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Ein möglicher Einsatzort für Asylbewerber könnte auch der Betriebshof der Stadt sein. (Symbolbild)

Ein möglicher Einsatzort für Asylbewerber könnte auch der Betriebshof der Stadt sein. (Symbolbild)© warnecke

Langenhagen

Stadt gibt Flüchtlingen Arbeit

Um möglichst viele Asylsuchende schnellstmöglich in Arbeit zu bringen, hat die Stadt Langenhagen gleich mehrere Projekte angeschoben. Die Angebote reichen von Ein-Euro-Jobs bis zur Einzelberatung. Zudem unterstützt die Stadt Aktionen von Unternehmen wie der MTU.

Langenhagen. Seit einigen Monaten arbeitet die Stadtverwaltung daran, die Langenhagen zugewiesenen Asylsuchenden in Lohn und Brot zu bringen. SPD und Grüne hatten dazu einen entsprechenden Prüfauftrag auf den Weg gebracht. Doch auch unabhängig davon hatten Wirtschaftsförderer Jens Monsen und die Integrationsaufbeauftragte Justyna Scharlé bereits in Gesprächen unter anderem mit dem Job Center und der stadteigenen Personalabteilung einen Fragebogen vorbereitet, in dem seither alle Geflüchteten bei ihrer Erfassung in Langenhagen ihre berufliche und sprachliche Qualifikation aufzeichnen. Im Sozialausschuss haben Scharlé, Monsen, die Leiterin des Allgemeinen Sozialdienstes, Doris Lange, sowie Jan Hendrik Kobs aus der Personalabteilung am Dienstagabend nun die gesamte erarbeitete Palette an Projekten vorgestellt.

Ein-Euro-Jobs

Die Stadtverwaltung hat Bereiche herausgesucht, in denen sie sogenannte Ein-Euro-Jobs Asylsuchenden anbieten kann. "Wir haben derzeit die Volkshochschule ins Auge gefasst, die Grünpflege, den Betriebshöfe sowie Hausmeister-Tätigkeiten", berichtete Langenhagens Integrationsbeaufragte Justyna Scharlé. Wie bei jedem Ein-Euro-Job darf diese Tätigkeit keinen regulären Arbeitsplatz oder einen Auftrag an ein örtliches Unternehmen ersetzen. "Derzeit prüfen wir, welchen in Langenhagen untergebrachten Menschen wir dies anbieten können", sagte Doris Lange dieser Zeitung. Dabei geht es vor allem um rechtliche Voraussetzungen wie die Leistungsberechtigung der Schutzsuchenden. "Pro Bereich werden wir nur eine Person beschäftigen", sagte Scharlé. "Wir fangen ganz bewusst klein an und wollen nicht um jeden Preis Masse erreichen ohne einen gewissen Erfahrungsschatz."

Bundesfreiwilligendienst (Bufdi)

Die Stadt hat einen Antrag auf zwei volle Stellen für den sogenannten "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben gestellt. Sollte der Antrag bewilligt werden, sollen beide Stellen an den Sozialberatungsdienst angegliedert werden. Dieser kümmert sich um die alltäglichen Belange der Schutzsuchenden in Langenhagen. 

ProAktiv-Center der Region Hannover

Diese Anlaufstelle bietet Einzelberatungen für Personen zwischen 14 und 27 Jahren in besonderen Lebenslagen an. Ziel dieser intensiven Einzelbetreuung ist laut Scharlé, die Heranwachsenden in Regel- oder Berufsschulen zu bringen oder sogar eine Lehrstelle für sie zu finden.

Berufsfortbildungswerk

In Kooperation mit der Stadt bietet dieser Bildungsträger erste Sprachkurse auch für jene an, die noch keine lateinischen Buchstaben lesen können. Die Stadt hat für dieses Projekt ganz gezielt die Gruppe junger Sudanesen ausgewählt, die derzeit in dem ehemaligen NP-Markt in Kaltenweide untergebracht sind. "Wir haben dies so entschieden als eine Art Ausgleich für die eher notdürftige Unterkunft", erläuterte Lange auf Nachfrage dieser Zeitung. Das Projekt ist der erste Versuch, Personen einzubinden, die gerade erst angekommen sind. "Alle Sudanesen haben das Angebot sofort angenommen", berichtete Lange. Start wird im April sein. Drei Monate lang werden die jungen Männer vier mal pro Woche zwei Stunden pro Tag Unterricht haben. Hinzu kommen zwei Stunden praktischer Anleitung in Übungswerkstätten des Bildungsträgers. "Dabei erproben sich die Männer im Tischlern, in der Lagerlogistik oder in der Gastronomie." Sie sollen dabei laut Scharlé herausfinden, wo ihre Stärken und Interessen liegen. "Die meisten wollen sofort arbeiten." Sobald die Sprachkenntnisse es erlauben, sollen sie eine Bewerbungsmappe erstellen.

