Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Alles nur noch Einheitsbrei?
Hannover Meine Stadt Alles nur noch Einheitsbrei?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 27.08.2014
Quelle: Nigel Treblin
Anzeige
Hannover

Ein gutes Stück kleiner, etwas kantiger – und doch: Die Ähnlichkeit zwischen dem Gebäude, das das Unternehmen Strabag am östlichen Marstall errichten will, und dem Kröpcke-Center ist offensichtlich. Das sorgt für Kritik. „Die Architektur in Hannover wird immer beliebiger. Immer wieder dasselbe Thema“, ärgert sich der renommierte Architekturprofessor Ekkehard Bollmann. Vor allem die Gestaltung der Fenster sei ähnlich. Nicht nur beim geplanten Bau am Marstall, sondern auch bei dem Gebäude, das derzeit an der Ecke Osterstraße/Röselerstraße für die Deutsche Hypo entsteht.

„Als ich die Strabag-Pläne gesehen habe, habe ich sofort gedacht: Nicht noch ein Kröpcke-Center!“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Aus seiner Sicht ist das „alles nur noch Einheitsbrei, der da gebaut wird. Das sind doch fast Kopien“, kritisiert der FDP-Mann. Erstaunlich sind die Ähnlichkeiten, weil alle drei Gebäude auf Architektenwettbewerbe zurückgehen, die eigentlich auch für Abwechslung sorgen sollen. Dieter Küßner (CDU) wundert sich dennoch nicht. Als Vorsitzender?des Bauausschusses hat er schon an vielen Jurysitzungen zu solchen Wettbewerben teilgenommen und dabei den Eindruck gewonnen, „dass unserem Stadtbaurat Uwe Bodemann diese Schießschartenarchitektur zu gefallen scheint“.

Zwar werde in den Sitzungen theoretisch demokratisch abgestimmt, „aber oft ist es doch so, dass sich die eingeladenen Architekten an der Meinung des Stadtbaurates orientieren“. Küßner fehlt es sowohl in den Jurys als auch bei den zu den Wettbewerben eingeladenen Architekten „oft an jungen und kreativen Köpfen, die auch mal querdenken. Das sind immer wieder die gleichen Typen Architekten, die da mitmischen.“ Die Stadt macht übrigens gar keinen Hehl daraus, dass die Gebäude Ähnlichkeiten aufweisen.

Für sie stehen diese Bauten für „hochwertige Qualität“, die die jeweilige Umgebung bereichere. „Fakt ist, dass jede Epoche in der Geschichte des Bauens einen eigenen architektonischen Reiz und Stil ausprägt. Insofern können Gebäude gewisse strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Das sieht auch Professor Jörg Friedrich so, der an der Leibniz-Universität Architektur lehrt: „Hannover ist architektonisch sehr zersplittert. Solche Bauten können der Stadt auch ein wiedererkennbares Gesicht geben.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige