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Den Löwenanteil für die Betreuung der Kinder in den Tagesstätten zahlt die Allgemeinheit.

Den Löwenanteil für die Betreuung der Kinder in den Tagesstätten zahlt die Allgemeinheit.© Archiv

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Uetze

CDU: Höhere Kitagebühren sind nötig

Die Gebühren für die Kinderbetreuung in Krippe, Kindergarten und Hort sollen zum 1. August angehoben werden. Das hat der Ratsausschuss für Gemeindeentwicklung, Wirtschaft und Finanzen in seiner Sitzung am Donnerstagabend empfohlen.

Uetze. Vorgesehen ist, dass die monatlichen Beiträge für die Krippe  je nach täglicher Betreuungsdauer um 44 bis 78 Euro steigen. Bei der Kita sind es 28 bis 65 Euro mehr und beim Hort 16 bis 33 Euro. Eine siebenstündige Betreuung in der Krippe kostet damit künftig 290 und im Kindergarten 220 Euro im Monat. Für zwei Stunden Hort werden 70 Euro monatlich fällig. Gelten sollen diese neuen Beiträge für die nächsten drei Jahre.

Zwar stimmten die SPD-Mitglieder dagegen und es gab eine Enthaltung, doch die sechs Ausschussmitglieder der Mehrheitsgruppe aus CDU, Grüne, Freie und Balu votierten für die Anhebung. Das letzte Wort hat der Gemeinderat, aber dort herrschen dieselben Mehrheitsverhältnisse, sodass mit dem Votum des Finanzausschusses die Gebührenanhebung praktisch beschlossen ist.

Ziel der Erhöhung ist es, die gestiegenen Kosten – verursacht vor allem durch höhere Tarifabschlüsse und die Einstellung einer dritten Kraft pro Krippengruppe – zumindest teilweise auszugleichen. Die Elternbeiträge für die Krippe sollen 20 Prozent der Kosten, für die Kita 30, für den Hort 50 und fürs Mittagessen 75 Prozent, decken.

Der Abstimmung war eine lebhafte Diskussion vorangegangen, in der auch Eltern und der Vorsitzende des Kita-Beirats, Thomas Fahrtmann, zu Wort kamen. Fahrtmann plädierte für eine moderatere Anhebung des Kostendeckungsgrads: 17,5 Prozent bei den Krippen, 26 Prozent bei den Kindergärten und 44 Prozent für die Horte.

„Viele Familien, in denen ein Elternteil in Teilzeit arbeitet, haben erklärt, dass sich die Arbeit infolge der Erhöhung kaum noch lohnen würde und man die Kinder lieber zu Hause betreuen sollte“, berichtete Fahrtmann. Er erinnerte Politik und Gemeinde daran, dass sie selbst gesagt hätten, die zusätzlichen Einnahmen seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn es darum gehe das Haushaltsdefizit der Gemeinde zu reduzieren.

Rudolf Schubert (SPD) warb dafür, die Elternbeiträge für das Kita-Jahr 2017/18 entsprechend dem Vorschlag des Beirats anzuheben. „2018 können wir neu in die Prüfung einsteigen. Dann wissen wir auch, ob die Gebührenfreiheit für alle Kita-Jahre kommt“, sagte er.

CDU-Fraktionschef Dirk Rentz erklärte jedoch klipp und klar: „Die Zahlen sagen aus, dass eine kräftige Erhöhung nötig ist. Alles andere ist nur ein Verlagern der Kosten in die Zukunft.“ Georg Beu (Grüne) versicherte den Eltern, die die Sitzung verfolgten: „Wir erhöhen die Gebühren nicht gern.“

Der Einführung einer Beitragsstaffelung entsprechend den Einkommen der Familien erteilte Beu eine Absage: „Dafür müssten bis zu zwei neue Mitarbeiter eingestellt werden. Alles, was wir tun, findet seinen Niederschlag in den Betriebskosten und damit in den Elternbeiträgen.“

Bürgermeister Werner Backeberg (SPD) hatte zuvor für Politik und Zuschauer noch einmal die Fakten erklärt: „Die Kosten für die Betreuung sind seit 2011 um 43 Prozent pro Kind gestiegen. 4,7 Millionen Euro muss die Gemeinde für die Kinderbetreuung aufbringen, hinzu kommen 4 bis 5 Millionen für die Schulen.“

Kommentar: Nicht zum Spottpreis

Gebührenerhöhungen sind immer ärgerlich – und man kann verstehen, wenn Eltern sich fragen, was sie eigentlich noch bezahlen sollen. Andererseits: Kommunen entwickeln eine Infrastruktur, in der Kinder täglich bis zu achteinhalb Stunden kompetent betreut werden. Das kostet Geld.

Die derzeit diskutierte Gebührensatzung bedeutet, dass Eltern künftig pro Kindergarten-Betreuungsstunde 1,50 Euro zahlen, in Krippen 2 Euro. Damit werden gerade einmal 30 beziehungsweise 20 Prozent der tatsächlichen Kosten gedeckt. Für eine finanzschwache Gemeinde wie Uetze bedeutet dies, dass sie Jahr für Jahr Millionen ausgeben muss, die sie nicht hat. Folge: Der Schuldenberg wächst.

Wer trägt diese Hypothek ab? Es werden die heutigen Kinder sein, die dann ihre Betreuung später mit Zinsen nachfinanzieren müssen. Wo bleibt da die Kinder- und Familienfreundlichkeit? Im Sinne eines fairen Generationenvertrags sollten die Eltern deshalb bereit sein, zumindest 50 Prozent der Kinderbetreuungskosten zu tragen. Anette Wulf-Dettmer


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Uetze ist ...

  • ... eine Gemeinde zwischen Hannover, Peine und Celle mit 20.000 Einwohnern.
  • ... gelegen an den Flüssen Fuhse und Erse.
  • ... eines der größten Zwiebelanbaugebiete Deutschlands. Nicht umsonst feiert man hier jährlich das Zwiebelfest.
  • ... Standort gleich für zwei Freibäder und für den Erse-Park.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Uetze der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.