Navigation:

Immer wieder brennen 96-Ultras Bengalos im Stadion ab (Archivbild). Foto: dpa

Fußball-Gewalt

96-Ultras machen Polizei Sorgen

Ein Teil der 96-Fans bereitet der Polizei zunehmend Sorgen. Fußball-Einsatzleiter Guido von Cyrson (49) stuft den harten Kern der Ultras als „zunehmend gewaltbereiter“ ein. Alarmierend sei außerdem eine Vermischung der Ultra- und der Hooligan-Szene. Letztere ist nach Einschätzung des Polizeidirektors aktuell auf etwa 150 Mitglieder angewachsen.

Von Britta Mahrholz

Hannover. 50 bis 100 Personen zählt von Fußball-Einsatzleiter Guido von Cyrson (Foto: Wilde)

zum harten Kern der Ultras, mit Unterstützern seien es rund 250. Sie sorgen „bei Auswärtsspielen im Mob regelmäßig für Ärger“, so der Beamte. Ihnen gehe es nicht mehr darum, den Verein zu unterstützen, sondern sich mit Randale selbst zu feiern. „Vom Habitus, vom kriminellen Verhalten, vom Verhalten gegenüber der Polizei, von der konspirativen Anreise zu Auswärtsspielen agieren sie mittlerweile wie Hooligans“, sagt von Cyrson. Und immer öfter würden sie auch gegen die Polizei vorgehen: „Das hat bei uns zur Erkenntnis geführt, dass ein Erreichen dieser Gruppe polizeilich sicher nicht mehr möglich ist.“

Die Spaltung der hannoverschen Fanszene zwischen Ultras und den restlichen 96-Anhängern, die mit einer Schlägerei während des Saisonfinales gegen Freiburg eskalierte, könnte die Arbeit der Polizei beim Fußball noch  komplizierter machen. In welche Richtung sich die Ultras in der kommenden Saison bewegen, sei für die Polizei schwer einschätzbar, sagt von Cyrson. Die Gruppe befinde sich zurzeit „in einer Sackgasse“, aus der sie ohne Gesichtsverlust nicht mehr rauskomme.

Der Ball liege nun bei 96 und den Ultras. „Die Frage wird sein, wie schaffen es Verein und Ultras, eine Plattform zu finden, um wieder ins Gespräch zu kommen“, sagt von Cyrson.

In der abgelaufenen Bundesliga-Saison hat Hannover häufig das hässliche Gesicht des Fußballs gesehen: Fan-Gewalt, massiver Pyro-Einsatz beim Derby gegen Braunschweig in der HDI-Arena, Ausschreitungen nach der Niederlage bei der Eintracht am heimischen Stadion, die Spaltung zwischen Ultras und anderen 96-Fans, die beim Saisonfinale gegen Freiburg eskalierte. Sorge bereitet der Polizei immer mehr ein harter Kern der Ultra-Szene, den Fußball-Einsatzleiter Guido von Cyrson als „zunehmend gewaltbereiter“ einstuft. Dessen Größe schätzt er auf 50 bis 100 samt Unterstützern. „Bis zu 250 Ultras sind es, die bei Auswärtsspielen regelmäßig im Mob für Ärger sorgen“,  so der Polizeidirektor.
Geprägt war die zurückliegende Spielzeit von den Derbys gegen Braunschweig. Etwa 250 Straftaten zählte die Polizei allein beim Hinspiel in Hannover. Beispiellos war dabei der Pyro-Einsatz von Ultras in der Nordkurve. Von Cyrson: „Das war Feuerwerk ohne Ende.“ Aus Jutesäcken hätten die Zündler im Nord-Oberrang die Bengalos an Mitstreiter verteilt. Völlig klar sei, dass diese Masse von Pyrotechnik nicht am Tag des Spiels in die HDI-Arena geschmuggelt worden sei. „Wir gehen gesichert davon aus, dass die Sachen schon im Vorfeld reingebracht wurden“, erklärt der Einsatzleiter. Wann, durch wen und wo das Zeug bis zum Anpfiff deponiert war, stehe nicht fest. Eine dreistellige Anzahl von Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz hat die Polizei gezählt. Und obwohl die Ultras nahezu komplett vermummt waren, sei es mittlerweile gelungen, etwa ein Drittel der Täter zu identifizieren.

