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HIER KOMMT DER 36-JÄHRIGE HER: Das Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen steht in Moringen, hier war der Täter vor seinem untergebracht.

NP-INTERVIEW

Messerattacke auf 73-Jährige: Was Sie jetzt wissen müssen

In Wunstorf wurde Montagabend eine 73-Jährige überfallen, geschlagen und mit mehreren Messerstichen schwer verletzt. Der Täter war  ein 36-jähriger Maßregelvollzugs-Patient, der in Wunstorf ein Probewohnen absolvierte. NP-Volontär Tobias Welz sprach mit Dirk Hesse, dem ärztlichen Direktor Maßregelvollzugszentrums Niedersachsen in Moringen. Dort war der 36-Jährige vor dem Probewohnen in Wunstorf untergebracht.

Wunstorf. Herr Hesse, was muss ich mir hinter dem Begriff "Probewohnen" eigentlich vorstellen?

Es handelt sich um die letzte therapeutische Stufe, in der der Patient intensiv ambulant betreut wird. Probewohnen kann in eigener Wohnung, aber auch in Nachsorgeeinrichtungen, z.B. Heimen erfolgen. Es dient dazu, dem Betroffenen nach der erwarteten Entlassung aus der Maßregel ein soziales Umfeld zu bieten, in das er sich noch begleitet durch Mitarbeiter des Maßregelvollzuges einleben kann, um so potentiellen Krisen entgegenwirken zu können.

Wie eng werden Teilnehmer am Probewohnen noch von professioneller Seite betreut? Von wem?

Von Mitarbeitern der Maßregelvollzugseinrichtung und/oder der örtlich zuständigen Forensischen Institutsambulanz, ggf. ergänzt durch ambulante Betreuung durch niedergelassene Ärzte oder Psychologen. Wie engmaschig die Betreuung durchgeführt wird, hängt vom Einzelfall ab.

Wie kommt jemand dazu Probewohnen zu dürfen? Welche Gremien entscheiden das? Was muss der Betreffende dafür tun/können?

Die Entscheidung fällt die Vollzugsleitung. Ausschlaggebend sind der Behandlungsverlauf und eine angemessene Entlassungsvorbereitung.

Wieso kommt es bei der Arbeit in dem Bereich zu Fehlern? Lügen Menschen einfach zu gut?

Man versucht, rückfallgefährdende Situationen möglichst gut zu antizipieren und Voraussetzungen zu schaffen, die nach fälligen Entlassung erneuter Straffälligkeit möglichst gut vorbeugen können. Leider ist nicht völlig auszuschließen, dass sich Konstellationen ergeben, die nicht antizipiert werden konnten und dann ein erneutes Rückfallrisiko generieren. Das kann sowohl an Persönlichkeitseigenschaften der Patienten wie an unerwarteten äußeren Ereignissen liegen. Aus jedem einzelnen Zwischenfall müssen Konsequenzen gezogen werden, um derartige Ereignisse künftig zu verhindern.

Wie lassen sich Fehler besser vermeiden?

Man kann versuchen, aus aktuellen Ereignissen Kriterien zu identifizieren, die bei zukünftigem Vorgehen berücksichtigt werden müssen, um die Sicherheit noch weiter zu erhöhen. Das Sozialministerium hat gestern wie bereits erläutert Maßnahmen ergriffen, mit denen Fehleinschätzungen in den Einrichtungen entgegen gewirkt werden soll, so gibt es eine neue Meldepflicht für alle Fälle, in denen ein Richter anordnet, dass die Reststrafe im Maßregelvollzug verbüßt werden soll. Am kommenden Dienstag sind außerdem die Leitungen der Maßregelvollzugseinrichtungen ins Sozialministerium eingeladen. Seit vergangenem Monat läuft zudem eine Überprüfung des Lockerungs-Prozederes.

Halten Sie den Einsatz von Fußfesseln für ein adäquates Mittel der Gewaltprävention?

Eine Tat verhindern lässt sich mit diesen in der Regel nicht. 

Müssen Menschen in Wunstorf bzw. anderswo Sorgen machen, wenn Suchtkranke oder psychisch Kranke in Ihrer Umgebung wohnen? Sollte man auf etwas besonders achten?

Nein, grundsätzlich nicht. Alle Beteiligten arbeiten mit großer Intensität daran, maximal mögliche Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger herzustellen.


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Wunstorf ist ...

  • ... eine Stadt westlich von Hannover mit 14 Stadtteilen und 43.000 Einwohnern
  • ... bekannt für seine Lage am Steinhuder Meer
  • ... westlichster Zipfel des Calenberger Lands
  • ... Standort des größten fliegenden Verbands der Luftwaffe und einer großen psychiatrischen Klinik
  • ... mit der vielleicht schönsten historischen Altstadt in der Region ein lohnenswertes Ausflugsziel
  • ... 6x pro Woche Thema in der Leine-Zeitung, die als Heimatzeitung in Wunstorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.