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Meine Stadt Aktion gegen Katzenelend
Hannover Meine Stadt Aktion gegen Katzenelend
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00:16 13.01.2018
ALLEIN: Eine streunende Katze spielt in Hannover mit einer kurz zuvor gefangenen Maus. Quelle: dpa
Hannover.

Wie groß ist das Problem mit den Streunerkatzen in Niedersachsen?

In den Städten und Gemeinden ist das nur an besonderen Plätzen, sogenannten Hotspots, auffällig. Wir gehen in ganz Niedersachsen von 200 000 Streunerkatzen aus, für die sich eigentlich niemand verantwortlich fühlt. Die Probleme fallen mir vor allem auf, wenn ich Tierheime besuche. Streunerkatzen und ihr Nachwuchs werden oft von den Tierheimen aufgenommen und kastriert. Die Tierschützer kommen so an den Rand der finanziellen Belastung.

Warum können diese Katzen nicht etwa auf Bauernhöfen überleben?

Katzen sind keine Wildtiere, sie sind auf die Pflege und Fütterung von Menschen angewiesen. So viele Mäuse, um die vielen Katzen zu sättigen und auch mit Nährstoffen zu versorgen, gibt es ja auch nicht. Die Katzen sind vielfach abgemagert. Ihr Immunsystem ist nicht gut, viele haben Parasiten und Würmer, manche haben schlimme ansteckende Krankheiten wie Katzenschnupfen oder Katzenleukose. Und es finden Rangkämpfe statt, da kommt es zu Verletzungen, die nicht richtig verheilen.

Diese Rangkämpfe gibt es auch mit Katzen, die ein Zuhause haben. Was kann passieren?

Die Streuner können mit Krankheiten angesteckt werden und bringen Sie mit nach Hause. Unkastrierte Kater decken freilebende Katzen und tragen so zur Vermehrung des Katzenelends bei.

Woher kommen die Streuner?

Die meisten von ihnen waren mal Hauskatzen, die ausgesetzt wurden oder weggelaufen sind. Dann vermehren sie sich und man hat in vielfacher Generation neue Katzen.

Verschärft sich das Problem nach Weihnachten, wenn man das tierische Spielzeug nicht mehr will?

Gerade vor der Urlaubszeit verschärft sich das Problem, wenn die Katzen nicht untergebracht werden können. Oder wenn die Probleme kommen: Am Anfang sind die Katzenbabys niedlich, aber wenn dann das Katzenklo regelmäßig geputzt werden muss oder auch mal was daneben geht oder etwas kaputt gekratzt wird, dann werden viele Tiere ausgesetzt.

Die Kastrationsaktion läuft vom 15. Januar bis 15. März. Wie hoch sind die Kosten?

Das Land stellt 200 000 Euro zur Verfügung. Zusätzlich kommen 45 000 Euro als Spenden vom Landes- sowie Bundesverband des Deutschen Tierschutzbundes und der Tierschutzorganisation Tasso, und es werden etwa 60 000 Euro an Rückspenden der Tierärzte erwartet.

Kann denn jeder, der streunende Katzen wahrnimmt, diese einfangen und zum Tierarzt zum kastrieren bringen?

Das sollten nur Leute machen, die kontrollierte Futterstellen betreuen und die gewährleisten können, die Tiere dann auch ein paar Tage aufzunehmen. Die Katzen brauchen nach der Operation ja erst einmal Ruhe und Pflege. Man kann sie erst wieder ins Freie lassen, wenn die Wunde einigermaßen verheilt ist. Da scheiden ja schon viele Privatpersonen aus.

Nimmt jeder Tierarzt im Niedersachsen an der Aktion teil?

Die Aktion ist freiwillig. Jede Tierarztpraxis in Niedersachsen kann teilnehmen.

In Kommunen wie Braunschweig müssen Katzenbesitzer ihre freilaufenden Tiere chippen und kastrieren lassen, anderenfalls droht ein Ordnungsgeld. Das Land hat im Herbst eine Subdelegationsverordnung erlassen, die den Kommunen diese Möglichkeit gibt. Hannover hat sie nicht umgesetzt….

Ich würde mir natürlich wünschen, dass Hannover dies auch umsetzt. Nach Angaben des Tierschutzvereins ist dies sowohl in der Stadt als auch in der Region Hannover erforderlich. Wir wollen die Kastrations-Aktion quasi als Auftakt nehmen, um die Thematik zu verdeutlichen und hoffen, dass weitere Kommunen eine entsprechende Katzenschutzverordnung erlassen. Am besten wäre, wenn die privaten Katzenhalter auch ohne Verordnung ihre freilaufenden Tiere kastrieren lassen. Denn gerade unkastrierte Kater tragen letztlich zum Katzenelend bei. Die 140 Euro für die Kastration sollte man auch als Beitrag für den Tierschutz begreifen.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass man zum Besitzer wird, wenn man sich regelmäßig um Streuner kümmert und sie füttert…

Das ist falsch. Für obdachlose Katzen sind die Kommunen zuständig.

Von Petra Rückerl

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