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Meine Stadt AfD-Parteitag: Hannover ist gerüstet
Hannover Meine Stadt AfD-Parteitag: Hannover ist gerüstet
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00:17 04.12.2017
Die Polizei hat im Vorfeld des AFD-Bundesparteitages bereits Absperrungen rund um das HCC errichtet. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Die ersten Wasserwerfer sind schon Freitagnachmittag aufgefahren. Immer mehr gleicht das Zoo-Viertel einer Festung. Im Hannover-Congress-Centrum trifft sich die AfD zu ihrem Bundesparteitag. Mit der Wahl von Ort und Termin hatte sie sich eigentlich für die  Mitte Januar geplante Landtagswahl anfeuern wollen.

Beim Blick aus dem Fenster bekommt Cornelia Kupsch „ein mulmiges Gefühl“. Die Bezirksbürgermeisterin (CDU) wohnt in der Seelhorststraße – genau da, wo am Sonnabend um sieben Uhr eine von drei Blockaden durch Gegendemonstranten ge­plant ist.

„Überall Einsatzfahrzeuge und Polizisten“, berichtet die 61-Jährige. Und überall Halteverbotszonen. Für das Viertel und seine Anwohner habe das schwerwiegende Folgen: „Familienfeiern müssen verschoben werden, angekündigter Besuch hat abgesagt.“ In ihrer Nachbarschaft, so erzählt Kupsch, falle ein Kindergeburtstag aus: „Ein Mädchen aus der zweiten Klasse wollte mit seinen Freundinnen feiern. Die müssten von ihren Müttern oder Vätern hingebracht werden, und das geht dann eben nicht.“ Aus Gesprächen weiß die Bürgermeisterin, dass sich viele „abgeriegelt“ fühlen. Ähnlich wie im Vorjahr beim Messebesuch von US-Präsident Barack Obama: „Aber das war ja ein schönes Ereignis; man musste sich nicht sorgen um Randale auf beiden Seiten.“

Kupsch wünschte sich, Polizei und Stadt hätten in ihre Planung den Bezirksrat einbezogen: „Wir würden vorschlagen, die Straße am Steuerndieb an diesem Wochenende mal nicht zu sperren. Dann kämen die Menschen wenigstens auf Umwegen zum Zoo.“ Dort ist die Zuversicht groß, dass sich viele zu Fuß oder mit dem Rad auf den Weg machen, denn weder Bahnen noch zunächst angekündigte Ersatzbusse werden zum Zoo fahren. Sprecherin Simone Ha­genmeyer: „Der Weg lohnt sich auf jeden Fall, zumal am Samstag die Veranstaltung ,Radio 21 Rock on Ice’ läuft – mit dem Eishockeyderby Hannover Indians gegen Hannover Scorpions und der Eislaufshow ,Alice im Wunderland’.“ Am Sonntag ist direkt im Kuppelsaal ein Klassik-Konzert. „Wir stehen mit dem Veranstalter in Kontakt, das Konzert soll stattfinden“, sagt Polizeisprecher Sören Zimbal. Besuchern könne er nur raten, sich über die Lage zu informieren.

Freitagabend schon der erste Testfall für friedfertigen Protest: Die AfD bat zum Empfang. Demonstriert wurde hauptsächlich in der City. Von der Goseriede in die Nordstadt führte der Zug mit rund 1000 Teilnehmern. Nur vereinzelte Aktivisten waren rund um den Kuppelsaal zu sehen. Gleich nebenan, in der Eilenriedehalle, wird heute von zehn  Uhr an der Machtkampf ausgetragen um den Vorsitz der rechtspopulistischen Partei und ihren künftigen Kurs. Hannover zeigt dagegen Flagge mit buntem Protest. Auch die Blockierer wollen sich einreihen bei der Auftaktkundgebung (11.30 Uhr, Theodor-Heuss-Platz) und dem  Demo-Zug zum Georgsplatz, wo um 13.30 Uhr die Abschlusskundgebung läuft. Im Zoo-Viertel wird dann noch lange nicht Ruhe einkehren. Die Polizei ist vorbereitet auf mögliche Randale, auch Beamte aus Berlin und Hamburg sind im Einsatz.

Die begreift AfD-Landesvize Jörn König wie alle Demos gegen den Bundesparteitag als „Schande für unser Volk“. Er komme mit dem Rad und werde nach Absingen der Nationalhymne wieder fahren – wahrscheinlich, bevor die Besucher des Don-Giovanni-Konzerts melodischere Töne hö­ren.

Von Vera König und Eva Maria Weiss

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