Navigation:
NIEDERLAGE:Ahmed A. scheiterte gestern mit seiner Klage vor demVerwaltungsgericht.

NIEDERLAGE: Ahmed A. scheiterte gestern mit seiner Klage vor dem Verwaltungsgericht.© Dröse

Terrorverdacht

Afghane darf nicht nach Kabul

Ahmed A. aus Hannover ist Anhänger der Scharia, hat Kontakt zu Islamisten und soll Anschäge in Kabul planen. Jetzt hat er gegen sein Ausreiseverbot geklagt. Vor Gericht drückte er sich vor klaren Aussagen.

Hannover. Dunkles Basecap, Kapuzenpullover, zweifarbige Lederjacke im Bikerstil, blaue Denim, knöchelhohe Boots - äußerlich ist Ahmed A. (22) ein junger Mann, der den westlichen Lebensstil pflegt. Tatsächlich tickt der anerkannte Flüchtling aus Afghanistan aber ganz anders: Er ist ein Anhänger der Scharia (Islamisches Recht, Anm. d. Red.), pflegte im Internet unter einem Pseudonym Kontakte zu radikalislamischen Kreisen in seiner Heimat und plante nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Kabul Anschläge.

Die Landeshauptstadt Hannover hat deshalb ein einjähriges Ausreiseverbot gegen den 22-jährigen verhängt. Außerdem verlängerte die Behörde seinen Flüchtlingsausweis nicht. Zu Recht, wie das Verwaltungsgericht Hannover gestern entschied und damit die Klage des Afghanen gegen beide Verfügungen abwies.

Als 19-Jähriger war A. 2011 nach Deutschland gekommen, sieben Monate später wurde er als Flüchtling anerkannt. Damals hatte er vorgegeben, von radikalislamischen Milizen in Afghanistan verfolgt worden zu sein, weil er als Dolmetscher und Minenentschärfer für die amerikanischen und britischen Streitkräfte gearbeitet hatte.

Im Laufe seiner Zeit in Deutschland wurden Sicherheitsbehörden auf den 22-Jährigen aufmerksam: Unter einem Pseudonym tummelte er sich in radikal-islamischen Netzwerken und unterhielt Kontakte zur „Hezbi-Islamye“-Bewegung von Gulbuddin Hekmatyar. Der ist einer der schlimmsten Warlords in Afghanistan. In einem Behördenzeugnis ordnete das Bundesamt für Verfassungsschutz den Aliasnamen eindeutig A. zu und berichtete über Erkenntnisse, dass er in Kabul Anschläge plane. Ziel seien Soldaten und Einrichtungen der „Resolute Support“-Mission der Nato, bei der afghanische Sicherheitskräfte ausgebildet werden - auch von Angehörigen der Bundeswehr.

Dazu kommt, dass A. Anfang des Jahres zweimal von der Polizei bei der Koran-Verteilaktion „Lies!“ in der hannoverschen Innenstadt angetroffen wurde. Ein Foto dazu fanden die Sicherheitsbehörden bei Facebook. „Der Kläger ist dem salafistischen Umfeld zuzuordnen“, stellte der Vorsitzende der 10. Kammer, Michael Ufer, fest. „Wie stehen Sie zur Scharia?“, wollte er von A. wissen. Wie schon bei Fragen zuvor redete der 22-Jährige zwar viel, sagte tatsächlich aber nichts. Kurzversion: „Die Scharia ist Teil des Korans.“ So ging das Frage-Antwort-Spiel hin und her. Bis Ufer ihm ins Gesicht sagte: „Sie weichen mir aus.“ Und er bohrte nach: „Sind Sie ein Anhänger der Scharia?“ Darauf der Afghane: „Wenn ich die Scharia nicht akzeptiere, bin ich kein richtiger Moslem.“ Der Kammervorsitzende kam im Urteil zu folgendem Schluss: „Es ist radikales Gedankengut beim Kläger anzunehmen.“

Darum habe die Landeshauptstadt richtig gehandelt, als sie das Ausreiseverbot verhängte. Nach der Resolution 2178 des UN-Sicherheitsrats von 2014 hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, Gefährder wie A. daran zu hindern, das Land zu verlassen. Von Attentaten in Kabul wollte er gestern bis zuletzt nichts wissen: Er habe angeblich ausreisen wollen, um seine kranke Mutter zu besuchen.Gegen das Urteil kann er vor dem Oberlandesgericht Celle vorgehen.

Von Britta Mahrholz


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok