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Fünf Wochen nach Wolfsburg-Spiel

Schläger überfallen Böller-Opfer

Er wird nie mehr richtig hören können: Ein 39-jähriger 96-Fan aus Empelde war beim Spiel in Wolfsburg durch einen Böller schwer verletzt worden. Jetzt wurde der Mann auf offener Straße heimtückisch überfallen. Die Täter verlangten, dass er seine Anzeige zurücknimmt.

Empelde. Der 39-jährige Hannover-96-Fan, der beim Fußball-Derby in Wolfsburg Opfer einer Böllerattacke wurde, ist erneut angegriffen und bedroht worden. Nach Angaben der Polizei traten und schlugen die Täter auf ihn ein und verlangten, er solle die Strafanzeige gegen den mutmaßlichen Böllerwerfer zurücknehmen. Sonst müssten er und seine Lebensgefährtin mit weiteren Konsequenzen rechnen.

Polizeipräsident Volker Kluwe verurteilte den Angriff gestern scharf. Es sei schlimm genug, dass dem Opfer in Wolfsburg schwere Verletzungen zugefügt worden seien. „Dass jetzt aber feige Täter ihn und seine Familie bedrohen, ist unfassbar und menschenverachtend.“ Hannover 96-Präsident Martin Kind sagte, er habe großes Vertrauen, dass die Ermittlungsbehörden die Täter bald stellen würden. Zudem kündigte Kind an, der Verein werde sich mit dem 39-Jährigen und dessen Angehörigen in Verbindung setzen.

Der gelernte Fliesenleger wurde beim Auswärtsspiel der „Roten“ vor fünf Wochen schwer verletzt. Er befand sich im 96-Fanblock, als ein geworfener Böller in unmittelbarer Nähe seines Kopfes explodierte. Er erlitt unter anderem einen Riss des Trommelfells und hört auf dem einen Ohr inzwischen gar nichts mehr, auf dem anderen sehr eingeschränkt. Als Böllerwerfer identifizierte die Polizei einen 27-jährigen Mann aus Langenhagen.

Das wurde nun am Dienstagabend erneut attackiert: Als der 39-Jährige gegen 18.30 Uhr mit seinem Hund in einem Park im Stadtteil Empelde unterwegs war, sah er sich plötzlich einer Gruppe von fünf bis sechs Angreifern mit Kapuzenpullovern gegenüber. Die Täter traten und schlugen dann auf ihn ein, er trug Prellungen und Abschürfungen davon. Nachdem die Angreifer ihre Drohungen ausgesprochen hatten, flüchteten sie.

Bereits einen Tag zuvor hatte der 39-Jährige in seinem Briefkasten einen Zettel entdeckt. Der oder die Absender drohten in dem Schreiben ebenfalls mit Repressalien, falls der Fliesenleger die Strafanzeige gegen den mutmaßlichen Böllerwerfer aus Langenhagen nicht zurückziehen würde. Diese Forderung ist allerdings absurd. Polizeipräsident Kluwe wies darauf hin, dass der verletzte 96-Fan „eine Einstellung des Verfahrens gar nicht bewirken kann“. In solch einem Fall wie dem in Wolfsburg muss die Polizei von Amts wegen Ermittlungen aufnehmen – ganz unabhängig davon, ob das Opfer Strafanzeige erstattet oder nicht.

Die Polizeidirektion Hannover hat auf den erneuten Angriff auf den 39-Jährigen reagiert. „Wir stehen in engem Kontakt zu ihm und seinen Verwandten und werden geeignete Maßnahmen treffen“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg. Für Behördenchef Volker Kluwe hat die Ergreifung der Täter höchste Priorität: „Wir werden alles daran setzten, diese besonders verwerfliche Tat so schnell wie möglich aufzuklären.“ Die Polizei sucht dringend Zeugen, die den Angriff im Park gesehen haben. Insbesondere suchen die Ermittler nach einem etwa 60 bis 70 Jahre alten Mann mit beiger Jacke und beigem Hut, der sich in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten haben soll.

Seit der Böllerattacke in Wolfsburg ermittelt die Polizei gegen den 27-jährigen Jan G. aus Langenhagen, dem schwere Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen wird. Er soll die Tat gemeinsam mit zwei Komplizen ausgeführt haben. Von den Mittätern fehlt noch jede Spur.

Böllerwurf in Wolfsburg

Am ersten Spieltag der Rückrunde war im Gästeblock des Wolfsburger Stadions ein Knallkörper gezündet worden. Nach Abpfiff der Partie wurde Jan G., ein 27-jähriger Mann aus Langenhagen, als Haupttäter festgenommen. Er schweigt bislang zu den Vorwürfen und lässt sich anwaltlich vertreten. Die beiden mutmaßlichen Komplizen des 27-Jährigen konnten bisher nicht ermittelt werden. Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskameras im Wolfsburger Stadion waren drei junge Männer zu sehen. Einer soll den Böller hervorgeholt, ein zweiter ihn angezündet und der 27-jährige G. den Knallkörper schließlich in unmittelbarer Nähe des 39-Jährigen platziert haben.

rah/tm


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