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Warnen vor einer Zerstückelung der städtischen Schullandschaft: Mascha Brandt (von rechts, Rektorin der IGS Süd) und ihr Kollege Timo Heiken, Rektor der IGS Langenhagen, berichten im Schulausschuss.© Rebekka Neander

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Schulausschuss tagt im Februar

Weiter keine Entscheidung über neue Gesamtschule

Eine Sondersitzung des Schulausschusses im Februar soll es nun richten. Denn auch nach zweistündiger Debatte haben die Schulpolitiker in Langenhagen am Dienstag keine Antwort gefunden: Kann es im Norden eine neue weiterführende Schule geben? Vor allem aber: Welchen Schaden könnte sie anrichten?

Langenhagen. Am Ende wurde es sogar der ansonsten äußerst geduldigen Sozialdezernentin zu viel. „Ich brauche einen Beschluss! Wir prüfen hier kein einziges Grundstück mehr nur auf Zuruf.“ Monika Gotzes-Karrasch lässt sich in Kommunalausschüssen nur selten zu sehr deutlichen Worten hinreißen. Aber nach knapp zweistündiger Debatte riss der Stadträtin am Dienstagabend der Geduldsfaden.

Worum geht es?

Die Stadt will die Eltern in Kaltenweide und in Krähenwinkel befragen, ob sie im Norden eine weitere Gesamtschule haben wollen. Diese Befragung hat Bürgermeister Mirko Heuer angeboten, um dem Dauerstreit um den überfüllten Grundschulstandort an der Zellerie Zündstoff zu nehmen. Wie viel Stress er damit heraufbeschwören würde, hat niemand geahnt. Die Landesschulbehörde knüpft an eine für einen Schulantrag belastbare Elternbefragung Bedingungen: Es müssen ein Flurstück und ein Zeitrahmen benannt werden; und die Gruppe der heranzuziehenden Eltern ist auf Kaltenweide und Krähenwinkel sowie einige Jahrgänge zu begrenzen.

Die Stadt prüfte mehrere Grundstücke und legte sich fest: Einzig eine Fläche am äußersten Nordrand Kaltenweides komme in Frage. Dieser Standort aber, darin war sich der am Dienstag vertretungsweise überwiegend von Kaltenweidern besetzte Ausschuss einig, wird nicht genügend Eltern überzeugen. Seither reißt die Vorschlagsliste weiterer Flächen nicht ab. Ohne Befragung aber ist jegliche Planung zur Entlastung der Grundschule blockiert.

Lärmschutzzonen beachten

Anlass für die deutlichen Worte der Sozialdezernentin war ein Ansinnen von Reinhard Grabowsky. Der CDU-Ratsherr und frisch gekürte Ortsbürgermeister von Kaltenweide widersprach Gotzes-Karraschs dringlichem Wunsch nach einem baldigen Standortbeschluss zur Elternbefragung. Vielmehr solle die Verwaltung noch zwei weitere Areale näher betrachten: Eine Fläche nördlich des Lönsweges sowie ein Areal gegenüber dem Jäger­hof. Bis diese Ergebnisse vorliegen, solle der Antrag noch einmal zurück in die Fraktionen.

Doch auch diese Parzellen sind nicht problemlos zu bebauen, wie eine Nachfrage dieser Zeitung zeigt: Das Grundstück nördlich des Lönsweges scheidet größtenteils aus, da es überwiegend in der Tagschutzzone 2 des Flughafens liegt. Schulbauten sind dort nicht erlaubt. Grabowsky, zudem Vorsitzender der Fluglärmschutzkommission, war dies offenbar nicht bewusst. Westlich des Jägerhofes in Krähenwinkel kommt nur ein Reststreifen südwestlich des Lebensmittelmarktes infrage, der, wie es am Mittwoch im Rathaus hieß, nun geprüft wird.

Diese Flächen werden geprüft

1 Pfeifengrasstraße: Für einen Neubau am Südende müsste der Interkulturelle Erlebnispark, in den die Stadt mehrere Hunderttausend Euro investiert hat, fallen.

2 Wagenzeller Straße: Liegt zwar günstig, allerdings ist die Fläche zu klein. Zudem besteht keine Verkaufsbereitschaft für die Privatfläche. Die Zufahrt ist kritisch, Straßen und Bahn erfordern Lärmschutz. Bebauungs- und Flächennutzungsplan müssten geändert werden.

Nördlich Kreisel L 190: Die Fläche gehört der stadteigenen Entwicklungsgesellschaft. Auch dort gibt es Straßenlärm, doch in Abwägung aller Vor- und Nachteile hält die Verwaltung diese Fläche für am schnellsten umsetzbar.

