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Wettbewerbssieger: Alexandra Seifert bespricht mit ihrem Chef Andreas Schmotz Details ihres Siegerentwurfs.

Wettbewerbssieger: Alexandra Seifert bespricht mit ihrem Chef Andreas Schmotz Details ihres Siegerentwurfs.© Joachim Dege

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Burgdorf

Burgdorfer Architekten gewinnen Preis

Es gibt kaum eine Kommune, in der bezahlbarer Wohnraum keine Mangelerscheinung ist: Wie solcher Wohnraum zu schaffen ist, war Gegenstand eines Architektenwettbewerbs, den Architektenkammer und Wohnungswirtschaft mit Unterstützung des Landes ausgeschrieben hatten. Das Burgdorfer Büro Höhlich + Schmotz zählt zu den vier Gewinnern.

Burgdorf. „Wohnraum schaffen“ lautete die Überschrift des Wettbewerbs, an dem sich 48 Architekturbüros beteiligten. Vier hatten am Ende die Nase vorn und gewannen einen Preis, den Wohnungsbaugesellschaften aus Niedersachsen und Bremen, darunter die KSG Hannover und die GBH in Hannover, nun in naher Zukunft umsetzen wollen. Den Siegerentwurf aus Burgdorf will die Baugenossenschaft GEWOBA mit Sitz in Bremen realisieren.

„Eine spannende Aufgabe“ nennt die junge Architektin Alexandra Seifert, die erst vor sechs Monaten ihren Master mit der Note 1 abgeschlossen hat, die Herausforderung des Wettbewerbs. Seifert und ihre Kollegen Valentina Forsch und Robin Zeidler bildeten ein Team, das mehrere Wochen lang an dem Wettbewerbsbeitrag arbeitete, unterstützt von ihren Chefs Dirk Höhlich und Andreas Schmotz.

Freilich ging es längst nicht nur darum, irgendeinen Wohnraum zu schaffen. Vielmehr sollte dieser vor allem bezahlbar sein. Die Baukosten sollten sich in Grenzen halten, damit sich auch Menschen mit weniger üppigen Einkommen eine der auf vier Etagen verteilten Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen leisten können. Und zwar ohne, dass der günstigen Bauweise wegen jede architektonische Qualität auf der Strecke bleibt.

Das Büro Höhlich+Schmotz-Team schaffte es als eines von 19 Büros über die Konzeptphase hinaus und durfte in Phase 2 seinen Entwurf ausarbeiten. Seifert & Co. legten ihren 12 mal 45 Meter großen Baukörper mit 21 Wohnungen barrierefrei an. Sie schufen zudem Gemeinschaftsflächen, entwarfen Wohnungen sowohl für Singles wie für Familien. Allem liegt ein Grundraster von 3,25 Metern zugrunde, das fast beliebig variiert werden kann und auf den verschiedenen Etagen eine Durchmischung verschiedener Mietergruppen erlaubt.

Laubengänge, von den Planern Kommunikationszone genannt, führen ums Gebäude herum, sind mit Nischen und Sitzgelegenheiten versehen und bilden Orte der Begegnung. Vertikale Lufträume lockern alles auf. Ein berankter Vertikalgarten an der Stirnseite steigert den Wohnwert.

Als Gemeinschaftsflächen dienen eine Dachterrasse und ein Fahrradkeller mitsamt Werkstatt sowie Parkflächen für ein Carsharing-Modell und schließlich eine möblierte Wohnung für die Besucher der Hausbewohner. Der eigentliche Clou aber sei, so Seifert, dass der Entwurf je nach Grundstücksgröße skalierbar sei, also nach Bedarf jeweils angepasst werden könne.

Das Interview mit den Preisträgern

Der soziale Wohnungsbau, zumal lange vernachlässigt, ist in aller Politikermunde. Drei junge Architekten des Burgdorfer Büros Höhlich + Schmotz haben einen Architektenpreis zu diesem Thema gewonnen und nach Ansicht der Jury die Kompetenzen, welche Investoren und Kommunen zurzeit händeringend suchen. Anzeiger-Redakteur Joachim Dege sprach mit Bürochef Andreas Schmotz und dessen Mitarbeiterin Alexandra Seifert, die das Wettbewerbsteam leitete.

