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Meine Stadt 10 000 feiern die Söhne Mannheims in Hannover
Hannover Meine Stadt 10 000 feiern die Söhne Mannheims in Hannover
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18:25 29.11.2009
Die Söhne Mannheims haben in Hannover ein großartiges Konzert abgegeben. Quelle: Behrens

Von Matthias Halbig

Ein „Protestsong“ wird angekündigt, das „Babylon-System“ soll untergehen. Kapitalismus ade, no Money, no Cry, der Beat ist entsprechend schnell, hitzig, ein Stakkato-Rap wird abgefackelt, Ganjawölkchen, süß und verteufelt, ziehen auch auf, irgendjemand im Publikum protestiert da wohl bewusstseinserweiternd gegen das böse Rauchverbot.

Zweiter Hannover-Abend mit Xavier Naidoo, diesmal ist er einer im Bühnengewimmel der Söhne Mannheims. Ein Gleicher unter Gleichen und doch irgendwie der Primus, denn wenn er sich tanzend zum Schlagzeuger auf der rechten Bühnenseite gesellt, fallen die Mädels in den Kreischmodus, imitieren mit dem Mund landende Flugzeuge und stellen den Fotoapparat im Handy auf Dauerfeuer. Etwas, womit Naidoo leben muss, jedenfalls spielt er sich nicht nach vorn, nimmt sich soweit zurück, dass er nicht als Big Daddy der Söhne erscheint.

Bescheidenheit, die dem Anheizer Dennis Lisk (als Denyo ist er Jan-Delay-Kollege bei Beginner) völlig abgeht. Hastiges Beileid in Sachen Enke, offensives Ranschmeißen mit wiederholtem „Ich liebe Hannover (wirklich)“, mit 96-Lob und „Scheiß auf die Bayern“ (was sagt er den Leuten in München?). Schließlich fragt er: „Wollt ihr noch einen Song vom Gott?“ Und meint da wohl sich. Tsts, wem der Xavier so alles den Vortritt gewährt ...

Die Söhne ziehen eine satte Show ab. Starten mit „Iz on“, zelebrieren das neue Album weidlich und lassen einen Rap-reichen, groovenden Rock walten, in dem das Schlagzeug schonmal Led Zep zitiert und sich vor allem die Gitarre wiederholt ausladenden Jubel gestatten darf. Es gibt einen Unplugged-Teil auf Emma-Peel-Plastikstühlen, und bei „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ streicht Stu Krauses Trompete feierlich über den Song, als würde gerade das Sternenbanner eingeholt.

Im Bühnennebel hier könnte Gruselregisseur John Carpenter ein Geisterschiff verstecken, hüllt der Kunstdunst zu Stroboskopblitzen den riesigen Diskoball am Bühnenhimmel ein, siehts monumentalst nach dem sterbenden Star-Wars-Todesstern aus. Feine Effekte, trotzdem ist hier neben der vollen Party-Dröhnung die Botschaft wichtig. Sie heißt Liebe. Klar auch, dass es anders, besser werden muss mit der Welt.
Die Söhne-Songs (wie die tags zuvor gehörten Naidoo-Solostücke) stehen inhaltlich in der Tradition von Giganten wie Lennon, Marley, Springsteen, von Dylans „Times, they are A-changing“ und U2s „Pride“. Sie wirken wie herangeweht aus Zeiten, in denen Rock‘n‘Roll ein Lebensstil war, sein Publikum jung, hungrig, von Wissen um und von Wut über die missbrauchten Errungenschaften von Humanismus und Aufklärung, Demokratie erfüllt. Jeder Rockfan glaubte damals, dass ein Song die Welt verändern könne (wo er einen doch selbst verändern konnte). Stehen viele dieser Klassiker heute im Nostalgie-Ruch abgewetzter und entfremdeter Oldieradiodarlings, musikalischer „Es war einmals“, tritt hier eine Band aktuell mit der alten „Alles ist möglich“-Vision an, dem „Ändert was!“-Auftrag.

Und erzeugt in der TUI-Arena mit den Söhnen ein gewaltiges Wir-Gefühl. 10.000 sind da, das „Babylon System“ erscheint ihnen allen schlecht. Vielleicht nur für die Dauer und Magie dieses Songs oder dieses bravourösen Konzerts. Vielleicht für länger, wer weiß. Die bessere Welt, sie muss einfach geduldig darauf vertrauen, gebaut zu werden.

Bewertung: 5/5.

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