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Insgesamt vier Wasserrohrbrüche hatten am 23. Mai und 15. Juni in Isernhagen Zehntausende Kubikmeter Wasser freigesetzt. Unter anderem stand die Straße Am Ortfelde unter Wasser.

Insgesamt vier Wasserrohrbrüche hatten am 23. Mai und 15. Juni in Isernhagen Zehntausende Kubikmeter Wasser freigesetzt. Unter anderem stand die Straße Am Ortfelde unter Wasser.© Foto:Christian Elsner HAZ / NP

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Isernhagen

Enercity plant riesige Baustelle

Die vier Wasserrohrbrüche, bei denen Zehntausende Kubikmeter Wasser Straßen in N.B. und K.B. überflutet hatten, haben weitreichende Folgen: Der Versorger Enercity muss Teile der beiden Hauptwasserleitungen durch Isernhagen erneuern, was für den Autoverkehr in den Altdörfern möglicherweise massive Auswirkungen hat.

Isernhagen. Bei einer Infoveranstaltung am Dienstagabend in N.B. gab Enercity Details bekannt.

Was war passiert?

Am 23. Mai platzte die 60 Zentimeter starke Zubringerwasserleitung Fuhrberg 1 auf der Dorfstraße nahe der Hagenstraße und ein zweites Mal in Höhe des Pflegeheims Am Ortfelde, 1,3 Kilometer entfernt. Polizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz, der Verkehr musste tagelang umgeleitet werden. Am 15. Juni dann die nächsten beiden Rohrbrüche, diesmal an der 50 Zentimeter starken Leitung Fuhrberg 2: Die Hagenstraße stand unter Wasser und blieb tagelang gesperrt, der zweite Rohrbruch in Verlängerung der Straße An der Bues überschwemmte Äcker.

Wozu dienen die Leitungen?

Die beiden Zubringerleitungen sind Teil des 2258 Kilometer langen Wasserleitungsnetzes von Enercity. Das Unternehmen versorgt Kunden vor allem in Hannover und Langenhagen. Bis auf einen kleinen Anteil aus dem Harz stammt das Wasser aus dem Gewinnungsgebiet Fuhrberger Feld. Vier Leitungen führen vom Wasserwerk Elze, zwei weitere vom Wasserwerk Fuhrberg nach Hannover – die beiden letzteren durch Isernhagen. Diese Leitungen dienen auch der Versorgung des Wasserverbands Nordhannover.

Was war die Ursache für die Wasserrohrbrüche?

Laut unabhängiger Gutachter war eine starke Graphitierung Ursache für die jeweils ersten Rohrbrüche (Dorfstraße 115 und An der Bues). Diese elektrochemische Korrosionsart betrifft Grauguss – aus diesem Material bestehen die 1958 beziehungsweise 1961/1962 verlegten Rohre, die eigentlich 100 bis 150 Jahre halten sollten. Ursächlich waren laut Gutachter der aggressiv wirkende Lehmboden, Schlacke- und Holzreste im Boden, der wechselnde Grundwasserstand sowie unzureichender Außenkorrosionsschutz. Die jeweils auf die ersten Schäden folgenden zweiten Rohrbrüche in der Straße Am Ortfelde und in der Hagenstraße wurden durch Druckstöße („Wasserhammer“) verursacht.

Waren dies die ersten Schäden an den beiden Leitungen?

Nein, Rohrbrüche hatte es auch schon zuvor gegeben, zuletzt in den Jahren 2000, 2005, 2011 und 2014. Für Heiko Weduwen, Geschäftsführer der Enercity Netzgesellschaft, waren das Einzelfälle. „Jetzt wird es systematisch, und deshalb kann man beginnen, sich zu wundern“, so Weduwen.

Wie steht es um die Schadensregulierung?

Laut Enercity-Justiziar Michael Hayne wurden nach den Rohrbrüchen Sachschäden überwiegend an Außenanlagen in Höhe von etwa 50 000 Euro gemeldet. „Alles wurde reguliert.“ In ähnlicher Höhe könnten sich Regressforderungen von Gebäude- und Hausratversicherern an Enercity bewegen, so Haynes Vermutung.

Was plant Enercity, um weitere Rohrbrüche zu verhindern?

Aufgrund der aktuellen Schäden und der Empfehlung der Gutachter hat sich Enercity entschieden, die Zubringerleitungen im Vorfeld der Straßenerneuerungsmaßnahme in Isernhagen N.B. und K.B. zu erneuern. Bei der Leitung Fuhrberg 1 geht es um den Abschnitt von der Dorfstraße 13 in K.B. die komplette Straße Am Ortfelde entlang bis zum südlichen Ende der Straße Fuhrbleek in N.B., bei der Leitung Fuhrberg 2 um den bebauten Bereich der Hagenstraße und der Straße An der Bues. Hierfür plant der Versorger, in den Jahren 2018 bis 2021 mehr als 5 Millionen Euro zu investieren.

Wo sollen die neuen Leitungen verlegt werden?

Das steht noch nicht fest. Eine Variante sieht die trassengleiche Erneuerung vor. Das hätte allerdings monatelange Vollsperrungen zur Folge. Die geplante Sanierung der K 113 würde sich um mindestens zwei Jahre verzögern.

Was ist die Alternative?

Die von Enercity bevorzugte Alternative sieht vor, die Leitung Fuhrberg 1 von Dorfstraße und Am Ortfelde weg in die Feldmark südlich von K.B. und N.B. zu verlegen. Mehrjährige Verkehrsbehinderungen mit teilweiser Vollsperrung gäbe es nicht, die Sanierung der K 113 würde sich kaum verzögern. Allerdings müssten die Grundeigentümer der neuen Leitungstrasse zustimmen. „Da braucht es nur ein paar Stinkstiefel, dann dauert das zehn Jahre“, sagt Bürgermeister Arpad Bogya zu den Risiken.

Wie geht es jetzt weiter?

Enercity prüft bereits eine Trasse für Fuhrberg 1 außerhalb der Ortslage, die Abstimmung mit den Grundbesitzern ist für Ende 2017 geplant. Läuft alles glatt, soll von 2019 bis 2021 gebaut werden. Zuvor soll ab Sommer 2018 die Leitung Fuhrberg 2 an der Hagenstraße, Dorfstraße und An der Bues erneuert werden.


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Isernhagen ist ...

  • ... eine Gemeinde nordöstlich von Hannover mit knapp 23.000 Einwohnern
  • ... Heimat von Olympiasiegerin Anke Kühn (Hockey)
  • ... Gründungsort des Radiosenders ffn
  • ... nach dem durchschnittlichen Einkommen der Bürger die wohlhabenste Gemeinde in Niedersachsen
  • ... Sitz des Lederwarenherstellers Bree Collection
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Isernhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.