Glückwunsch zum Preis. Nun ist der soziale Wohnungsbau ja so etwas wie die Schmuddelecke der Architektur. Preis also hin oder her: Kann man als Architekt auf diesem Gebiet überhaupt renommieren oder vielleicht gerade deshalb seinen eigenen Fußabdruck hinterlassen?

Alexandra Seifert: Schon. Wir haben bei unserer Arbeit den sozialen Wohnungsbau einmal anders betrachtet. Wir haben versucht, ihn von seiner positiven Seite zu sehen, das Positive rauszuholen und in einem Entwurf, in einer Idee zusammenzubringen.

Andreas Schmotz: Der Fußabdruck, den Sie ansprechen, warum sollte der denn im sozialen Wohnungsbau nicht möglich sein? Dabei handelt es sich um eine absolut wichtige Aufgabe. Und wenn die Lösung, die wir gefunden haben, jetzt mit einem Preis belohnt wird, umso besser.

Die Wettbewerbsvorgaben waren anspruchsvoll: Der Wohnraum soll bezahlbar sein für alle und schnell umzusetzen, zudem architektonische Qualität bieten. Wie haben Sie diese Aufgabe gelöst.

Seifert: Das Prinzip, das wir entwickelt haben, ist flexibel wandelbar. Es ist anpassbar an verschiedene Grundstücksgrößen. Die Größen der Wohnungen sind veränderbar.

Schmotz: Eine schnelle Realisierbarkeit erreichen wir über einen hohen Vorfertigungsgrad der Bauteile und ein preiswertes Konstruktionssystem auf der Grundlage eines einheitlichen Grundrasters, das wir entwickelt haben. Ich nenne das ein Regalsystem. Es erlaubt, zeitsparend und einfach zu bauen.

Seifert: Und zwar ohne Qualitätsverlust. Zum Einen wären da die Nischen in der umlaufenden Kommunikationszone, die sich wie ein Band ums Gebäude zieht. Der vertikale Garten ist ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal. Eine gemeinschaftlich zu nutzende Dachterrasse bringt Wohnwert. Die Idee ist, dass die Erschließungswege gleichzeitig teilöffentliche und private Aufenthaltszonen sind.

Die Arbeit ist gemacht. Der Preis ist gewonnen. War das jetzt für die Schublade? Oder werden in Ihrer Idee irgendwann Menschen leben?

Schmotz: Nun, wir haben einen Termin mit der GEWOBA AG Wohnen und Bauen in Bremen (führender Anbieter von Mietwohnungen in Bremen, Bremerhaven und Oldenburg mit mehr als 42 000 verwalteten Wohnungen und Gewerbeimmobilien; Anmerkung der Redaktion). Es gibt da ein Grundstück, das wir beplanen werden. Der Auftrag ist noch nicht vergeben. Aber darauf zielt das Ganze ab. Da unser Konzept so flexibel ist, kann es an vielen Orten realisiert werden. Darum werden wir damit werben und auch andere Bauherren ansprechen.

Auch die Stadt Burgdorf muss bezahlbaren Wohnraum schaffen, ist auf der Suche nach Investoren für ein Areal in der Südstadt. Wäre Ihr Entwurf auch hier machbar?

Schmotz: Unbedingt. Gerade in der Südstadt gibt es interessante Bereiche und Grundstückszusammenhänge, wo die Realisierung eines solchen Gebäudes sehr gut vorstellbar ist.

Stehen Sie bereits in Kontakt mit der Stadt?

Schmotz (lacht): Nein. Wir wissen ja gerade erst seit eineinhalb Wochen, dass wir diesen Preis gewonnen haben.

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Architektin Alexandra Seifert leitete im Büro Höhlich + Schmotz das Team, das den Siegerentwurf erarbeitete.


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.

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