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Meine Stadt Allianzen mit den Aktivisten
Hannover Meine Stadt Allianzen mit den Aktivisten
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19:42 05.07.2009
"Captain Chamäleon" kommt eigentlich aus Stuttgart, protestriert aber zurzeit in Kirchrode gegen das Boehringer-Projekt. Quelle: Christian Behrens
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Von Dirk Altwig

Hannover. Nein, den Kasten Coca-Cola konnte der Spender aus der Nachbarschaft gleich wieder mitnehmen. „Wir sind antikapitalistisch. Das Großkapital wollen wir nicht auf dem Gelände haben“, sagt Captain Chamäleon. Der 28-jährige Stuttgarter gehört zu dem Dutzend junger Leute, die seit Donnerstag früh den Bauplatz für das geplante Tierimpfstoff-Labor in Kirchrode besetzt haben.
„Stop Airport Extension“ – ,Stoppt den Flughafenausbau’ steht auf Chamäleons T-Shirt, eben gegen diesen Ausbau hat er in Frankfurt demonstriert. Und gelernt: Eine Fläche kann man gar nicht früh genug besetzen, egal, ob noch Prozesse ausstehen oder nicht. „Die fangen sonst plötzlich an zu bauen.“

Die Pharma-Firma Boehringer ist dem jungen Mann nicht unbekannt. „Ich habe von meiner Mutter von Agent Orange gehört.“ Boehringer soll Bestandteile des Giftes geliefert haben, das im Vietnam-Krieg versprüht wurde. In Hannover geht es den Demonstranten um die Tierimpfstoffe, die erforscht werden sollen. Sie würden dazu dienen, die Massentierhaltung zu fördern.

Tiere dürften nicht für menschliche Interessen benutzt werden, fordern die Besetzer. Sie leben vegan, verzichten also auch auf tierische Produkte wie Eier und Milch. Auf dem Gelände, auf dem ein Hochsicherheitslabor für hunderte Schweine entstehen soll, bemühen sich die Demonstranten, die Natur nicht zu schädigen. Es gibt ein Kompost-Klo zwischen Büschen, der Müll wird peinlichst genau getrennt.

Rund um das zugewucherte Grundstück blühen für den großbürgerlichen Stadtteil seltene Allianzen . Viele Kirchröder hätten Getränke vorbeigebracht, sagt einer der Aktivisten. Ein Rechtsanwalt habe sogar seine Hilfe angeboten, falls Stadt oder Boehringer eine Räumung veranlassen. Die Wählergemeinschaft „Wir für Hannover“ (WfH), die eigentlich für Polizeikontrollen immer zu haben ist, verdammt das Großaufgebot, das am ersten Tag der Besetzung angerückt war. „Wir kritisieren diese völlig unverhältnismäßige Polizeiaktion auf Kosten der Steuerzahler“, so Ratsherr Jens Böning.

Die Besetzer wollen mit ihren Nachbarn ins Gespräch kommen. Zum Beispiel mit Vorträgen über Massentierhaltung – Montag Abend, 20.30 Uhr. Dienstag ab 17 Uhr gibts einen Jonglage-Workshop, Mittwoch Improvisationstheater (17 Uhr).

Vielleicht könne die Besetzung bei den Anwohnern Vorurteile über Leute abbauen, die anders aussehen, sagt Lara Kempel, die gerade ihr Studium der Sozialwissenschaften beendet. Die Hannoveranerin schätzt die Reaktion der Kirchröder so ein: „Ich glaube, sie finden uns super, weil wir fürs gleiche Ziel kämpfen.“

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