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Gut sortiert von motivierten ehrenamtlichen Helferinnen - die "Kleiderei" der Stadt Burgwedel schließt nach insgesamt 20 Monaten, laut Bürgermeister Axel Düker, weil kein Bedarf mehr daran bestehe.+

Gut sortiert von motivierten ehrenamtlichen Helferinnen - die "Kleiderei" der Stadt Burgwedel schließt nach insgesamt 20 Monaten, laut Bürgermeister Axel Düker, weil kein Bedarf mehr daran bestehe.+© Martin Lauber

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Burgwedel

Helfer enttäuscht: Stadt schließt Kleiderei

Ehrenamtliche und Kunden traf die Nachricht völlig unerwartet: Kommenden Mittwoch öffnet die „Kleiderei Burgwedel“ nach 20 Monaten das letzte Mal.

Großburgwedel. Am 25. Januar wird alles in Säcke gepackt – und dann übernimmt die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes Isernhagen die Ausgabe von gebrauchten Kleidungsstücken an Bedürftige – auch aus Burgwedel. Die DRK-Kleiderkammer in N.B. an der Straße Im Ortfelde ist dann auch die Adresse für Kleiderspender.

Nach den Worten von Bürgermeister Axel Düker soll, nachdem alle Flüchtlinge im Leistungsbezug seien und so auch über eigenes Geld für den Kauf von Kleidung verfügten, kein Bedarf an einer Kleiderkammer in Burgwedel mehr bestehen. „Als wir die Kleiderei eingerichtet haben, ging es um die Erstausstattung der Flüchtlinge, die teilweise nur mit einem Plastikbeutel im Schneeregen standen.“

Von vornherein sei klar gewesen, dass man die von der Pestalozzi-Stiftung ab Februar 2016 zur Verfügung gestellte kleine Wohnung nicht dauerhaft nutzen könne. Im Dezember sei die Stadt sich über eine Kooperation mit dem DRK Isernhagen einig geworden, das professionell aufgestellt und 24 Stunden erreichbar sei.

Für vergangenen Montag hatte Düker das mehr als zehnköpfige Kleiderei-Team zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen, um über die neue Entwicklung zu informieren. Eine Ehrenamtliche erinnert sich nur ungern daran: Erst habe es Lobesworte für ihr großes Engagement gegeben: „Wenn Sie nicht gewesen wären ...“ Aber sicher seien die Helfer auch froh, wenn Sie wieder mehr Zeit für die Familie hätten – denn zum Monatsende werde die Kleiderei geschlossen. „Wir haben alle geschluckt“, berichtet eine Teilnehmerin. „Wir waren alle so geplättet und enttäuscht darüber, dass man uns vor vollendete Tatsachen gestellt hat.“ Nach 25 Minuten zogen sich die Eingeladen dankend zurück.

Den Helferinnen, darunter auch mehrere Flüchtlinge, geht es mitnichten um gekränkte Eitelkeit: Sie wären gerne in die Meinungsbildung über Für und Wider einer Weiterführung der Kleiderei einbezogen worden, hätten sich gegebenenfalls auch um eine Alternative bemühen können. Zudem: „Es gibt immer noch Bedarf“, widerspricht Hans E. Pietsch der Einschätzung des Bürgermeisters. Er gehört zum Ehrenamtlichen-Team der Fahrradwerkstatt, die schon 400 Räder überwiegend an Flüchtlinge ausgegeben hat.

Pietsch fragt sich, wann denn wohl auch dieses Hilfsangebot wegen vermeintlich mangelnden Bedarfs eingestellt wird. Aus seiner Sicht ist das Aus für Kleiderei „ein Schlag ins Gesicht der Integrationsarbeit in dieser Stadt“. Monika Rätzke vom Kleiderei-Team sagt es so: „Das kann keiner verstehen. Alles ist so gut gelaufen. Und wir machen das doch gerne.“

Der Kommentar

Aha, für eine Kleiderkammer in Burgwedel, unter deren Kunden sich außer Flüchtlingen auch sozial schwache Deutsche befinden, gibt es also keinen Bedarf mehr. Kleiderspender wie Bedürftige sollen stattdessen künftig zum DRK nach Isernhagen N.B. fahren. Flüchtlinge können ja auch Billigklamotten kaufen! Genauso stellt man sich bürger- und wohnortnahen Service ja auch vor. Oder doch etwa nur im Burgwedeler Rathaus?

Letzteres trifft wohl eher zu, wenn man die ersten Reaktionen von Betroffenen, Ehrenamtlichen und in den sozialen Netzwerken sieht. Da gibt es kein Verständnis dafür, dass die Kleiderei ad hoc dichtgemacht wird. Selbst wenn die Stadt eine kleine Miete für die Räume zahlen müsste, könne sie sich das leisten.

Das Schlimmste am plötzlichen Aus für die Kleiderei ist aber der Umgang mit den Ehrenamtlichen, die seit fast zwei Jahren unentgeltlich und zuverlässig eine gut sortierte Kleiderkammer führen, einen Umzug teils in eigenen Autos bewerkstelligt und den ersten Ansturm der Flüchtlinge bewältigt haben. Keiner hat sie gefragt, wie sie das mit dem Bedarf sehen. Sie fühlen sich nach dem Motto „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ vors Schienbein getreten. Und das zu Recht.                                                                                        Martin Lauber

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Im Februar 2016 zog die Kleiderei aus dem Mitteldorf in eine kleine Wohnung hinter der Verwaltung der Pestalozzi-Stiftung um.


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Burgwedel ist ...

  • ... eine Stadt im Nordosten von Hannover, die aus sieben Stadtteilen besteht und mehr als 20.000 Einwohner hat
  • ... schuldenfrei (!)
  • ... die Heimat von Martin Kind, Präsident von Hannover 96
  • ... Sitz der Drogeriemarktkette Rossmann
  • ... Geburtsort von Schauspielerin Bettina Zimmermann
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Burgwedel der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.