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Seit mehreren Monaten gammeln auf dem Leine-Center-Parkplatz 1 nahe der Marktstraße und gegenüber ReWe zwei Autos vor sich hin. Der Ford Ka ist mittlerweile arg beschädigt: Die Autotür steht offen, die Frontscheibe ist zersplittert und der Außenspiegel abgeschlagen. Im Fahrzeug liegt Müll.

Seit mehreren Monaten gammeln auf dem Leine-Center-Parkplatz 1 nahe der Marktstraße und gegenüber ReWe zwei Autos vor sich hin. Der Ford Ka ist mittlerweile arg beschädigt: Die Autotür steht offen, die Frontscheibe ist zersplittert und der Außenspiegel abgeschlagen. Im Fahrzeug liegt Müll.© Daniel Junker

Laatzen-Mitte

Autowracks vergammeln am Leine-Center

Seit Monaten gammeln zwei Autos ohne Kennzeichen auf dem Parkplatz 1 des Leine-Centers nahe der Marktstraße vor sich hin. Anwohner und Centerkunden stören sich nicht nur an der Außenwirkung der Fahrzeuge der Marke Ford. Sie befürchten, dass insbesondere von dem grünen Wagen eine Gefahr ausgeht.

Laatzen-Mitte. Denn der grüne Ford Ka ist arg beschädigt: Die Beifahrertür steht offen, die Frontscheibe ist zersplittert, ein Außenspiegel wurde abgeschlagen. Im Wagen findet sich mittlerweile auch Müll. Der rote Ford Puma, der einige Meter entfernt unter einem Baum abgestellt wurde, ist von Schmutz übersät.

"Das ist ein Schandfleck"

"Man konnte richtig zugucken wie der Wagen mehr und mehr vor sich hingammelt", berichtet ein Passant, der oft im Leine-Center einkaufen geht und entsprechend häufig den Parkplatz dort benutzt. Beide Fahrzeuge, bei denen die Kennzeichen abgeschraubt worden sind, stehen nach übereinstimmenden Schilderungen von Anliegern mittlerweile schon seit Monaten auf dem Parkplatz. Er wundere sich, dass das Center-Management nichts dagegen unternimmt, sagt der Mann, der oft ins Leine-Center kommt: „Das ist ein Schandfleck.“

Leser Lothar Hilke, der diese Zeitung auf das Thema aufmerksam gemacht hat, bestätigt, dass die beiden Autos seit Monaten nicht bewegt wurden. "Ich habe vor einiger Zeit auch schon das Ordnungsamt darüber informiert", berichtet Hilke. Wie Stadtsprecherin Eleni Mourmouri bestätigte, sei der Hinweis umgehend an das zuständige Center-Management weitergeleitet worden. Getan hat sich aber dennoch nichts. Wenn die Autos nicht bald entfernt würden, werde es immer schlimmer, meint Hilke, der befürchtet dass eines der Autos angezündet werden könnte. "Die Beifahrertür steht ja offen. Da ist es ein Leichtes", meint er. Eine Entwicklung, wie sie Hilke befürchtet, ist in der Politik- und Sozialwissenschaft als Broken Windows Theory ein Begriff geworden (siehe Beitex unten).

Das Management des Leine-Centers habe die Fahrzeuge seit einiger Zeit im Blick, versichert der stellvertretende technische Leiter Volker Ertel. Es sei aber nicht ganz einfach, gegen die Schrottwagen vorzugehen. Die Fahrzeuge dürften nicht einfach abgeschleppt werden. „Wir versuchen seit Längerem, die Halter zu ermitteln.“ Das Problem sei aber, dass zumindest eines der Fahrzeuge nicht in Deutschland, sondern in Polen angemeldet war, sagt Ertel.

