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Nach dem tödlichen Grillunfall in Langenhagen gibt es einen neuen Ermittlungsstand der Polizei.

Nach dem tödlichen Grillunfall in Langenhagen gibt es einen neuen Ermittlungsstand der Polizei.© Symbolbild

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Langenhagen

Tragische Hintergründe zum tödlichen Grillunfall

Stellt sich der tödliche Grillunfall, bei dem ein 44 Jahre alter Asylbewerber starb, als Verkettung unglücklicher Handlungen heraus? Denn erst Tage nach dem Vorfall ergab sich, dass das Opfer, das eine 16-jährige Tochter hinterlässt, nicht selbst den Brennspiritus in die Flammen geschüttet hatte.

Langenhagen. Die Szenen am ersten Juli-Wochenende müssen dramatisch gewesen sein: Zwei ehemals sehr enge Freunde, die sich seit ihrer Ankunft aus dem Nahen Osten in Deutschland zuvor allerdings auseinandergelebt hatten, fanden offenbar wieder zusammen. Das wollten die beiden Männer bei einem Grillfest in der neuen Heimat ordentlich feiern. Doch der Abend in Langenhagen endete in einer schrecklichen Tragödie.

Zunächst hatten die Männer – beides Asylbewerber – vor dem Unglück auf einem Grundstück an der Niedersachsenstraße zusammen noch am Grill gestanden. Die Flammen loderten bereits, wie Zeugen berichteten. Doch offenbar nicht genug. So wurde wohl ein wenig Spiritus ins offene Feuer geschüttet. Als sich der erhoffte Erfolg nicht einstellte, wurde dann der Deckel von der Flasche abgeschraubt. Es folgte ein kräftiger Spritzer auf den Grill – mit fatalem Resultat. Denn das Ergebnis war eine heftige Stichflamme. Diese traf den 44-jährigen Abu K. frontal. Sofort stand die Kleidung des Mannes in Flammen. Sein ein Jahr älterer Bekannter konnte diese zwar rasch ersticken. Doch der Asylbewerber erlitt schwere Verletzungen.

Das Krankenhaus hatte nach Informationen dieser Zeitung später Verbrennungen dritten Grades auf mindestens 55 Prozent der Hautfläche diagnostiziert. Der 44-Jährige wurde zur Behandlung in ein künstliches Koma versetzt. Die Ärzte kämpften sechs Tage lang um das Leben des Mannes. Doch vergeblich. Er starb am Sonnabend an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei Hannover sollte Abu K. beim Grillen selbst den Spiritus auf die offene Flamme gekippt und dadurch eine Stichflamme verursacht haben. Dies hatten erste Zeugenaussagen zunächst ergeben. Doch mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass offenbar nicht Abu K. mit der brennbaren Flüssigkeit hantiert hatte, sondern sein aus demselben Land stammender 45 Jahre alter Freund. Dieser soll den Spiritus in die Flammen gekippt und sich angesichts der Stichflamme offenbar derart erschreckt haben, dass er die Flasche wegwarf – und den 44-Jährigen voll traf.

Dieser Sachverhalt habe sich am Montag nach der polizeilichen Befragung des Mannes ergeben, bestätigt Kathrin Pfeiffer, Sprecherin der Polizei Hannover, gestern auf Anfrage. Alles weitere sei nun Sache der Staatsanwaltschaft. Die Behörde werde nun prüfen müsse, „wie der Vorfall rechtlich zu bewerten ist“, teilte die Sprecherin weiter mit. „Auf einen politisch motivierten Hintergrund haben wir keinerlei Hinweise.“

Tochter kommt bei deutschen Freunden unter

Das langsame Sterben ihres Vaters musste auch die erst 16 Jahre alte Tochter des Asylbewerbers Abu K. mit ansehen. Sie erlitt nach Aussagen eines Langenhageners, der mit dem 44-Jährigen eng befreundet war und der das Kind ins Krankenhaus begleitet hatte, mehrfach einen schweren Schock. Der Deutsche, wie er sich selbst gegenüber dieser Zeitung nur bezeichnet, hatte die 16-Jährige bereits bei einer zuvor in Deutschland anstehenden Herzoperation ihres Vaters bei sich und seiner Familie aufgenommen. „Da habe ich ihm versprochen, dass ich mich um seine Tochter kümmere, egal was passiert“, erzählt der Langenhagener nach dem Unfalltod des 44-Jährigen, sichtbar erschüttert. „Er war schließlich mein Freund.“

Genau aus diesem Grund hat er nun erneut beim Jugendamt der Stadt Langenhagen und beim Sozialen Dienst alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit das völlig traumatisierte Mädchen vorerst bei ihm und seiner Familie – in der für sie inzwischen vertrauten Umgebung – bleiben darf. Und er hatte Erfolg. Falls die Jugendliche aber doch zurück zur Familie in den Nahen Osten gehen wolle, werde er ihr dabei helfen, betont er gegenüber dieser Zeitung weiter. Das Mädchen war vor gut zwei Jahren allein mit ihrem Vater aus der Heimat geflüchtet. Sie hatten dann in Deutschland auch Asyl beantragt.

Doch wenn die 16-Jährige weiter in Deutschland bleiben wolle, werde er alle bürokratischen Hürden überwinden, damit sie bei ihm leben dürfe, sagt der Langenhagener. Dafür würde er auch sein Haus ein wenig umbauen, damit dann die etwas größer gewordene Familie ausreichend Platz findet. „Wozu hat man schließlich Freunde“, meint der Langenhagener – und denkt an eben diesen.


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Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Langenhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
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