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Einer von der Ich-AG: Adel Tawil beim Konzert in der TUI-Arena in Hannover.

Einer von der Ich-AG: Adel Tawil beim Konzert in der TUI-Arena in Hannover.© Steiner

Konzertkritik

Adel Tawil auf "gute Reise" in Hannover

Ein Ich für alle Fälle. In Hannovers TUI-Arena startete Adel Tawil von "Ich + Ich" Donnerstag vor 6500 Fans die „Gute-Reise“-Tour.

Von Matthias Halbig

HANNOVER. Gleich mal Drama, und zwar dick! Vorm Fenster tobt der Hass, der Held fühlt sich wie ein „Zombie, gefangen in der Dunkelheit“. Adel Tawils Timbre lässt keinen Zweifel: Die Liebe kam „in letzter Sekunde“. Texte! Boa-ey! Da will die ZDF-Hitparade glatt wieder ins Fernsehen zurück. Erster Song des ersten Konzerts der Ich+Ich-Tour gestern in der TUI-Arena. Mittleres Tempo, erstmal auch mittlere Stimmung bei den 6500.

Die Gitarre in „Pflaster“ klingt ein bisschen nach Thriller, nicht gerade nach lebenden Toten, dafür greift sie den Twang der James-Bond-Musik auf, und auch die Keyboards stehen hier offenkundig auf 007. Viele in der TUI sind schnell als gemischter Chor für Tawil tätig: „Du legst dich zu mir / wann immer ich frier.“ Das ist kuschelig, der Liebestriumph aller Ichundichs der Welt über die Unbilden des Lebens. Mit „Hilf mir“ gehts weiter. Einer fällt darin immer tiefer. „Rette mich“ fleht Tawil. Die Gitarre klingt jetzt nach U2, genauer nach „With or without you“. Wirklich egal, ob mit oder ohne dich? Nein, hier gehts um Zweisames. Ich und ich eben.

Obwohl ja wieder nur ein Ich auf der Bühne steht. Das andere, Annette Humpe (58), legendäre Ideal-Frontfrau, hat vor ihrem Lampenfieber kapituliert, schreibt nur noch Lieder und lebt ansonsten gut als „non-performing artist“. Der alte Boyz-Boygrouper Tawil im Alleingang – da hatte man ja wenig Hoffnung auf Großhallenstatus. Und sich verrechnet. Weil: Die Melodien sind Ambrosia fürs Ohr, die Arrangements sind gar nicht so eintönig, die Stile reichen von Soulpoprock bis Hip-Pop und die in den Dreiminutendramen vorherrschende Melancholie (mit oft sichtbarem Tunnel#ende) ist seit je beliebt. „Mach dein Licht an / und weiter gehts“ singt der 31-Jährige. Kopf-hoch, ihr Beladenen!

Die Banalität solcher Zeilen wird von Soul-Mans kraftvoller Strahlestimme gnädig verschattet, vor allem, wenn Tawil ins nutellasüße Falsett steigt. Ein umarmender Performer ist er, preist die Begeisterung der Fans, wie es sonst nur die Chris de Burghs der Welt tun. Und gibt sich dann auch bescheiden wie der kleine Ire: „Ich steh nur da oben und sing mein Lied“, singt Tawil in „Stark“. „Das ist total stark“, meint die 46-jährige Dorothee, die „sonst alles“ hört – und damit auf Nachfrage die doch eher schmale Bandbreite „von Flippers bis Münchener Freiheit“ meint. Tochter Neele (16) steht sonst „auf Härteres“, auf „Sunrise Avenue und Tokio Hotel“. Bands, „hart wie Marmelade“, wie Humpes NDW-Kumpels Extrabreit sich ausdrücken würden.

Mit drei Leinwänden, Giga-Lichtschnecke über der Hauptbühne und Electric-Light-Anaconda an der Hallendecke (einer Traverse, die sich bis zur hinteren Unplugged-Bühne schlängelt), mit ägyptischem Gastsänger Mohammad Mounir und Oud-Spieler wirkt Tawils Show nicht zu klein für dieses Großhallenrund. Der Sound freilich ist bassig und matschig, den Ohren wird viel zugemutet. Sie verzeihens. Kein Zweifel besteht, dass alle hier Anwesenden „vom selben Stern“ kommen, einem rosa All-Ball aus der Galaxie Schlager-Nebel. In Ich-und-Ichs berühmtestem Lied schimmert dabei immer wieder die Melodie von Humpes 83er DÖF-Hit „Codo“ auf. Einer von den Beweisen, dass früher nicht wirklich alles besser war.

Aber jetzt gerade ist alles paletti. Einige Wunderkerzen prasseln. Passt gut. „Wir alle sind aus Sternenstaub“, singen alle Ichundichs dazu, endlich tanzt man auch auf den Rängen, „in unseren Augen warmer Glanz ...“

Wir wünschen weiterhin gute Reise. Gilt auch für den Show-Eröffner „Das Gezeichnete Ich“ und seine eindrucksvollen Song-Gemälde!

Bewertung: 3/5.


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