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Meine Stadt Ärztehaus am Schiffgraben wird deutlich teurer
Hannover Meine Stadt Ärztehaus am Schiffgraben wird deutlich teurer
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00:19 22.12.2018
BAUSTELLE BIS ENDE 2021: Hier entsteht das neue Ärztehaus. Der Altbau der Ärztekammer wurde in diesem Jahr abgerissen. Foto: Quelle: Droese
HANNOVER

Der Neubau des Ärztehauses am Schiffgraben wird deutlich teurer als bekannt war. Bislang hatte die Kammer die Baukosten auf 50 Millionen Euro kalkuliert. Am Mittwoch teilte Kammer-Sprecher Thomas Spieker mit: „Hinzu kommen die Baunebenkosten in Höhe von 25 Millionen Euro.“ Diese Summe falle zum Beispiel für Gutachter und Projektentwickler an. Diese „Nebenkosten“ wurden bislang verschwiegen.

Um den Neubau stemmen zu können, werden ab 2019 die Kammerbeiträge der Ärzte erhöht. Die Erhöhung ist auf drei Jahre befristet. Für einen tariflich eingruppierten Facharzt steige der Beitrag von 429 auf 566 Euro im Jahr, heißt es. Der Bundesverband für freie Kammern (bffk) hatte zuerst über „Spekulationen“ höherer Baukosten berichtet. Der Verband kritisierte in der Vergangenheit immer wieder die mangelnde Transparenz bei Ärztekammern.

Und im Zuge des Neubaus (geplante Fertigstellung Ende 2021) hat vor allem Kammerpräsidentin Martina Wenker ein merkwürdiges Schauspiel geboten. Zunächst begründete sie die Neubaupläne Ende 2016 mit mangelndem Brandschutz. Die Stadt habe sogar eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Davon wollte die Stadt allerdings nichts wissen.

Später hieß es dann, dass in dem 38 Meter hohen Gebäude Asbest und andere Schadstoffe verbaut worden seien. Im September 2016 war bei der Kammer davon die Rede, dass das Ärztehaus aus Asbestzement bestehe. Beim Abriss wurden dann lediglich leicht zugängliche Schadstoffe entfernt: belastete Isolierungen, Fliesenkleber oder Spachtelmassen. Teerhaltige Schadstoffe seien nicht gefunden worden, erklärte ein Bauexperte.

Das Ganze klingt einigermaßen irrsinnig: Warum reißt die Kammer ihren Sitz ab und rechtfertigt das mit Übertreibungen? Der Landesrechnungshof hatte bei der Ärztevertretung eine unzulässig hohe Rücklagenbildung (etwa 20 Millionen Euro) festgestellt. Auch das Manager-Gehalt von Wenker (200 000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen) fanden die Rechnungsprüfer für ein Ehrenamt zu hoch.

Beim Landesrechnungshof mutmaßte man: Die Ärztevertretung wollte sich von einer Behörde nicht sagen lassen, was sie mit ihrem Geld anfangen soll. Also sei die Idee für einen Neubau geboren worden. Doch dafür brauchte man Argumente. Schließlich geht es um die Pflichtbeiträge der Kammermitglieder (rund 41 000 Ärzte), die jetzt noch tiefer in die Tasche greifen müssen.

Von Thomas Nagel

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