ProBeruf GmbH

Dieser Bildungsträger in Hannover schickt Mitarbeiter einmal wöchentlich in die städtische Anlaufstelle Mila an der Schützenstraße. Diese Beratung richtet sich an junge Erwachsene bis zu ihrem 21. Lebensjahr. "Wir prüfen, wer für den Besuch der sogenannten Sprinterklassen an den Berufsschulen in Frage kommt", sagte Lange. Zudem bieten die Mitarbeiter von ProBeruf Beratungen an für die Anerkennung von bereits erlangten Abschlüssen an. Überdies können Praktikumsplätze vermittelt werden. "Zu diesem Angebot gibt es keine spezielle Einladung. Es steht jedem offen und wird von den Sozialarbeitern der Stadt in die Unterkünfte getragen." Auch dieses Angebot wird im April starten.

Wirtschaftsförderung der Stadt

"Wir müssen herausfiltern, wer in der Stadt bereits gut Deutsch kann", sagte Wirtschaftsförderer Jens Monsen im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Stadt setze bei der Referenz B1 an und wird mit einem mit der Agentur für Arbeit entwickelten Fragebogen herausarbeiten, für welche Berufe Qualifikationen vorliegen. Diese Fragebogen werden in Kopie an die Wirtschaftsförderer gehen. "So können wir gezielt bei Firmen den Bedarf abfragen." Dabei hat Monsen sowohl Praktikumsplätze im Sinn als auch Lehrstellen oder sogar reguläre Anstellungen. "Zudem werden Doris Lange und ich Asylbewerber heraussuchen, für die ein Besuch des Berufsfindungsmarktes sinnvoll sein kann, damit sie dort einen Einblick in die Langenhagener Berufswelt haben können."

Parallel dazu begleitet Monsen ein Projekt des Triebwerke-Herstellers MTU: Bis zu fünf Asylbewerber will das Unternehmen ins Unternehmen holen, sagte Monsen. Dies sei umso bemerkenswerter, "da die MTU aufgrund sehr komplizierter Sicherheitsbestimmungen der Fluggesellschaften nicht so einfach fremde Personen ins Unternehmen holen darf". Zwei MTU-Mitarbeiter werden sich um die fünf Neuzugänge kümmern. Wer für dieses Projekt in Frage kommt, steht noch nicht fest. "Dies hängt auch von den Ergebnissen ab der nächsten B1-Prüfung an der Volkshochschule." Monsen nennt das Vorgehen der MTU "beispielhaft" und hofft auf Nachahmer. Dazu wird er über das Projekt unter anderem im Wirtschaftsklub Wir! berichten.

Einzelvermittlung

Überdies bemüht sich der Sozialdienst um die individuelle Vermittlung von Asylbewerbern. "Uns hat eine Arztpraxis aus Hannover angesprochen, weil sie unbedingt ein arabisch sprechende Auszubildende einstellen wollen", berichtete Lange dieser Zeitung. Sie habe inzwischen zwei Anwärterinnen nennen können, deren Deutschkenntnisse inzwischen gut genug für eine solche Ausbildung sind. "Die Praxis liegt unmittelbar neben einer neuen Unterkunft für Flüchtlinge und will sich entsprechend vorbereiten", sagte Lange. Eine entsprechende Anfrage der Praxis in Hannover sei ohne Resonanz verhallt.

Von Rebekka Neander


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Langenhagen ist ...

  • ... eine Stadt nördlich von Hannover mit mehr als 53.000 Einwohnern
  • ... eine Wirkungsstätte von Nobelpreisträger Robert Koch
  • ... ein Zentrum des Polo-Sports und Heimat der hannoverschen Pferderennbahn
  • ... Standort von einem der größten Verkehrsflughäfen Deutschlands
  • ... die Stadt, in der RAF-Mitglied Ulrike Meinhof 1972 verhaftet wurde
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Langenhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.
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