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Im NP-Interview: Hannovers Tourismus-Chef Peter Richter.© Dröse

Interview

"Der See ist der eigentliche Star"

Heute um 18 Uhr startet Hannovers längste Party: Das Maschseefest dauert bis zum 16. August, rund zwei Millionen Besucher werden erwartet. Im NP-Interview nennt Peter Richter, Vorsitzender des Organisators Hannover Tourismus Service, die Höhepunkte der Riesenfete.

VON ANDREAS VOIGT

Feiern, Flirten, Flanieren – so lautet das Motto des Maschseefestes 2009. Wo ist für Sie der Schwerpunkt?
Das mit dem Flirten stört meine Frau, der Rest passt. Aber der Reiz liegt in der Vielseitigkeit mit dem See als eigentlichem Star. Wir bieten für die etwas an, die den Maschsee als Naherholungsgebiet suchen. Für die, die kulinarisch etwas Ausgefallenes wollen. Und für die, die Musik hören möchten.

Haben Sie persönliche Lieblingsplätze während der kommenden knapp drei Wochen?
Es gibt unterschiedliche, das hängt auch von meiner Stimmung ab. Sehr schön ist es sicher am Strandbad, das zum ersten Mal mit eingebunden ist. Aber auch der Trubel am Nordufer ist nett zu beobachten.

130 Bands, mehr als 30 Kleinkünstler, fünf Musikbühnen, 400 Ruderer, die einen Ruder-Bundesligatag absolvieren: Noch nie war das Maschseefest so umfangreich. Wie weit lässt sich die Spirale noch nach oben drehen?
Ideen habe ich noch reichlich. Was ich mir vorstelle ist, dass wir noch mehr den See einbeziehen. Das gestaltet sich aber schwierig bei dem Werbeverbot. Bestimmte Sachen kann man nur über Sponsoren anbieten. Wir sind da aber mit der Stadt im Gespräch. Skulpturen, Kunstwerke auf den See stellen, die mit Licht und Ton animiert werden, dazu sportliche Wettbewerbe: So etwas könnte ich mir vorstellen. Was wir noch ausbauen wollen, sind die Thementage wie die Modenschauen am Montag und die Kleinkunst.

Ist das Werbeverbot durch die Stadt also immer noch der Grund, warum der Maschsee auch diesmal kaum bespielt ist?
Ja, denn im Moment sind wir nicht wirklich weiter. Momentan geht nur Fackelschwimmen, Crazy Crossing oder die Ruder-Bundesliga. Feste Installationen, die man tagsüber zurückfahren kann, damit der Bootsverleih nicht gestört wird, das geht nicht. Der Auf- und Abbau, das ist kostspielig.

Zurück zum Programm: Was ist neu im Jahr 2009?
Die Ruderer auf dem See, die am letzten Wochenende ihren Bundesliga-Tag ausfahren. Bei dem Musikprogramm haben wir noch einmal eine Schippe draufgelegt, das Spektrum erweitert. Es reicht von Hardrock bis zur Musikinstallation, bei der Geräusche des Sees nachempfunden werden. Dann die Modenschauen an den Montagen, die Löwenbastion macht Comedy am Montag. Dienstag ist dort Tanz am See, was ich persönlich sehr spannend finde. Und das Kinder- und Jugendprogramm haben wir ausgebaut.

Tragen Sie damit Anregungen von Eltern Rechnung?
Wir haben vor zwei Jahren damit begonnen es auszuweiten und sind heute, glaube ich, einen Schritt weiter. Mein Dank gilt besonders dem Fachbereich Jugend und Familie der Stadt, die immens viel auf die Beine gestellt haben. Auf der einen Seite geben wir auf der Kinderwiese auf der Bühne an den Wochenenden freitags bis sonntags jugendlichen Nachwuchsbands jeglicher Coleur eine Chance. Auf der anderen Seite haben wir unter der Woche jede Menge Spiele, bei denen der See mit eingebunden ist. Und wir haben die Maschseepiraten ausgeweitet. Das ist auch die einzige Sache, bei der wir Eintritt nehmen. Das Geld verwenden wir aber nicht für uns, sondern spenden es für das Ägidius-Haus.

Worum geht es da?
Der Lions Club Hannover Ägidius sammelt Geld für ein Haus, in dem Eltern von Schwerstbehinderten übers Wochenende oder auch für den Urlaub ihre Kinder abgeben können, weil sie dort umfänglich betreut werden. So können Eltern auch mal ein Wochenende für sich haben. So eine Einrichtung fehlt in Hannover.

