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© Petrow

Ein Leben für die Arbeit: B.A.S.-Erfinder Werner Sporleder wird 90

Kaum vom Schreibtischstuhl aufgesprungen, wirbelt der Mann herum und dirigiert, macht klar, was er will, was nicht, wo es langgeht und wo nicht. Ein Mitarbeiter raunt augenzwinkernd: „Er hat heute seinen Baldrian noch nicht genommen.“

Hemmingen. Beruhigungsmittel nimmt der Chef auch nicht; er ist einfach so. Das erklärt, warum hier ein Text mit vielen Ausrufezeichen folgt – sie geben kein Geschrei wieder, sondern – leider nur annäherungsweise – das Engagement, die Energie des Antwortenden: Werner Sporleder, Unternehmer in Hemmingen, Tüftler, Unruhegeist, Kämpfer, Macher – heute wird er 90.
Was war der Höhepunkt Ihres ...
Arbeit! Das Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Ich hatte kein Privatleben im gängigen Sinne – ich lebe mit der Firma, mit den Mitarbeitern.

Offenbar immer noch ...
Ich mach so 60 bis 70 Stunden in der Woche. Gegen 6 Uhr bin ich hier, gegen 18 Uhr bin ich matsche, sitze dann zu Hause, gucke Nachrichten. Und ich schlafe dann meistens schon im Sessel ein.

Welche Rolle spielt Ihre Frau?
Die Gertrud ist ja jünger als ich … fünf Wochen später wird sie erst 90! Nach ihrem Unfall – nicht mit dem Auto! – vor zwei Jahren hat sie sich aus der Firma rausgezogen. Wir hatten Arbeitsteilung: Sie sorgte dafür, dass das Geld reinkam, ich hatte die Aufgabe, es wieder zu investieren. Mit Buchhaltung und all dem Kram im Büro – da habe ich keinen Drall für. Technik, Fortschritt und probieren geht über studieren, das ist meins! Daher auch mein Motto: Wer will, der kann! Bin ja ungebildet, da kam der Krieg dazwischen: Kaum war ich in der Lehre, holten sie mich. Erst Frankreich, dann in den Osten, wieder Westen, dann Gefangenschaft.

Wo und wie lange waren Sie gefangen?
Bei Bad Salzuflen. Mir hat das Ambiente dort nicht gefallen, bin nach ein paar Stunden mit einem Kumpel abgehauen. Wir stießen auf einen Bauern, der hatte drei Töchter, nahm uns auf. Dort genossen wir zwei Tage 100 Prozent Rundumversorgung, nicht nur Verpflegung ... Dann bin ich als Mädchen gekleidet mit einem Fahrrad hierher gefahren, war am 8. Mai wieder zu Hause.

Haben Sie Ihre vielen Ideen und Erfindungen schützen lassen?
Patente? Nein! Du kannst jedes Patent umgehen! Bis ein Patent angemeldet und durch ist, vergeht so viel Zeit, da ist die Technik schon wieder viel weiter!

Was macht Ihnen zu schaffen, was ärgert Sie?
Neue Sachen kriegste fasst nicht mehr auf die Straße. Kaum einer hat Mut, Pilotprojekte zu machen, das sind nur noch ganz wenige, leider. Ein Deutscher braucht Vorschriften, insbesondere ein Beamter. Und daneben sieht er nichts mehr. Früher wurde jede Idee aufgenommen, probiert, ob es klappt, ja oder nein. Heute stoße ich bei den Behörden und vielen anderen Stellen fast nur auf Bedenkenträger. Und wenn die dann mal keine Bedenken mehr haben – dann erklären sie sich für nicht zuständig! Dabei ist doch klar: Das Bessere ist der Feind des Guten – und es kann nicht immer alles klappen. Wenn du dann auf die Nase fällst, dann musst du schnell wieder aufstehen!

Woher kommt Ihre Kraft, was treibt Sie an?
Wieso schluckt ein Dieselmotor mit 100 000 Kilometern weniger Sprit als zu Anfang? Das ist wie Leistungstraining! Und ich trainiere täglich. Das ist die Arbeit, das Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen! Ich bin ja jetzt 25 Jahre Innovationsrentner und habe viel gearbeitet, bin daher gut erhalten. Wenn ich heute manche 40-Jährige sehe: Oje! Vor lauter Stöhnen kommen die gar nicht mehr zum Arbeiten!

Machen Sie sich Gedanken über den Tod?
Ich habe dreimal den Krebs besiegt: Dickdarm, Prostata und Bauchspeicheldrüse. Positiv denken! Vorankommen, du willst, du kannst! Tod? Wenn die Kiste zu ist, ist Ruhe im Stall. Gedanken? Nö.

Interview: Ralph Hübner


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Hemmingen ist ...

  • ... eine Stadt südlich von Hannover mit sieben Stadtteilen und mehr als 18.000 Einwohnern
  • ... von der Fläche her die kleinste Kommune in der Region Hannover
  • ... Standort eines großen NDR-Sendemasten
  • ... seit Jahre uneins über die geplante Ortsumgehung. Einen Anschluss an die Stadtbahn wird es aber erst geben, wenn die Umgehung fertig ist.
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