Hinweiszettel entfernt

„Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, dem Halter die Möglichkeit zu geben, sein Auto zu entfernen“, führt der stellvertretende technische Leiter weiter aus. Bereits mehrfach habe das Center-Management Hinweise an den lange Zeit parkenden Autos angebracht, die den Eigentümer dazu auffordern, sein Fahrzeug zu entfernen. „Das haben wir auch mit Fotos dokumentiert.“ Die Hinweise müssten mindestens 14 Tage lang am Auto hängen, ehe es abgeschleppt werden könne. Diese Hinweise seien zuletzt aber immer wieder entfernt worden. Das Management des Leine-Centers steht nach eigen Angaben mit dem Team Ordnung und der Polizei in Kontakt. Da die Autos auf dem privaten Gelände des Centers abgestellt sind, dürften Stadtverwaltung und Polizei aber nicht tätig werden, sagt Ertel. "Die Stadt Laatzen hat auf Privatgelände grundsätzlich keine Eingriffsrechte", bestätigt Sprecherin Mourmouri.

Prinzipiell könnte das Center-Management die Autos mittlerweile sofort abschleppen lassen. "Das Problem ist aber, dass wir eventuell Schadensersatz leisten müssten, wenn der Besitzer seinen Wagen plötzlich wieder haben will, das Auto aber schon in der Schrottpresse gelandet ist", sagt Ertel. „Wir müssen uns vor Regressansprüchen des Halters schützen und uns rechtlich absichern. Das ziehe sich in diesen beiden Fällen leider schon eine ganze Zeit hin, wie Ertel zugibt. "Uns sind da die Hände gebunden." Mehrmals in der Woche überprüfen nun Center-Mitarbeiter den Zustand der Wagen und ob Flüssigkeiten austreten. Da dies bisher nicht der Fall war, sei die Sache auch nicht als dringend eingestuft worden, heißt es. Die Frontscheibe an dem Ford Ka wurde vermutlich erst vergangene Woche zerstört und die Tür geöffnet. „Von dem jetzigen Zustand des ungesicherten Fahrzeugs hatte die Stadt Laatzen zuvor keine Kenntnis“, sagt Sprecherin Mourmouri.

Zaun um Auto gezogen

Die Stadt geht mittlerweile davon aus, dass zumindest von dem Ford Ka eine Gefährdung für die Sicherheit ausgeht. "Das Center-Management hat jetzt nach telefonischer Rücksprache einen Zaun um das offene Fahrzeug gezogen und dadurch den weiteren Zugriff auf das Fahrzeug verhindert", sagt Mourmouri. Nach Einschätzung des Centermanagements kann es noch mindestens zwei Wochen dauern, bis die Fahrzeuge entfernt sind. In einem nächsten Schritt sollen jetzt laminierte Hinweiszettel an den Schrottautos angebracht werden, die sich nicht so leicht von den Fahrzeugen entfernen lassen.

Info: Der fatale Effekt der zerbrochenen Fenster

Zerbrochene Fensterscheiben an einem leer stehenden Haus oder Müll an einer Straßenecke führen häufig schnell zu mehr Zerstörung und noch mehr Müll, denn sie signalisieren: Niemand kümmert sich. Den Effekt der sinkenden Hemmschwellen und des sich in der Folge verstärkenden Chaos bis hin zum Niedergang von Stadtvierteln haben zwei Amerikaner, der Politikwissenschaftler James Wilson und der Kriminologe George Kelling, Anfang der Achtzigerjahre in ihrer Broken-Windows-Theory („Theorie der zerbrochenen Fenster“) beschrieben. Daraus wurde die „Nulltoleranzstrategie“ abgeleitet, die unter anderem von der Polizei in New York umgesetzt wurde und das dortige Stadtbild und Sicherheitsempfinden nachhaltig veränderte. Die These: Wer Misständen umgehend entgegen wirkt, verhindert Schlimmeres.

Von Daniel Junker und Astrid Köhler


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Laatzen ist ...

  • ... eine Stadt südlich von Hannover mit mehr als 40.000 Einwohnern.
  • ... mit dem Park der Sinne und dem Luftfahrtmuseum ein beliebtes Ausflugsziel.
  • ... Heimat der Wasserball-Bundesligamannschaft SpVg Laatzen.
  • ... während großer Messen auch Haltepunkt für ICE-Züge.
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