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Helena Nedbal an ihrem bisherigen Arbeitsplatz.

Helena Nedbal an ihrem bisherigen Arbeitsplatz.
 © Florian Petrow

Hannover

Alleinerziehende KiTa-Betreuerin muss zur „Tafel“

Helena Nedbal verlor ihre Erlaubnis zur Kindertagespflege durch schwierige Umstände – jetzt muss sie zur Lebensmittelausgabe. „Ich bin ein Opfer des Systems“

hannover.  Vor vier Monaten verlor Helena Nedbal ihre Existenzgrundlage: „Und noch immer falle ich und bekomme keinen Boden mehr unter den Füßen.“

Es war der 28. April, ein Freitag, als die Stadt Hannover der alleinerziehenden Mutter die Kindertagespflegeerlaubnis entzog – und damit die Grundlage, weiter als Tagesmutter zu arbeiten. Seit fünf Jahren betreibt die 43-Jährige, die drei Kinder (2, 5, 13) hat, im Keller ihres Hauses in Anderten die Tagespflege „Wasserflöhe“. Sie betreute dort fünf Kinder unter drei Jahren.

„Mein Ruf war tadellos, bis ich Bekanntschaft mit einer sehr speziellen Mutter machen musste“, sagt Nedbal. Diese habe die Tagesmutter Anfang April beim Familienservicebüro der Stadt wegen Kindeswohlgefährdung angezeigt. Nedbal: „Die Mutter griff einen Vorfall auf, der mehr als 16 Monate zurücklag. Damals hatte ich für wenige Minuten meine große Tochter die Tagespflegekinder beaufsichtigen lassen, da ich meinen Sohn mit hohem Fieber aus dem Kindergarten in der Nachbarschaft holen musste“, er­zählt sie. „Ein Fehler“, gibt sie zu, sie habe in dem Moment nicht als professionelle Tagesmutter, sondern als Mutter gehandelt. Doch Nedbal hatte kurz nach dem Vorfall alle Eltern der von ihr betreuten Kinder über den Zwischenfall informiert. Nedbal: „Damals einigten sich die Eltern sogar darauf, dass es in solchen Notfällen in Ordnung wäre, wenn meine älteste Tochter kurzzeitig die Aufsicht übernimmt.“

Nur die eine Mutter sei nicht einverstanden gewesen. Nedbal kündigte ihr schließlich den Betreuungsvertrag, wenige Wochen später entzog ihr die Stadt die Pflegeerlaubnis. Ohne ihr zuvor die Chance zu geben, Stellung zu nehmen.

„Meine Welt ist zusammengebrochen. Kinder sind mein Lebensinhalt“, sagt sie sichtlich bewegt. Die 43-Jährige klagte gegen den Beschluss, Ende Mai entschied das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren, dass die Landeshauptstadt rechtswidrig gehandelt habe. Nedbal: „Aber da waren alle fünf von mir betreuten Kinder schon in andere Kitas vermittelt. Seitdem stehe ich ohne Einkünfte da.“ Nach Auskunft von Stadtsprecherin Konstanze Kalmus wurden in den letzten fünf Jahren drei Tagespflegepersonen die Erlaubnis zur Kindertagespflege entzogen. Kalmus: „Die anderen beiden Aufhebungen erfolgten rechtmäßig.“ Weiter wollte die Stadt zu dem Fall von Helena Nedbal nicht Stellung nehmen.

Führte also ein Behördenfehler das Leben der 43-Jährigen in den sozialen Ab­stieg? Aus Sicht von Nedbal auf jeden Fall: „Ich bin ein Opfer des Systems.“ Seit dem Freitag Ende April ist nichts mehr im Leben von ihr und den drei Kindern, wie es vorher war: „Die wenigen Ersparnisse, die wir hatten, sind aufgebraucht. Alle Hobbies meiner Kinder, Klavier, Reiten und Sport, liegen auf Eis. Rechnungen und Mahnungen stapeln sich. Unser Leben ist zur Katastrophe geworden. Selbst Schulbücher konnte ich meiner Tochter nicht kaufen.“ Derzeit lebt die Alleinerziehende von Unterhalt und Kindergeld – „1350 Euro sind das. Allein die Miete für unser Haus beträgt schon 1000 Euro.“

Am 25. Juli ging Helena Nedbal zum ersten Mal in Mittelfeld zur Lebensmittelausgabe. „Seitdem gehe ich zweimal pro Woche dorthin. Jedes Mal fühle ich mich erniedrigt. Ich schäme mich, aber was sollen wir sonst essen?“ Denn noch immer hat die 43-Jährige keinen Bescheid vom Jobcenter. Nedbal: „Seit Anfang Mai liegt dort mein Antrag, doch es passiert nichts. Ich brauche endlich Geld, damit wir überleben können. Ich bin verzweifelt und begreife nicht, wie so etwas mitten in Deutschland passieren kann.“

Laut Jobcenter hat Nedbal zwei Termine zur An­tragsabgabe absagen müssen, auf den von ihr am 8. Juni erbetenen Ersatztermin habe es tatsächlich lange keine Reaktion der Behörde gegeben, so Nedbal. Ihre Unterlagen habe sie dadurch erst am 22. Juni im Jobcenter Freundallee abgeben können. Grundsätzlich werde ein Neuantrag immer zeitnah geprüft, so Jobcenter-Sprecherin Lilia Bruns. „Dies ist im Fall von Frau Nebdal leider nicht erfolgt“, räumt sie ein, „wir bedauern diese Verzögerung sehr und entschuldigen uns bei Frau Nebdal dafür.“ Nach der NP-Anfrage habe man sofort Kontakt aufgenommen, so Bruns: „Eine Bewilligung ist jetzt veranlasst, Zahlungen werden zeitnah eingehen.“

Von Britta Lüers


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