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Wie geht es weiter mit der Flüchtlingsarbeit? Sozialarbeiter Maurice Mwizerwa (von links), Yesim Celik und Silke Breu diskutieren beim Informationsabend des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks.

Wie geht es weiter mit der Flüchtlingsarbeit? Sozialarbeiter Maurice Mwizerwa (von links), Yesim Celik und Silke Breu diskutieren beim Informationsabend des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks.© Tonn

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Garbsen

"Bei der Integration müssen alle zusammenarbeiten"

Zwar geht in Garbsen seit Beginn des Jahres die Zahl der neuankommenden Geflüchteten zurück, ein Großteil der Arbeit fängt aber gerade an. Gerade in Frielingen, wo die Gemeinschaftsunterkunft am äußersten Rand des Ortsteils liegt, wird deutlich, wie viel noch für die Integration getan werden muss.

Horst. Am Anfang war es nur eine spontane Idee, die Holger Leister, den Leiter des Kinder- und Jugendvarietés "Träumer, Tänzer und Artisten", in die Frielinger Gemeinschaftsunterkunft führte. "Weil die Männer nicht zu mir in die Sporthalle kamen, dachte ich, da komme ich einfach mit einer Zirkuskiste zu ihnen", erzählt er bei einem Informationsabend des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks Garbsen. Das Interesse fürs Jonglieren konnte Leister bei den Bewohnern zunächst nicht wecken, dafür nutzten sie seine Gesellschaft, um Deutsch zu lernen und zu sprechen. "Statt anderthalb Stunden Jonglierkurs, haben wir und vier Stunden lang unterhalten." Mittlerweile hat Leister die jungen Syrer aber auch mit der Liebe zur Akrobatik angesteckt. 12 von ihnen treten mittlerweile mit Leisters Gruppe auf. "Die jungen Männer sind im Zirkus angekommen", sagt er. "Sie haben Talent und sind artistisch einfach toll." Durch die neuen Teilnehmer sei die Gruppe bunter geworden.

Als Mitte 2014 die ersten Flüchtlinge in Garbsen ankamen, seien Unterbringung und Betreuung der Menschen die zentralen Themen gewesen, sagt Yesim Celik, die Koordinatorin für die Flüchtlingsarbeit bei der Stadt. Doch obwohl die Zahl der ankommenden Flüchtlinge seit Beginn 2017 zurückgehe, sei die Arbeit nicht getan. Jetzt müssten Berührungspunkte geschaffen werden. "Die Integration fängt jetzt erst an", sagt auch Rebekka Hinze, die Leiterin des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks.

Ein großes Augenmerk liegt dabei auf den Gemeinschaftsunterkünften - und besonders der Unterkunft in der Otternhägener Straße am Rand von Frielingen. Seit Beginn des Monats kümmert sich Mitarbeiterin Silke Breu dort intensiver um die vor allem männlichen Bewohner.  Die Frielingerin, die sich im vergangenen Jahr zur Integrationslotsin ausbilden ließ, soll in der Unterkunft den Kontakt zum Betreiber European Homecare verbessern, aber auch eine Ansprechpartnerin für die Bewohner sein. "Ich will hören, was die Jungs brauchen und was bei ihnen so los ist", sagt Breu, die bereits seit zwei Jahren für Deutschkurse in die Frielinger Unterkunft kommt. "Die Lage am Ortsausgang ist nicht ganz günstig. Dadurch sind die Bewohner ein wenig abgehängt", sagt sie. Gerade deshalb sei es aber auch wichtig, für die Geflüchteten da zu sein und ihnen, wenn nötig, auch mal den Schubs zu geben raus zu gehen, sagt Breu. 

Nicht nur in den Unterkünften könne einiges bewegt werden, sagt Hinze, man müsse auch in Frielingen selbst Orte der Begegnung schaffen und die Neuankömmlinge in den Stadtteil einbeziehen. Hier kommt besonders den Sportvereinen eine große Bedeutung zu, wie es auch das Beispiel von "Träumer, Tänzer und Artisten" zeigt. Auch bei den Fußballern des TSV Horst kicken schon Syrer mit. "Wir müssen bei der Integration alle zusammenarbeiten", sagt Celik. Mit dem Masterplan Integration will auch die Stadt die Flüchtlingsarbeit vieler Akteure gezielt voranbringen. Er befindet sich in der Abstimmungsphase und soll 2018 vorgestellt werden.

Flüchtlingsarbeit in Zahlen

Seit Mitte 2014 wurden der Stadt 1030 Menschen zugewiesen, darunter 263 Kinder und Jugendliche. Eine unbestimmte Zahl an Menschen kam zusätzlich auf anderen Wegen nach Garbsen. Die Geflüchteten, die in Wohnungen und vier Gemeinschaftsunterkünften untergebracht wurden, kommen aus 29 Ländern - den größten Anteil haben Syrer (422), Iraker (234) und Afghanen (60). Seit Beginn des Jahres 2017 geht die Zahl der Neuankommenden allerdings zurück. Aktuell kümmern sich 60 ehrenamtliche Integrationslotsen darum, die Menschen zu unterstützen und ihnen das Ankommen so leicht wie möglich zu machen. Mehr als 200 solcher Lotsen haben ihre Hilfe bei der Stadt zur Verfügung gestellt.

 

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Wie geht es weiter mit der Flüchtlingsarbeit? Sozialarbeiter Maurice Mwizerwa (von links), Yesim Celik und Silke Breu diskutieren beim Informationsabend des Evangelischen Flüchtlingsnetzwerks.

Quelle: Tonn

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Garbsen ist ...

  • ... die nach Hannover größte Stadt in der Region mit mehr als 60.000 Einwohnern
  • ... Heimat des ehemaligen Zweitligisten TSV Havelse (1990)
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