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Meine Stadt Aha hofft für Hannover auf die Gelbe Tonne
Hannover Meine Stadt Aha hofft für Hannover auf die Gelbe Tonne
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18:33 13.09.2018
WILL DIE TONNE: Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz. Quelle: Foto: Schaarschmidt
HANNOVER

Wie berichtet, zeichnet sich im Rat der Stadt Hannover eine Mehrheit für die Gelbe Tonne ab – SPD, FDP und Grüne haben das Thema jetzt auf die Tagesordnung gesetzt und in einen Prüfauftrag für die Stadtverwaltung Hannovers gepackt. Das kommt dem kommunalen Abfallentsorger Aha gelegen, wollte er doch schon Anfang 2017 möglichst umgehend eine diesbezügliche Entscheidung der Regionsversammlung – die entscheidet letztlich - , damit ab 2018 in der Stadt Hannover der Gelbe Sack durch die Gelbe Tonne ersetzt wird. Aha-Chef Thomas Schwarz jetzt zur NP: „Ich finde das gut, dass das jetzt mal einer Entscheidung zugeführt wird und man sich damit jetzt mal auseinander setzt.“

Ob die Umstellung auf die Gelbe Tonne ohne Gebührenänderung möglich ist, scheint unklar. Anfang 2017 sagte Schwarz, er wolle beim aktuellen Wissensstand „nicht versprechen, dass das gar nicht wehtut “. Er rechne mit einer maximalen Gebührenerhöhung von drei Prozent durch die Umstellung – es könne auch genauso viel günstiger werden. Wobei die Gelber-Sack/Gelbe-Tonne-Abfuhr nicht gebührenfinanziert ist, sondern im Warenpreis der Händler einkalkuliert (siehe Info). Doch bedeute die Tonne mehr Aufwand, besonders für Personal und Fahrzeuge – Säcke sammeln sei einfacher: „Der Sack wird reingeworfen und fertig – die Tonne muss man ja wieder zurückführen.“

Darum weicht Schwarz jetzt auch von seiner Vorstellung ab, die Gelbe Tonne kombiniert als Wertstofftonne zu benutzen. Sonst würden neben den Leichtverpackungen (LVP, früher: „Alles mit dem Grünen Punkt“) auch „stoffgleiche Nichtverpackungen“ mitgesammelt werden – neben der Alufolie der Schokolade also auch die Bratpfanne aus Aluminium. Nun soll es eine „reine Verpackungsabfalltonne“ werden, „das ist meine Empfehlung“. Grund: Das Duale System könnte monieren, dass die Wertstoffe keine Verpackung seien, man mithin dessen Entsorgungskosten nicht tragen wolle, nur den für den Anteil an Verpackungsinhalt in der Tonne – dann käme auf die Bürger eine „Zuzahlung“ zu, wie Schwarz es nennt. Außerdem sei mit den so gewonnen Wertstoffen sehr wenig zu erlösen.

Und wie ist die Position der Stadtverwaltung Hannovers? „Es handelt sich bei dem Beschluss ja um einen Prüfauftrag an die Verwaltung“, sagt Stadtsprecher Udo Möller und erklärt: „Das heißt, es wird nun geprüft, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Systeme haben und ob eine Umstellung sinnvoll und machbar ist und welche Kosten dies verursachen würde.“ Dabei müsste „eine ganze Reihe von Faktoren geprüft werden“, darunter etwa: Wo ist Platz vorhanden? Können/dürfen die Tonne/Container überall an der Straße stehen. Am Ende der gesamten Prüfung werde „ein Entscheidungsvorschlag stehen“, sagt Möller. Die politische Entscheidung fällt allerdings im Ausschuss für Abfallwirtschaft in der Regionsversammlung, an die die Stadt Hannover diese Belange abgetreten hat.

Allerdings braucht es auch die Zustimmung des Dualen Systems (gebildet von mehreren Firmen), das grundsätzlich dafür sorgen muss, dass die sogenannten Leichtverpackungen ordentlich gesammelt, sortiert und entsorgt oder wiederverwertet werden.

Aha rechnet damit, dass dann 71 000 Gelbe Tonnen erforderlich sind – entsprechend der Zahl an Restabfalltonnen in der Stadt. Auch für sehr beengte Wohn- und Straßenverhältnisse wie in der Südstadt, der List oder Limmer hat Schwarz eine Idee: „Vielleicht ist das der Königsweg: Wo es gar nicht geht bleibt es beim Sack, der Rest erhält die Tonne.“

Und fürs Umland sieht er auch eine andere Zukunft: Dort erwartet der Aha-Chef in Verbindung mit dem neuen Verpackungsgesetz ab dem Jahr 2021 eher die 14-tägliche Abfuhr in der Gelben Tonne statt wie heute wöchentlich per Gelbem Sack. Denn das Duale System stehe unter Druck: Zum einen soll die Einsammelquote von derzeit 36 Prozent auf 63 Prozent im Jahr 2022 steigen. Zum anderen könne Aha in Verbindung mit der Politik aufgrund der neuen Gesetzeslage diese Eckpunkte auch per Verwaltungsakt vorgeben. Derzeit läuft die Ausschreibung für die LVP-Abfuhr im Umland, wo zur Zeit der private Entsorgungskonzern Remondis am Zuge ist. Schwarz geht davon aus, „dass wir die Ausschreibung nicht gewinnen“ – doch dass die Karten wegen der geänderten Gesetzeslage diesmal nach zwei Jahren statt drei Jahren neu gemischt werden. Und dann sieht er Aha in einer stärkeren Position.

Das Duale System

Das Duale System ist die Organisation, die für den Handel die sogenannten Leichtverpackungen einsammelt oder einsammeln lässt, sortiert und der weiteren Verwertung oder Entsorgung zuführt. Bezahlt wird das vom Verbraucher (weil die Kosten in den Produktpreis einkalkuliert sind), daher gibt es keine „Gelber Sack-Gebühr“. Gelber Sack, blaue Tonne, Biomüll, Orange Tonne, Wertstoffhof, Glascontainer, Altkleidersammlung, Batterierücknahme: In den Augen vieler Menschen anderer Länder gilt es quasi als „typisch deutsch!“: Die Müll-Trennung. Laut Statistik der Europäischen Umweltagentur werden hier zwei Drittel des Hausmülls recycelt, also wiederverwertet und –verwendet (überwiegend im Sinne von verbrannt zur Energiegewinnung oder Zementherstellung). Das sei eine Folge der 1991 eingeführten Verpackungsverordnung. Damals startete unter Umweltminister Klaus Töpfer das System mit dem Grünen Punkt.

Von Ralph Hübner

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