadt und lieferten sich mit der Polizei Straßenschlachten. 17 Beamte erlitten damals Verletzungen, 180 Punks wurden festgenommen.

1984

1984 trafen 800 Punker auf 120 rechte Skinheads und schlugen aufeinander ein. 35 Autos wurden demoliert, unzählige Scheiben gingen zu Bruch.

1989

Nach einer Pause trafen sich 1989 wieder Punker in der Stadt. Erstmals wurde von den "Internationalen Chaostagen" gesprochen. Ein Supermarkt wurde geplündert. Die Polizei nahm 121 Menschen fest.

1994

Fünf Jahre später - 1994 - randalierten in der Nordstadt rund 800 Jugendliche zwei Nächte lang. 600 von ihnen mussten vorübergehend in Haft.

1995

Ein Jahr später erreicht die Gewalt ihren Höhepunkt. Vier Tage und Nächte dauerten die Ausschreitungen. In der Nordstadt brannten auf den Straßen Barrikaden, erneut wurde ein Supermarkt vollständig geplündert. Die schlecht ausgestattete Polizei war von der Gewaltbereitschaft der Randalierer überrascht und schien über weite Strecken überfordert. 440 Menschen, darunter 240 Polizisten, wurden verletzt.

1996

1996 verhinderte die Polizei mit 6000 Mann ein neues Punkertreffen. Die Chaostage von 1995, deren Bilder um die ganze Welt gingen, hatten ein politisches Nachspiel. Hannovers Polizeipräsident Herbert Sander nahm seinen Hut, der Einsatzleiter wurde versetzt. Ein Untersuchungsausschuss arbeitete die Ereignisse auf.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
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