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Foto: So voll ist es im Sehnder Rathaus eher selten: 150 Pferdefreunde wollten am Montagabend Präsenz zeigen.

So voll ist es im Sehnder Rathaus eher selten: 150 Pferdefreunde wollten am Montagabend Präsenz zeigen.© Gurol

Sehnde

Breiter Protest gegen geplante Pferdesteuer

Unter großem öffentlichen Interesse hat der Finanzausschuss der Stadt Sehnde Montagabend erstmals über die Einführung einer Pferdesteuer beraten. Rund 150 Pferdefreunde waren zu der Sitzung ins Rathaus gekommen, in der die Politiker über die Konsolidierung des städtischen Haushalts sprachen – so viele, dass die Versammlung in den großen Ratssaal verlegt werden musste.

Sehnde. Die Einführung der Steuer auf Pferde sei nur ein kleiner Teil einer „Ideensammlung“, wie Bürgermeister Karl-Jürgen Lehrke betonte. Die Stadt sei in ihrer finanziellen Lage gezwungen, alle Möglichkeiten zu prüfen. Kämmerer Peter Wissmann rechnet für 2016 mit einem Haushaltsdefizit von mehr als drei Millionen Euro. 200 Euro pro Tier und Jahr sind für die Pferdesteuer im Gespräch: Die Einnahmen im Stadtgebiet würden dann 60 000 Euro betragen. Bei den Pferdehaltern stieß das Vorhaben auf heftige Kritik.

„Viele Pferdebesitzer haben nicht so viel Geld und deshalb nur Reitbeteiligungen“, sagte Dietlind Boedecker, Betreiberin eines Reitstalls in Bilm. Sie befürchtet, dass viele Besitzer ihre Tiere verkaufen oder keine neuen mehr anschaffen. Auch Bernward Engelke, Vorsitzender des Bezirkspferdesportverbandes, betonte, dass die Jugendarbeit womöglich gefährdet werde. Pferdehalter würden
 dazu gezwungen, ihre Tiere im Landkreis Hildesheim unterzustellen – oder „im Pferdeland Burgdorf“.

Sehnde wäre landesweit die erste Gemeinde mit einer Pferdesteuer. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte kürzlich
die Erhebung einer solchen Abgabe erlaubt. Im Vorfeld hatte sich aber auch der Bund der Steuerzahler Niedersachsen vehement gegen die Besteuerung der Tiere ausgesprochen. „Die Pferdesteuer ist ineffektiv und ungerecht“, sagte der Landesvorsitzende Bernhard Zentgraf. Der Verwaltungsaufwand stehe in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Einnahmen.

Kämmerer Peter Wissmann sagte denn auch, man müsse bei allen Vorschlägen zur Haushaltssanierung „auf die Wirtschaftlichkeit achten“. Im Finanzausschuss nahmen die Mitglieder die besorgten Reaktionen zur Kenntnis. Das Konzept wurde vorerst zur Beratung in die Fraktionen gegeben.

Die Stadt Sehnde plant zudem, viele weitere Abgaben wie etwa die Hunde-, Grund- und Gewerbesteuer zu erhöhen.


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Sehnde ist ...

  • ... eine Stadt südöstlich von Hannover mit 15 Ortsteilen und 23.000 Einwohnern.
  • ... früher Teil des Siedlungsraumes Das große Freie gewesen.
  • ... eine Stadt mit langer Tradition im Kalibergbau.
  • ... der Ort, an dem der Stichkanal Hildesheim vom Mittellandkanal abzweigt.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Sehnde der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.