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Justiz

24 Jahre alte Straftat - Darum war es kein Mord

Eine Leiche im Fass, Jahrzehnte nach der Tötung gefunden, dazu ein Ehemann, der die Tat zugibt – wie kann das kein Mord sein? Viele sind erstaunt, dass die Staatsanwaltschaft die Tat als Totschlag einstuft. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge erklärt: „Mord ist eine qualifizierte Form des Totschlages, zu dem mehr gehört als nur eine Tötung.“ Dieses „Mehr“ könnte zum Beispiel Heimtücke sein. Auch länger geplante Taten werden eher als Mord eingestuft.

Hannover. Ein Totschlag geschieht vorwiegend im Affekt. Auch der Täter hat in seiner Aussage erklärt, dass er seine Frau im Streit getötet habe. Damit gibt es keine Qualifikation des Verbrechens als Mord – Klinge: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Dies könnte sich nur ändern, wenn etwa durch den Zeugenaufruf neue Erkenntnisse zutage träten, die belegen, dass es eine Tötungabsicht gab.

Der Unterschied für den Täter ist dabei ein eklatanter – entscheidet er doch am Ende auch über die Freiheit des Mannes. Denn jedes Delikt verjährt irgendwann. Außer – richtig – dem Mord. Würde es sich also doch noch herausstellen, dass es sich bei der Tat vor 24 Jahren um eine heimtückisch, vielleicht von langer Hand geplante Tat gehandelt hat, müsste sich der heute 52-Jährige wegen Mordes verantworten – damit wären die Karten neu gemischt, die Freiheit hätte sich je nach Prozessausgang mit hoher Wahrscheinlichkeit erledigt. Dass er die Leiche anschließend in einem Fass aufbewahrt hat, mag nicht nachvollziehbar klingen. Auf die Beurteilung einer Tat als Totschlag hat es aber in fast allen Fällen keinen Einfluss, wie die Leiche weggeschafft wurde.

Ermittelt wird grundsätzlich immer, wenn es einen vernünftigen Anfangsverdacht gibt, dass eine Person nicht aus eigenen Stücken verschwunden ist. „Es ist ja nicht absehbar, ob es sich nicht doch um Mord handelt“, so Klinge. Für die Verjährung wird laut dem Oberstaatsanwalt der Tatzeitpunkt in Betracht gezogen: „Die Verjährung kann unter bestimmten Gesichtspunkten unterbrochen werden, wenn zum Beispiel erste Vernehmungen laufen.“ Heißt: Hätte es konkrete Vernehmungen des 52-Jährigen kurz vor Ende der Frist von 20 Jahren gegeben, wäre er wohl doch verurteilt worden.

Die Diskrepanz zwischen Vermisstenmeldung und Befragung des Mannes erklärt Klinge so: „Natürlich werden zu Beginn der Ermittlungen alle aus dem Umfeld befragt. Solange es aber keine Hinweise gibt, dass jemand der Täter ist, gibt es keine weitere Grundlage.“ Erst die Ermittlungen der Polizei hätten den Mann zum Verdächtigen werden lassen – dann kam es auch zu den Widersprüchen in der Aussage.

seb


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