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Hannover

175 Jahre: Pelikan schreibt Geschichte

Ein Datum zum Freuen: Am 28. April feiert das hannoversche Familienunternehmen Pelikan sein 175-jähriges Bestehen. Die NP wirft gemeinsam mit dem Archivar und langjährigen Mitarbeiter Jürgen Dittmer einen Blick zurück in die vergangenen Jahrzehnte. Die Produktion von Tinte, Füllfederhaltern und weiterem Bürobedarf hat die Firma über die Grenzen Hannovers hinaus bekannt gemacht.

Hannover. Tintenkleckse im Schulheft, mit einem Füller die ersten Versuche in Schönschrift wagen – das ist für viele Pelikan.

Aber nicht für Jürgen Dittmer. Für ihn bedeutet die Firma Pelikan viele Jahre voller Erlebnisse, Geschichte und Arbeit an der Podbi. Noch heute kann sich der 84-Jährige an seinen ersten Tag in der List erinnern. „Das war am 24. Juni 1948“, sagt Dittmer, „man meldete sich morgens bei Meister Karl Höfer, das war der zweite Querbau im Erdgeschoss.“

Nun sind seit diesem Tag fast 65 Jahre vergangen, und noch immer arbeitet Dittmer für die Firma mit dem Vogelwappen, die mittlerweile aber nur noch mit ihrer Verwaltung am Lister Yachthafen sitzt.

Als Archivar sammelt und ordnet Dittmer für Pelikan die 175-jährige Firmengeschichte, er kümmert sich um jedes Stück. Tintenfässer, alte Farbkästen und viele Modelle von Füllfederhaltern hütet er hinter Glasschränken. Sie dokumentieren die lange Tradition des Manufakturbetriebs, die einst in einem Bauernhaus in Groß Munzel begann.

In dem Haus stellte der Chemiker Carl Hornemann erstmals Tinten und Farbe her, kurze Zeit später gründete er das erste Geschäft in Hannover und zog schließlich ins heutige Pelikanviertel.

„Mit seiner Frau hat Hornemann die Tinte in der Küche gekocht und ist mit dem Pferdewagen durch Europa gereist“, so Detmar Schäfer, der Justiziar von Pelikan.

Österreich, Italien, Ungarn – von Anfang an war der Verkauf international ausgerichtet. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg war es eine Welt der Füllfederhalter und florierenden Geschäfte.

Bis der Kugelschreiber seine Revolution in den 1950er Jahren fortsetzte. Mit diesem Schreibgerät konnte sich Dittmer jedoch nie anfreunden: „Ich war immer so ein bisschen das schwarze Schaf, weil ich die Aufträge mit dem Bleistift geschrieben habe.“ Schulen begannen die Tinte nicht mehr in großen Literfässern zu bestellen, der Absatz ging den Bach hinunter.

Die Rettung erfolgte 1960: Der Pelikano, ein Füller für Schüler mit nicht klecksender Patrone, kam auf den Markt. Dennoch ist der „schwarz-grüne Füller mit Kolbensystem einfach Pelikan“, so Dittmer, „das ist Tradition, der Rolls Royce.“

Ein passender Vergleich. Wurden doch für einen Füllerfederhalter gut 130 Arbeitsgänge benötigt. Und noch heute geschieht ein Großteil der Fertigung per Hand – seit den 1970er Jahren aber nicht mehr in Hannover, sondern aus Platzgründen bei Peine.

„Vom Goldband abschneiden, Form ausstanzen, Prägung aufbringen, lochen, biegen ...“, zählt Dittmer an seinen Fingern die einzelnen Schritte für die Produktion einer kleinen Goldfeder auf. Seine erste goldene Feder aus einem persönlichen Füller hat sich der Archivar extra in einen Pelikan setzen lassen: „Und den habe ich heute noch.“

In der Produktion klappte aber nicht immer alles so reibungslos, erinnert sich der 84-Jährige an seine Lehrjahre. „Es gab damals so schöne Würfelgläser, gefüllt mit Tinte. Die mussten zur Etikettierung im Takt in eine Maschine gespannt werden“, erzählt Dittmer. Aber eins ging kaputt, verkantet und zerbrochen: „Meine Hose war voller Tinte.“

Schnell ins firmeneigene Labor, als Ersatz einen langen Kittel übergezogen und die Hose dort reinigen lassen: „In der Stempelkissenfabrik kam meine Hose dann in den Trocknungstunnel.“ Nach zwei Stunden war sie schließlich fertig, aber „sie war ein ganzes Stück kürzer geworden“, sagt Dittmer lachend.

Einen Tag in der Woche kann er als Archivar in solchen Erinnerungen schwelgen. Vor 20 Jahren ist er offiziell in Rente gegangen: „Ich habe 50 bis 60 Quadratmeter Trödel übernommen und versuche seitdem Ordnung hineinzubringen.“ Immer wieder erreichen Dittmer Anfragen von Filmstudios oder Museen nach Requisiten und Ausstellungsstücken. Ein Nachfolger ist auch schon gefunden. Aber, und Dittmer klingt bei dem Satz gar nicht traurig: „Er ist noch ein bisschen jung, also muss ich noch ein wenig durchhalten.“


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