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Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger feiert mit den Gläubigen in der voll besetzen Kirche den letzten Gottesdienst.

Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger feiert mit den Gläubigen in der voll besetzen Kirche den letzten Gottesdienst.© Kerstin Siegmund

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Empelde

Abschied vom geliebten Gotteshaus

Grabesstimmung in der katholischen Gemeinde Empelde: Die Kirche ist am Freitagabend von Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger entwidmet worden, die Gläubigen feiern künftig in der evangelischen Kirche die Gottesdienste.

Empelde. "Die Kirche ist toll, sie soll stehen bleiben". Mit diesem Eintrag, einem der letzten im Gästebuch der Gemeinde, fasst ein Besucher zusammen, was am Freitagabend in der katholischen Kirche an der Berliner Straße in Empelde zu spüren war: Viele Gemeindemitglieder verstehen die Entscheidung des Bistums Hildesheim als Eigentümer nicht, dass im März 1960 geweihte Gotteshaus aufzugeben und zu verkaufen.

Auf die Trauer der Gläubigen weisen Grablichter vor der Eingangstür hin - und der stille Protest einer Kirchenbesucherin. Sie hält während der Zeremonie ein Schilder mit der Aufschrift "Warum?" in die Höhe. Zumal die Kirche an den Sonntagen so voll gewesen sei wie an ihrem letzten Tag, sagt Pfarrer Clemens Teichert in seiner Begrüßung -und der Besucher an dem im März 1960 geweihten sakralen Bau keinen Makel erkennen kann.

Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger, der die letzte Eucharistiefeier in der Kirche leitet, geht auf "den Kummer und den Zorn" ein, der in der Gemeinde spürbar sei. Er spricht die Veränderungen in der Gesellschaft hin, die es mit sich brächten, dass eine Kirche aufgegeben werden müsse, "die den Empeldern ans Herz gewachsen" sei. Der Vertreter des  Bistums versucht Trost zu spenden. "Unser Zuhause ist das Wort Gottes, wenn wir aus dieser Kirche weggehen", ruft Schwerdtfeger den Besuchern zu. Er wolle den Schmerz nicht kleinreden, aber "Gott geht weiter mit uns mit."

Die Gemeinde verliert ihre Heimat, ob die Worte des Weihbischofs trösten können? Er versucht es mit einem Hinweis auf die Heilige Familie - Maria, Josef und das Jesuskind. "Diese Familie ist selbst weggegangen, nach Ägypten geflohen", sagt Schwerdtfeger. Damit verweist er auf die neue Nutzung des Gebäudes, das vom Bistum verkauft wird. In der am Freitagabend entwidmeten Kirche sollen vorübergehend Flüchtlinge einziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Gotteshaus abgerissen und auf dem Grundstück Wohnungen für alte und behinderte Menschen gebaut werden.

Ein Stück Heilige Familie ist am Freitagabend in die evangelische Kirche gewandert. Nach dem letzten Gottesdienst wurde die Marienfigur in einer feierlichen Prozession zur Hallerstraße getragen.

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Mit Grablichtern drücken die Empelder Katholiken ihre Trauer über die Schließung der Kirche aus.


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