4 Kananoher Straße: Diese Fläche gehört weitgehend der Stadt. Allerdings liegt ein Großteil im Landschaftsschutzgebiet und müsste daraus erst von der Region entlassen werden.

5 Westlich L 190: Für das Privatgrundstück liegt Verkaufsbereitschaft vor, rund die Hälfte aber liegt im Landschaftsschutzgebiet. Buslinien halten weit entfernt.
Die Grundstücke Nummer 1 bis 4 waren Vorschläge der Verwaltung, Nummer 5 ist ein nachgereichter Vorschlag des Ortsrates. nea    

 

Warnungen aus der Kernstadt

Ein grundsätzlicher Bericht zum Sachstand an den beiden Gesamtschulen zeigte am Dienstag jedoch ein bislang gänzlich unbeachtetes Problem auf: Seit dem Wegfall der Schullaufbahnempfehlung fehlt den Gesamtschulen die sogenannte Topf-Zuordnung, um eine gleichmäßige Durchmischung aller Leistungspotenziale der Schüler sicherzustellen. „Wir können nur noch einfach aus allen Bewerbungen losen“, erläuterte Timo Heiken, Rektor der IGS im Stadtzentrum. Mit ihm warnte auch seine Amtskollegin an der IGS Süd, Mascha Brandt, vor einer unbedachten Zerstückelung der Schullandschaft. „Jede Schulneugründung oder -umwandlung hat Auswirkungen auf die übrigen Standorte“, mahnte Heiken. Brandt ging noch weiter: „Jede weitere Konkurrenz zu unserem Standort verschärft unsere Startschwierigkeiten.“

Die neue IGS Süd warnt vor zusätzlicher Konkurrenz. Foto: Kutter

Diese Mahnungen beeindruckten die Politiker. Sogar Domenic Veltrup, Kaltenweider Vertreter der BBL und bislang vehementer Verfechter eines Schulbaus im Norden, räumte ein, man müsse unter Umständen diese Planung hintanstellen, bis an einem Runden Tisch mit allen Schulleitern die Schullandschaft in Langenhagen ausgeleuchtet sei. Dies aber, mahnte Gotzes-Karrasch, droht den Gesamt-Bauplan auch für die Kernstadt einmal mehr zu verzögern. Wolfgang Kuschel (SPD), seinerseits langjähriger Rektor der IGS Langenhagen, scheiterte zwar mit seinem Überzeugungsversuch, von einem Schulbau im Norden gänzlich abzurücken. Gleichwohl folgte der Ausschuss seinem Vorschlag, am Donnerstag, 16. Februar, zu einer außerordentlichen Sondersitzung zusammenzukommen, um dann endgültig und nur über die Elternbefragung und das für notwendige Grundstück zu befinden.

    

Kommentar: Beerdigt die Idee!

Bürgermeister Mirko Heuer hatte es gut gemeint: Befragt die Eltern, empfahl er. Und wenn sich nicht genügend Schüler für eine weiterführende Schule finden, kann dieses Thema für den Norden ein für alle Mal zu den Akten gelegt werden. Allein: Der Plan ist nicht aufgegangen.

Nun ist das Hirngespinst deutlich schwerer einzufangen, als es seinerzeit in die Welt zu setzen war. Man müsste nun die Courage aufbringen, den Eltern schlicht zu sagen: Es gibt im Norden kein Grundstück. Stattdessen eiern weite Teile der Politik herum.

Dabei sind die Botschaften eindeutig: Ein für beide Ortschaften gleichermaßen attraktives Grundstück ist kurzfristig nicht bebaubar. Vor allem aber kommen aus der Kernstadt deutliche Warnsignale: Wer die Schullandschaft weiter zerstückelt, gefährde die etablierten Standorte. Das Weiherfeld wird trotz des derzeitigen Baby-booms nicht auf Dauer im Norden eine Schule füllen. Gleichzeitig fehlt eine Reserve für jene Wohngebiete im östlichen Zentrum, die in den nächsten zehn Jahren vor einem Generationsumbruch stehen. Mehr noch: Die IGS-Süd warnt eindringlich vor unbedachter Konkurrenz, um ihre Startschwierigkeiten nicht weiter zu verschärfen.

Dem Schulausschuss ist für die Sondersitzung vor allem Mut zu wünschen: Die Idee einer weiterführenden Schule im Norden muss beerdigt werden – und mit ihr die Blockade der Lösung des eigentlichen Problems: der vollkommen überlaufenen Grundschule. Diese verdient sofort eine Entlastung und die Schullandschaft im Stadtzentrum eine verlässliche Perspektive.     

Rebekka Neander


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Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Langenhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
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