Auch dank der neuen Videotechnik in der HDI-Arena. Sie ist wichtiger Ansatzpunkt, Zündlern auf die Spur zu kommen. Bei zwei Durchsuchungen in Wohnungen von Verdächtigen (NP berichtete) hat die Polizei weiteres Beweismaterial gefunden, das beim Überführen der Täter helfe. „Aus der Auswertung sichergestellter Asservate ergeben sich fast wöchentlich neue Strafverfahren“, sagt von Cyrson.

Nach den Krawallen im Anschluss an die Derby-Pleite im April in Braunschweig vor der Fankneipe Nordkurve und bei den Ausschreitungen an der HDI-Arena, als die Mannschaft von 96 sich den Fans stellte und dabei mit Flaschen und Golfbällen beworfen sowie Feuerwerkskörpern beschossen wurde, hat die Polizei 36 Randalierer identifiziert. 22 Verfahren wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet. Von Cyrson: „Es werden zudem 15 Verfahren geführt, in denen gegen unbekannt ermittelt wird.“ Die Identifizierung von Verdächtigen läuft auch da auf Hochtouren. Seit dem letzten Heimspiel der Saison gegen Freiburg ist die Spaltung der Fan-Szene von 96 unübersehbar. Nach dem Stimmungsboykott der Ultras wegen der Pleite bei der Eintracht und der Bedingungen bei der Anreise zum Derby und „Kind-raus“-Rufen hatten tausende 96-Anhänger in der Arena „Ultras raus“ gefordert. In der Nordkurve eskalierte die Lage, es kam zur Schlägerei zwischen Ultras und Ultra-Gegnern, bei der – wie so oft – Polizisten zwischen die Fronten gerieten. Den hannoverschen Fan-Konflikt betrachtet von Cyrson mit Sorge: „Wir haben schon genug damit zu tun, gewaltbereite Fans der Heimseite von denen der Gastseite fernzuhalten. Wenn es auch noch Auseinandersetzungen in der eigenen Szene gibt, macht das das Ganze noch komplizierter und schwieriger.“ Wohin sich die rund 250 gewaltbereiten Ultras, die sich so vehement gegen Präsident Martin Kind und Manager Dirk Dufner stellen, in den nächsten Monaten bewegen, sei aus Sicht der Polizei nicht abschätzbar.
„Die Schwierigkeit für diese Gruppierung ist es, dass sie sich selbst mit ihrem Verhalten in eine Sackgasse begeben hat, aus der sie ohne Gesichtsverlust nicht mehr rauskommt“, meint der Polizeidirektor. Maßgeblich sei, ob es der harte Ultra-Kern schaffe, zur Besinnung zu kommen – und „zum Fußball zurückzukehren“. Inzwischen gehe es der Truppe nicht mehr um die Unterstützung von 96, sondern nur noch darum, sich selbst zu feiern und zu präsentieren. Einige Beispiele dafür seien Ausschreitungen nach dem Regionalligaspiel Hannover 96 II gegen die Reserve des VfL Wolfsburg an der U-Bahn-Station Markthalle, Randale in Nürnberg und die Schlägerei beim Freiburg-Spiel gewesen. „Dass da jemand den Verein supporten will, das glaubt doch kein Mensch mehr“, ist sich von Cyrson sicher.

Hauptgegner der Randalierer ist immer öfter die Polizei. Der harte Ultra-Kern mache „bei jeder Gelegenheit deutlich, dass er uns attackiert“, sagt der Einsatzleiter: „Das hat bei uns zur Erkenntnis geführt, dass ein Erreichen dieser Gruppe polizeilich sicher nicht mehr möglich ist.“ Der Ball liegt aus von Cyrsons Sicht bei Verein und Ultras: „Die Frage wird sein: Wie schaffen es Verein und Ultras, eine Plattform zu finden, um wieder ins Gespräch zu kommen? Wir werden weiterhin versuchen, mit der übrigen aktiven Fanszene im Dialog zu bleiben.“
Von der ultranahen Fanhilfe gab es gestern keine Stellungnahme.


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok