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Gefangen: Diese Wildkatze ist in eine der Fallen geraten. Sie wurde anschließend freigelassen.

Tierschutz

Barsinghausen: Stoppt Wildkatze den Trassenbau?

Wenn die Bahn neue Schienen verlegen will, regt sich fast automatisch Widerstand. Aktuell sorgen Pläne einer neuen ICE-Trasse zwischen Hannover und Bielefeld insbesondere im Raum Barsinghausen für Wirbel. Chancen, die Pläne zu stoppen, hat die Wildkatze.

Barsinghausen. Andree Ballin ist Jäger. In seinem Revier zwischen Dedensen und Ostermunzel war er auch als Fallensteller unterwegs, allerdings nur, bis ihm eine Wildkatze hinein geriet. Die ließ er – wie andere Tiere – wieder laufen, Kastenfallen hat er seitdem verbannt, Fotofallen nicht. Und schon mehrfach sind ihm Wildkatzen vor die nächtliche Linse geraten. Wildkatzen sind nach europäischen Richtlinien eine streng geschützte Art.

Ballins Revier aber liegt genau dort, wo auch die neue ICE-Trasse verlaufen soll. Theoretisch eine Todesfalle für Tiere. „Die Wildkatzen gibt es hier wenigstens seit 2009“, sagt Ballin. „Und sie durchstreifen ein Gebiet von 40 Kilometern im Durchmesser.“

Die Anlieger der geplanten Trasse sind von den Plänen überrascht worden, zumal ein ähnliches Projekt früher einmal aus Kostengründen gestoppt worden war. Doch auch das neue Projekt steckt noch halb in der Schublade. Es gehört zum Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030, in dem diese Trasse in den vordringlichen Bedarf eingestuft werden soll. Derzeit läuft das erste von mehreren Beteiligungsverfahren. Noch bis zum 2. Mai können Bürger und Kommunen Einwände einreichen.

Die Stadt Barsinghausen etwa macht in ihrer Stellungnahme keinen Hehl aus ihrer Ablehnung. Neben Lärm- und Schadstoffbelastungen für die Bürger oder Bedenken hinsichtlich eines von der Trasse gestreiften Trinkwasserschutzgebietes bringt die Stadt auch umweltpolitische Argumente ins Spiel wie etwa Lebensräume geschützter Brutvögel und anderer Arten.

Als Alternative schlägt Barsinghausen eine Verlegung der Trasse auf Wunstorfer Gebiet vor. Was wiederum den dortigen Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt schäumen lässt: „So kann man mit einer Nachbarkommune nicht umgehen“, wetterte er.

Die Wildkatze aber tummelt sich eher etwas südlicher. Im Wald rund um Haste (Bad Nenndorf) ist sie seit 2013 nachgewiesen. „Und im Deister ist sie seit Langem etabliert“, weiß Wildkatzenexpertin Andrea Krug vom Bund. Und ja, ein solches Vorkommen einer streng geschützten Art könne auch den Schienenbau stoppen. „Prinzipiell wirkt eine solche Trasse als Barriere“, betont Krug. Allerdings gebe es technische Lösungen für das Problem, etwa eine Aufständerung der Trasse oder Querungshilfen.

Das aber dürfte den Bau teurer werden lassen. Und ein Argument Barsinghausens gegen die Trasse ist das ohnehin schon schwache Kosten-Nutzen-Verhältnis. Der Bund arbeitet derzeit an einer Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan, wird darin aber nicht speziell auf die ICE-Trasse eingehen. Einwände würden aber wohl im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens folgen. Ob es dazu überhaupt kommt, muss sich zeigen. Die Bahn habe noch andere Optionen, heißt es.

Andreas Krasselt


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Barsinghausen ist ...

  • ... eine idyllisch gelegene Kleinstadt am Deister mit 18 Ortsteilen und mehr als 33.000 Einwohnern.
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