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Zu viel los? Anlieger des Ruheforstes in Bredenbeck beklagen sich über den Verkehr, der bei Beerdigungen und durch andere Waldbesucher entsteht. Foto: Behrens

Bredenbeck

Nicht nur Ruhe im Ruheforst

Urnenbestattungen im Wald sind ein Trend. Doch Anlieger in Bredenbeck beklagen dessen Begleiterscheinungen: Ihnen ist der zusätzliche Verkehr, der bei Beerdigungen entsteht, ein Dorn im Auge.

Bredenbeck. Sonnenstrahlen schieben sich durch die Lücken im herbstlich werdenden Blätterwerk. Vögel zwitschern. Unter den Füßen federt leicht der weiche Boden. Wo das Leben so schön ist, kann es nach dem Tod nicht schlecht sein. Das jedenfalls denken sich immer mehr Menschen, die sich für den Ruheforst in Bredenbeck (Wennigsen) als ihre letzte Ruhestätte entscheiden.

Mehr als 3000 Bestattungen haben dort seit 2009 stattgefunden. Inklusive Reservierungen sind etwa 6000 Grabstellen für Urnen vergeben. Es sollen bis zu 40 000 werden. „Das ist ganz klar ein Trend. Die Leute wollen es schlicht, aber ehrlich“, sagt Ralf Schickhaus, Betriebsleiter des Ruheforstes.

Schon seit 700 Jahren befindet sich der Wald im Eigentum der Freiherren von Knigge. Seit 250 Jahren wird er bewirtschaftet. Und die Nutzung als Friedwald ist für Schickhaus eben eine andere, neue Form der Bewirtschaftung. Rund 860 Euro kostet die günstigste Bestattung. Damit wird das Recht erworben, eine Grabstelle für 99 Jahre zu nutzen. Gekennzeichnet werden diese über kleine Schilder, die an den Bäumen im Wald befestigt werden.

„Natürlich ist das auch ein Geschäft. Aber es ist auch viel mehr“, sagt Schickhaus. Denn der Wald sei nicht nur Friedhof, sondern auch ein beliebtes Naherholungsgebiet für viele Menschen in der Region. Neben den Trauernden kommen auch viele mit Hunden oder andere Besucher in den Wald, um auf den mit Holzschnitzeln ausgelegten Wegen spazieren zu gehen.

Einigen Anliegern ist der zusätzliche Publikumsverkehr jedoch ein Dorn im Auge. Einer beschwerte sich kürzlich im Umweltausschuss der Region, er berichtete, dass bei Beerdigungen „20 bis 150 Fahrzeuge“ den Wald angesteuert hätten. Zahlen, die Betriebsleiter Schickhaus bestreitet. Er hat seine Mitarbeiter angewiesen, die Fahrzeuge zu zählen, und führt darüber auch Buch. Im Schnitt seien es pro Beerdigung sechs Autos, sagt er.

Allerdings räumt Schickhaus ein, dass es Beerdigungen mit deutlich mehr Fahrzeugen gegeben habe. „Dann hat aber der Bestatter die Leute nicht richtig informiert. In den Verträgen steht, dass Beerdigungen nur im engsten Familienkreis stattfinden sollen“, sagt Schickhaus.

Die Region machte im Umweltausschuss auch deutlich, dass die Straße, die in den Wald führt, eine öffentliche sei und deshalb in dieser Form genutzt werden dürfe. Auch sei die „Waldfunktion“ durch die Nutzung als Ruheforst „weiterhin gegeben“, erklärte Sonja Papenfuß, die Leiterin des Fachbereichs Umwelt.

Aus Sicht von Betriebsleiter Schickhaus ist der Ruheforst sogar ein Mehr an Natur. Die Alternative sei schließlich, dass der Wald intensiv für die Forstwirtschaft genutzt und regelmäßig eine große Anzahl Bäume gefällt werde. Im Ruheforst dürften diese hingegen weiter wachsen. Totholz, das neue Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Pilze biete, bleibe liegen. „Hier wird ein richtig alter Hochwald entstehen, wie es ihn kaum noch gibt“, versichert Schickhaus. Ein Ort, wo das Leben schön ist. Und vielleicht sogar der Tod.

Christian Bohnenkamp


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