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Der Planer plant nicht mehr: Jürgen Teiwes hat die Organisation des Lehrter Citylaufs in jüngere Hände gelegt.

Der Planer plant nicht mehr: Jürgen Teiwes hat die Organisation des Lehrter Citylaufs in jüngere Hände gelegt.© Katja Eggers

Lehrte

Mister Citylauf ist nur noch Zuschauer

15 Jahre lang hat Jürgen Teiwes das Lehrter Laufereignis Nummer eins organisiert – jetzt ist Mister CItylauf im Ruhestand. Wir haben ihn ausführlich interviewt.

Lehrte. Herr Teiwes, Ihre Ankündigung, ab sofort nicht mehr Lehrtes Mister

Citylauf zu sein, kam für manchen plötzlich.

Irgendwann muss man auch mal loslassen. Und irgendwo merkt man schon die 75 Jahre. Das geht ja nicht spurlos an einem vorüber.

Geht das denn überhaupt, ein Citylauf ohne Sie als Organisationschef?

Ja, ganz bestimmt. Wissen Sie, das war ja niemals ich allein. Ich habe immer ein super Helferteam gehabt und eine tolle Unterstützung zahlreicher Sponsoren. Von Anfang an. Dafür bin ich unheimlich dankbar. Und nun hat sich eine Gruppe gefunden, die den Citylauf maßgeblich betreut. Meine Unterlagen habe ich übergeben. Die Aufgaben werden auf viele Schultern verteilt, und das neue Team wird in die Sache reinwachsen.

Also können Sie ganz beruhigt vom Citylauf loslassen?

Ja, kann ich.

Erzählen Sie doch mal, wie es 2002 mit dem ersten Lauf losging.

Lehrte hatte ja schon weit zuvor eine Lauftradition. Das darf man nicht vergessen. In den Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre gab es einen beliebten Volkslauf. Der führte vom Stadion am Pfingstanger in die Feldmark und zurück. Ich fand es immer schade, dass dieses Ereignis eingeschlafen war. Im Jahr 2002 war ich auch noch im Rat der Stadt, und es gab den Wunsch, die umgestaltete Burgdorfer Straße mit Leben zu füllen.

Und das war die Geburtsstunde des Citylaufs?

Wenn man so will. Ich hatte damals bereits viel Erfahrung bei Wettkämpfen in anderen Städten gesammelt, war zum Beispiel als Kampfrichter beim Hannover-Marathon tätig und hatte mir ein großes Netzwerk an Helfern aufgebaut. Damals wusste ich auch schon genau, wie Läufer ticken. Und ich dachte, warum sollten wir in Lehrte nicht auch so einen Lauf machen?

Sie haben damals tatsächlich den Nerv der Stadt getroffen. Am ersten Lehrter Citylauf nahmen gleich 780 Menschen teil.

Ja, davon waren wir Organisatoren überwältigt. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet.

Und die Erfolgsgeschichte ging ungebrochen weiter.

Wir haben Kindergärten und Grundschulen mit ins Boot geholt, eine Firmenwertung eingeführt und noch allerhand mehr. Heute müssen wir die Masse der Grundschulkinder sogar in vier Läufe unterteilen und in genauem zeitlichen Abstand loslaufen lassen.

Bei den jüngsten Cityläufen waren 2500 Menschen dabei. Vom Kleinkind bis zum Opa. Geht da noch mehr?

Diese Größenordnung ist noch gut zu handhaben. Und man muss auch mal zufrieden sein. Wichtig ist nicht die Anzahl der Teilnehmer, sondern dass alles perfekt läuft.

Zeitmessung, Vermessung der Strecke, Anmeldeverfahren: Sie haben stets nach Perfektion und neuen Ideen gesucht, oder?

Das sind alles wichtige Dinge. Anfangs war die Zeitmessung wirklich ein Problem. Das haben wir mit dem Einsatz des Teams von Lausitz-Timing, Transpondern für die Sportler sowie deutlich verbreiterten Zieleinläufen gelöst. Jetzt gehen die Auswertungen schnell und fehlerfrei. Fantastisch, was Lausitz-Timing da für uns leistet.

Und all das honorieren die Sportler.

Ja, die Läufer fühlen sich wohl bei uns. Die Technik funktioniert, das Publikum ist toll. Das ist alles eine sehr entspannte Sache für die Teilnehmer und Zuschauer geworden. Die Leute genießen den Citylauf. Das merkt man.

Wie gestaltet sich eigentlich der Jahresablauf eines Citylauf-Cheforganisators?

Das ist ein ganzjähriges Geschäft. Ich habe den Zeitplan genau aufgeschrieben. Für meine Nachfolger. Wichtig ist es, stets genug Helfer zu haben. Die haben von mir schon immer im April den ersten Anruf bekommen.

Das ist doch ein enormer Zeitaufwand gewesen, oder?

Ja. Aber es ist doch auch eine schöne Sache. Man bekommt eine Menge schöne Erlebnisse zurück.

Erzählen Sie mal.

Da ist zum Beispiel das Bild auf einer Broschüre für einen Citylauf vor mehreren Jahren. Darauf ist groß ein Junge aus Lehrtes Partnerstadt Staßfurt abgebildet. Man sieht ihm die Freude am Laufen richtig an. Später habe ich gehört, dass der Junge in der Schule sehr zurückhaltend sein soll. Beim Laufen konnte er so richtig aus sich rausgehen und zeigen, was er kann.

Gibt es eigentlich auch Erlebnisse, die Sie sehr negativ in Erinnerung haben?

Ja. Einmal waren Läufer aus Kenia dabei. Die waren dann die Besten, mussten ihre Siegerpreise aber an ihre Agenten abgeben, die die Geschenke dann zu Geld machten. Das hat mich schon ein bisschen geärgert. Der Citylauf ist etwas für Läufer aus der Region und nicht für windige Agenten.

Und nun? Was machen Sie ohne den Citylauf?

Meine Frau und ich haben ja drei Enkel. Die sind im Kindergartenalter und wohnen in Freiburg und Hamburg. Da ist man als Opa ja gefordert.

Und was machen Sie mit der wunderbaren Chef-Kappe, die Sie beim Citylauf immer auf dem Kopf hatten?

Die behalte ich. Aber ich setze sie nicht mehr auf. Jetzt gibt es neue Chefs.

Und wo findet man Sie am ersten Freitagabend im September 2017?

Na, beim Citylauf. Als Zuschauer. Da sehe ich das Ganze auch mal von der anderen Seite des Drängelgitters.

Von Achim Gückel


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Lehrte ist ...

  • ... eine Stadt östlich von Hannover mit mehr als 43.000 Einwohnern.
  • ... 2009 zu Niedersachsens fahrradfreundlichsten Kommune gewählt worden.
  • ... eine Stadt mit langer Eisenbahnertradition.
  • ... Heimat des Blues-Festival, bei dem neben regionalen Bands auch internationale Musiker auftreten.
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