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Antonius Liucarias schwärmt vom lebendigen Stadtteil Auf der Horst.

Antonius Liucarias schwärmt vom lebendigen Stadtteil Auf der Horst.© Christian

Garbsen

„Es herrscht mediterranes Flair“

50 Jahre Leben Auf der Horst: Die Redaktion der Leine-Zeitung hat sich anlässlich des Jubiläums gefragt, wie es sich lebt in diesem Stadtteil. Im Kontrast dazu Schloß Ricklingen, wo es wesentlich ruhiger ist. Unsere Mitarbeiterin Isabel Christian hat zwei junge Menschen über ihr Leben befragt: Antonius Liucarias (Auf der Horst) und Moritz Schenk (Schloß Ricklingen).

Auf der Horst/Schloß Ricklingen. Antonius Liucarias:

Auf der Horst zu leben klingt schlimmer, als es ist, davon ist Antonius Liucarias überzeugt. „Eigentlich ist es sogar das Gegenteil. Nachbarn grüßen sich, alle sind nett, und es ist total ruhig. Zumindest dort, wo ich wohne.“ Vor sechs Jahren haben Liucarias’ Eltern ein Haus in dem Stadtteil gekauft, und die ganze Familie ist von Altgarbsen auf die Horst gezogen. Der heute 16-Jährige hatte Glück, er ergatterte das Zimmer im neu gebauten Dachstuhl. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Wenn ich nach dem Studium eine Stelle in der Nähe finde, könnte ich mir auch vorstellen, hier zu bleiben.“ Nach dem Schulabschluss müsste er zumindest für ein technisches Studium noch nicht umziehen, denn der Maschinenbau-Campus ist ganz in der Nähe. Doch auch als Schüler ist Liucarias froh, so zentral zu wohnen. Auf der Horst gibt es die Stadtbahn, und viele Busse aus den Dörfern enden hier. „Ich komme bis nachts überall hin, wo ich hinmöchte.“ Denn seit er aufs Gymnasium geht, hat er Freunde in fast allen Garbsener Stadtteilen und fährt nachmittags zu ihnen oder bekommt zu Hause Besuch. „Früher bin ich in das Jugendzentrum am Planetenring gegangen. Das ist aber eher was für Jüngere.“ Wenn Liucarias jetzt im Stadtteil unterwegs ist, dann mit dem Hund oder wenn er an den Kanal will. „Das ist mein Lieblingsplatz. Es ist so entspannend da.“ Noch bis vor einigen Jahren spazierte er aber nicht so gern durch die Straßen der Horst. „Auf den Spielplätzen haben Jugendgangs gekifft, und manchmal standen ein Busch oder ein Mülleimer in Flammen.“ Doch das habe sich sehr gebessert, seit die Polizei häufiger Streife fährt. Jetzt tobten auf dem Spielplatz wieder viele türkische Kinder mit ihren Familien. „Das finde ich richtig schön, denn das gibt dem Stadtteil so ein mediterranes Flair“, sagt Liucarias, der gebürtiger Grieche ist. Der hohe Anteil der Migranten, die auf der Horst leben, stört ihn nicht. „Die meisten sind nett. Viele grüßen oder bleiben stehen, um ein paar Worte zu wechseln, manche dagegen ignorieren einen total. Das gibt’s aber überall und hat mit der Herkunft nichts zu tun.“ Und Probleme mit pöbelnd umherziehenden Jugendlichen hätten andere Stadtteile wie Berenbostel auch.

Moritz Schenk:

Als Teenager auf dem Land zu leben kann ziemlich frustrierend sein. Kein Kino, keine Discothek und kein Einkaufszentrum ?in der Nähe, dafür ein Dauerabo beim Taxiunternehmen Mama und Papa. Moritz Schenk ist ?16 Jahre alt und lebt seit seiner Geburt in Schloß Ricklingen – doch ihn stört das beschauliche Land-?leben überhaupt nicht. „Ich bin ein richtiges Landei“, sagt er. Ein Leben in der Stadt, wie etwa Auf der Horst, käme für ihn überhaupt nicht infrage. Nach der Schule setzt sich der Zehntklässler aus der IGS Garbsen gern auf sein Trekkingrad und fährt durch die Felder zu Freunden in die Nachbarorte oder joggt durch Waldstücke und Wiesen. „Von Mama lasse ich mich eigentlich selten fahren, denn mit dem Rad kommt man über Schleichwege oft genauso schnell an“, sagt Schenk. Und wenn er doch mal zu einer Party will oder ins Kino, dann nimmt er den Bus. Denn die Linie 410 fährt tagsüber alle 30 Minuten, und am Wochenende gibt es sogar einen Nachtbus, mit dem ?er stündlich nach Hause fahren kann. „Was das angeht, habe ich eigentlich keine großen Nachteile gegenüber Städtern.“ Wenn er an Schloß Ricklingen denkt, kommen ihm zuerst seine Freunde in den Sinn, viele, mit denen er schon zur Grundschule ging, wohnen noch im Stadtteil. Aber er denkt auch an seine Familie, die seit sechs Generationen dort lebt. „Schloß Ricklingen ist für mich mehr als ein Zuhause. Es ist Heimat.“ Die Schloß Ricklinger beschreibt er als ruhige, hilfsbereite Menschen. „Jeder kennt hier doch irgendwie jeden, da gibt es schon so eine Art Dorfgemeinschaft.“ Verschworen sei die aber nicht, auch Zugezogene würden gut aufgenommen. „Einer aus meiner Konfirmandengruppe ist vor ein paar Jahren von Altgarbsen hergekommen“, erzählt Schenk. „Obwohl er den Trubel der Stadt manchmal vermisst, fühlt er sich richtig wohl.“ Viel Zeit verbringt Moritz Schenk mit Gleichaltrigen aus dem Kirchenkreis Wunstorf/Luthe. „In der Gruppe organisieren wir Geocaching-Schatzsuchen oder Fahrradtouren, das macht viel Spaß.“ In Schloß Ricklingen fehlen ihm solche Angebote. „Die Kirche und die Vereine machen eher Angebote für Kinder und Senioren.“ Bald muss Schenk seinen Heimatort vielleicht verlassen, denn er hat sich für eine Ausbildung zum Polizeibeamten beworben. Wird er angenommen, müsste er umziehen. „Aber danach will ich auf jeden Fall zurückkommen.“ Die Frage, was ihm an Schloß Ricklingen fehlt, beantwortet er deshalb auch mit einem breiten Grinsen: „Eine Polizeistation.“

Von Isabel Christian


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Garbsen ist ...

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