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Mitte nächsten Jahres geht in der Paracelsus-Klinik eine Ära zu Ende: Im Krankenhaus wird die Geburtshilfe geschlossen.

Mitte nächsten Jahres geht in der Paracelsus-Klinik eine Ära zu Ende: Im Krankenhaus wird die Geburtshilfe geschlossen.© Sven Warnecke

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Langenhagen

Geburtshilfeabteilung der Paracelsus-Klinik wird geschlossen

Anfang November hat die Geburtshilfeabteilung der Paracelsus-Klinik noch einen Tag der offenen Tür gefeiert. Jetzt ist das Ende einer 50-jährigen Tradition in Langenhagen verkündet worden.

Langenhagen. Das Aus für die Geburtshilfeabteilung der Paracelsus-Klinik Mitte 2013 tut allen Beteiligten richtig weh, nicht nur den Mitarbeitern. Die Entwicklung in der Gesundheitspolitik und die drastische Erhöhung der Haftpflichtprämien lassen aber keine andere Entscheidung zu, hieß es gestern von der Krankenhausleitung sowie des zuständigen Belegarztes Dr. Wolfgang Brörken, der in der Klinik seit 20 Jahren Kindern auf die Welt hilft. Das Besondere an der Geburtsabteilung in der Klinik am Silbersee: Sie ist das einzige Krankenhaus in der Region, das in einer derartigen Abteilung mit Belegärzten und -betten arbeitet. In den vergangenen 50 Jahren haben dort nach Angaben der Klinik etwa 50.000 Kinder das Licht der Welt erblickt. Am Freitag wurde in einer Mitarbeiterversammlung auch die Belegschaft über die Entwicklung informiert. Betroffen sind 40 Hebammen, Schwestern und Ärzte. Dabei sollen zwar keine Tränen geflossen sein, allerdings herrschte arge Betroffenheit. Gerade für die älteren Hebammen sieht Brörken auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen. Die Schwestern sollen nach Möglichkeit in anderen Abteilungen des Krankenhauses weiterbeschäftigt werden. Die Klinik ist beileibe nicht die erste, die Konsequenzen aus den höheren Prämien zieht. So wurden Geburtshilfeabteilungen etwa in Flensburg, Weilburg oder Würzburg dichtgemacht. Damit sei den Belegärzten die Grundlage ihrer Tätigkeit entzogen, beklagen Brörken, Verwaltungschef Martin Steigleder und Regionaldirektor Josef Jürgens unisono. „Hier werden still und leise funktionierende und sinnvolle Strukturen kaputt gemacht“, sagt Jürgens. Niemand habe die Abteilung schließen wollen. „Diese Entscheidung wurde uns abgenommen.“ Nach Brörkens Angaben zahlte seine Abteilung 2010 noch 48.000 Euro an Versicherungsprämie, im nächsten Jahr knapp 200.000 Euro. Für eine Geburt bekomme er als Honorar aber nur 236 Euro. Das sei wirtschaftlich nicht leistbar, sagte Brörken, der dem Krankenhaus aber in der gynäkologischen Abteilung als Belegarzt erhalten bleibt.

Für Langenhagens Bürgermeister Friedhelm Fischer kam die Nachricht überraschend. Das sei bedauerlich, aber die Stadt könne die Entscheidung nicht beeinflussen, sagte er auf Anfrage. Einer finanziellen Unterstützung zum Erhalt der Geburtsabteilung steht er aber ablehnend gegenüber. „Wir können als Kommune nicht auffangen, was die Versicherungswirtschaft uns eingebrockt hat“, sagte er. Der Regionaldirektor der Paracelsus-Kliniken, Josef Jürgens, geht gar noch weiter und spricht von einem Verlust an Identifikation für die Stadt. Zwar habe sein Unternehmen auch andere Lösungen als die Schließung der Geburtshilfe in Erwägung gezogen. Doch das sei „wirtschaftlich nicht tragbar“. Gerade auch mit Blick auf andere Kliniken in der Region, die die Geburtshilfe als Hauptabteilung führten. Mit der Schließung wird es aber keinen Leerstand in der Klinik geben. Jürgens Angaben zufolge plane das Unternehmen die orthopädische Abteilung auszubauen. „Aber das können wir nicht alleine entscheiden“, sagt er. Den Krankenhausbedarfsplan mache das Ministerium in Hannover. Allerdings seien die Gespräche zwischen Klinik und Politik bereits weit vorangeschritten, sagte er zuversichtlich.

Stühlerücken in der Klinik

In der Paracelsus-Klinik gibt es auch zwei personelle Veränderungen: Seit Anfang des Monats hat der neue Verwaltungsdirektor Martin Steigleder seine Arbeit aufgenommen. Der 39-jährige Diplom-Kaufmann war zuvor als kaufmännischer Leiter in einem Krankenhaus der Segeberger Klinikgruppen tätig. Auch der Pflegedienst hat mit Nils Dettmann einen neuen Chef. Der Diplom-Kaufmann ist in Langenhagen kein Unbekannter. Er war bereits bis 2009 als Pflegedienstleiter in der Paracelsus-Klinik aktiv, bevor er in gleicher Funktion in ein Krankenhaus nach Nienburg wechselte.


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Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
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