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Meine Stadt 456 Flüchtlinge in Lehrte angekommen
Hannover Meine Stadt 456 Flüchtlinge in Lehrte angekommen
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13:25 03.10.2015
Unter den angekommenen Flüchtlingen in Lehrte sind auch viele Kinder. Quelle: Körner / Madsack
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Lehrte

Gegen 1.15 Uhr in der Nacht war der Zug mit den Menschen in Passau gestartet, sagten DLRG-Mitglieder aus Bayern, die die 456 Flüchtlinge begleitet hatten. Gegen 9.40 Uhr traf der Zug in Lehrte ein, gut zwei Stunden später als geplant. Dort hatte die Einsatzleitung nach den Erfahrungen vom Dienstag, als die Stadt das erste Mal als Drehkreuz fungiert hatte, den Plan geändert: Die Flüchtlinge kamen vom Bahnsteig über die Post- in die Friedrichstraße. Die Zwischenstation in der Sporthalle entfiel. "Der Plan B hat sich bewährt", bilanzierte Einsatzleiter Jörg Engel. Seinen Angaben zufolge klappte der Umstieg dieses Mal innerhalb von einer Stunde, beim ersten Mal waren noch zweieinhalb Stunden nötig. 

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Niedersachsen hält unvermindert an: Ein Sonderzug mit 456 Flüchtlingen von der österreichischen Grenze ist am Samstagmorgen in Lehrte  eingetroffen.

Nach der Ankunft versorgten Freiwillige und Mitglieder von Hilfsorganisationen die Kinder, Frauen und Männer mit Getränken, Schokolade und Spielzeug. Gefragt waren zu diesem Zeitpunkt aber vor allem Dolmetscher. Allein aus der Region kamen nach Aussage von Dezernentin Cora Hermenau mehr als 20 Muttersprachler, einige von ihnen brachten sogar ihre Verwandten als Unterstützung mit. Über die Gruppe "Lehrte hilft" hatte Bürgermeister Klaus Sidortschuk weitere Dolmetscher gesucht - und gefunden. "Das ist beeindruckend", sagte er mit Blick auf die Gruppe von 50 Frauen und Männern, die wie Yildiz Deniz, Dashne Saleh und Yüksel Cime die Fragen der Ankommenden beantworteten. "Meist geht es um die Weiterreise", berichtete Dashne Saleh. Yüksel Cime beruhigte die Menschen vor allem erst einmal mit den Worten, dass sie in Lehrte sicher seien.

Die Verspätung des Zuges zwang nicht nur die 188 Helfer, darunter 76 Mitglieder aus Lehrter Feuerwehren, zum Warten in der Morgenkälte. Auch etliche Lehrter hatten sich an der Kreuzung Post-/Friedrichstraße eingefunden, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Antje Rubart-Rosentreter hatte mit Bekannten Schokolade, Windeln und Feuchttücher eingekauft. "Und Spielzeug", betonte sie - schließlich waren für diesen Zug besonders viele Kinder angekündigt worden. Mit Kuscheltieren warteten Laila Lopatar, Lara und Meira Jüschke als kleines Empfangskomitee auf die Durchreisenden. "Wir wollen einfach nur helfen", sagte Laila Lopatar. Andere wie Heike und Dennis Höltermann, Serivan und Resmy Koyun schmierten Brötchen und schenkten heißen Tee aus. "Der ist besonders nachgefragt", stellte das Quartett fest.

Auch wenn diese Hilfsbereitschaft die Verantwortlichen freut: "Mehr Freiwillige können wir dort nicht verkraften", sagte Sidortschuk. Einsatzleiter Engel fügte hinzu, die privaten Unterstützer sollten frühzeitig den Kontakt zur Einsatzleitung aufnehmen und sich nach einem Standort erkundigen, an dem sie den Ablauf nicht behindern. "Besser geeignet als der Platz am Sonnabend ist sicherlich der Bereich kurz vor den Bussen", sagte er. 

Nach dem Umstieg der Flüchtlinge aus dem dritten Zug am Sonntag bauen die Einsatzkräfte ihre Zentrale am Schützenplatz ab. "Weitere Züge sind nicht angekündigt worden", sagte Hermenau. Und Engel ergänzte, dass sich Lehrte als Drehkreuz für den Norden nicht eigne: "Wir müssten jedes Mal die Bundesstraße sperren", nannte er ein Beispiel. Zudem reiche der Platz in der Friedrichstraße an Werk- und Geschäftstagen nicht aus.

Angesichts von täglich bis zu 1000 neuen Flüchtlingen in Niedersachsen soll in Aurich eine weitere Notunterkunft entstehen. Die ehemalige Blücher-Kaserne werde bis Mitte November für die Aufnahme von 800 Flüchtlingen hergerichtet, kündigte das Innenministerium in Hannover an. Wenn sich der Unterbringungsnotstand bei den Flüchtlingen entspannt, sollen die Pläne der Stadt Aurich für eine anderweitige Nutzung der Kaserne weiterverfolgt werden.

Um die Erstaufnahme der Flüchtlinge weiterhin bewältigen zu können, machte das Innenministerium den Kommunen am Freitag den Vorschlag, Erstaufnahmeeinrichtungen im Auftrag des Landes zu betreiben, das alle Kosten übernimmt. Die dort in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft in Niedersachsen beherbergten Flüchtlinge sollen auf die Aufnahmequote der entsprechenden Kommune angerechnet werden. Seit Anfang September wurden in Niedersachsen 17.000 neuangekommene Flüchtlinge einquartiert. Seit Ende August sind in inzwischen über 20 Notunterkünften des Landes insgesamt 13.000 Plätze entstanden, weitere 7000 sind konkret in Planung. Trotz der Anstrengung kritisierte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Niedersachsen nehme deutlich weniger Flüchtlinge auf, als es nach dem Verteilschlüssel der Bundesländer eigentlich müsste. 

Antje Bismark und dpa

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