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Meine Stadt 33-Jähriger brennt im Rausch Stadtpark-Sauna ab
Hannover Meine Stadt 33-Jähriger brennt im Rausch Stadtpark-Sauna ab
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16:36 29.05.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Hannover

Als sich Jan B. (33) am 6. Dezember 2017 auf den Weg machte, hatte er zwei Schlingen in seinem Rucksack. Sich besaufen und dann das Leben nehmen? Zumindest den ersten Gedanken setzte der drogenkranke Mann in die Tat um. Er pfiff sich einen Joint, eine Flasche Wein und drei Tetrapacks Glühwein rein.

Als er bei der Stadtpark-Sauna in der Kleefelder Straße vorbeikam, hatte der Angeklagte eine fatale Idee. Er brach ein, klaute sechs Flaschen Massageöl im Wert von etwa 125 Euro und steckte den Laden an. Die Traditions-Sauna brannte ab, Schaden 200 000 Euro.

Am Dienstag legte Jan B. ein Geständnis vor dem Schöffengericht ab. Doch legte er das Feuer, um seine Spuren zu verwischen? Der Angeklagte hat 17 Vorstrafen, seine Fingerabdrücke sind gespeichert. Kurz nach der Tat, in den Morgenstunden des 6. Dezembers 2017, sagte er den Polizisten: "Ich habe nicht die ganze Zeit Handschuhe getragen, ich habe Panik bekommen." Also habe er Teelichter angezündet und Betttücher drüber geworfen.

Seine Anwältin, Tanja Brettschneider, erklärte: "Mein Mandant hat nur noch eine diffuse Erinnerung an die Tat." Er könne sich den Brand nur erklären, dass er beim Durchsuchen des Massageraums aus Versehen etwas auf die Teelichter geworfen habe. Während des Einbruchs war der volltrunkene Einbrecher eingeschlafen und wurde erst durch den Rauch geweckt.

Ist die neue Version des Angeklagten glaubhaft? Psychiater Christian Riedemann diagnostizierte dem Angeklagten eine Borderline-Persönlichkeit. Solche Menschen haben eine ausgeprägte Neigung, ihre Umwelt zu manipulieren. "Es gibt Borderliner, die gestehen sogar einen Mord, weil sie unter der Verhörsituation so leiden." Später widerriefen sie dann das Geständnis.

Jan B. ist ein Fall für den Maßregelvollzug. Er habe den Hang unter Drogeneinfluss, Straftaten zu begehen. Zur Tatzeit konnte der Gutachter eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen. Das Problem: Auf Grund der rechtlichen Vorschriften und der langen Therapie (zwei Jahre) macht ein Maßregelvollzug nur bei einer Verurteilung von etwa fünf Jahren sind.

Die Strafgewalt des Amtsgericht endet allerdings bei vier Jahren. Schöffenrichterin Alena Fischer scheint allerdings Zweifel an der vorsätzlichen Brandstiftung zu haben. Sie gab einen rechtlichen Hinweis, dass auch eine fahrlässige Brandstiftung in Frage kommen könne. Am 1. Juni wird weiterverhandelt.

Von Thomas Nagel

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