Zurück zum Seefest: Warum die Ausweitung des Kinder- und Jugendprogramms?
Vor vier, fünf Jahren war das Maschseefest kurz vor der Kippe abzudriften zum Ballermann-Thema. Deswegen mussten wir uns Gedanken über ein neues Konzept machen. Wenn ich den See habe, den ich 19 Tage gestalten darf, dann muss ich einfach auch die ganze Familien ansprechen.

Stichwort Aufbauten. Höher, schneller, weiter – das gilt offenbar nicht nur für das Programm, sondern auch für die Stände. Gibts irgendwann Grenzen?
Was wir tun, ist der Nachfrage geschuldet. Die zwei Millionen Besucher, die wir erwarten, müssen die Gelegenheit haben, sich zu versorgen mit Getränken und Essen und idealerweise dabei auch sitzend den Blick auf den See zu genießen. Grundsätzlich war bei der Neukonzeption die Idee, auch etwas fürs Auge zu tun. Gäste sollen das Gefühl haben, sie treten ein in eine mediterrane Urlaubswelt mit Strandszenarien, Fischerdorf oder auch exotischen Hütten.

Im Herbst schreibt der Hannover-Tourismus-Service als Veranstalter des Maschseefestes die Verträge für drei Jahre für die Standbetreiber neu aus. Welche Kriterien gibt es?
Es werden regionale Betreiber bevorzugt, denn wir wollen das Maschseefest weiter als lokale und regionale Veranstaltung haben. Dann legen wir den Wirten das Seeszenario auf. Es muss etwas Visuelles sein, was die Leute anspricht. Mir schwebt ab Nordufer eine Gesamtlandschaft wie ein mediterraner Erlebnispark vor.

Wie hoch ist der Etat für das Maschseefest?
Der liegt bei etwa 400 000 Euro. Das Geld bekommen wir durch Mieten und Sponsoringbeiträge.

Ist das Maschseefest kostendeckend? Bleibt etwas über?
Ja. Und das, was übrig bleibt, reinvestieren wir komplett ins nächste Jahr für Marketingmaßnahmen, um das Fest überregional noch besser zu vermarkten.

Hat die Schweinegrippe Einfluss auf die Planungen genommen? Gab es Überlegungen, das Maschseefest abzusagen?
Ich habe recht frühzeitig das Gesundheitsamt kontaktiert, das mir schnell Entwarnung gegeben hat. Solange es bei der Zahl der Infizierten bleibt, die wir haben, ist das keine Gefahr fürs Fest.

Das Schützenfest hats vorgemacht: Karussell- und Bierpreise wurden wegen der Wirtschaftskrise zum Teil gesenkt. Wie siehts für das Maschseefest aus?
Bei uns kann man sich mehr als 130 Bands kostenlos anhören. Außerdem bleiben die Bierpreise stabil, das 0,3-Liter-Glas kostet im Schnitt 2,50 Euro. Und soweit ich weiß, werden die Speisen nicht teurer.

Kommt eigentlich der Peppermint-Park von Mousse T. mal wieder auf den See?
Mousse T. hat 2007 Geld dazugelegt. Ich kann nachvollziehen, dass er nicht gewillt war, es noch einmal zu machen. Die Idee ist aber noch nicht abgeschrieben. Ich gebe an der Ecke auch nicht auf, weil es möglich sein sollte, für den Dome eine Werbeausnahme hinzubekommen. Doch wann der Dome wiederkommt, kann ich heute nicht sagen.

Stichwort Lärm: Welche Vorkehrungen werden dieses Jahr getroffen?
Schon 2008 blieben wir permanent unter den Grenzwerten. Es gab in dem Jahr zwei neuralgische Punkte: Am Geibeltreff haben wir die Bühne umgebaut, so dass der Lärm nicht mehr in die Geibelstraße abgestrahlt wird. Der andere Punkt war die Temple Bar am Südanleger. Dort haben wir die Bühne mit Folie auslegen lassen, so dass die Schallabstrahlung in die Wohngebiete reduziert ist. Dazu sind die Musikanlagen verplombt. Zudem kontrollieren wir und die Stadt mit Hilfe eines unabhängigen Instituts den Lärm.

Der Soldatenfriedhof am Nordufer ist immer wieder Ziel von sogenannten Pinkelattacken. Gibt es Vorkehrungen?
Ich appelliere zuerst an die gute Kinderstube der Besucher. Wir haben wieder mehr Toiletten aufgestellt, am Nordufer sind es jetzt etwa 90. Dann leuchten wir den Friedhof aus, ansonsten lassen wir verstärkt Sicherheitsleute patrouillieren. Den Friedhof einzuzäunen, halte ich für verfehlt.

Angenommen, das Wetter ist in den kommenden 19 Tagen schlecht. Ist eine Verlängerung des Maschseefestes möglich?
Aus organisatorischen und logistischen Gründen kriegen wir das nicht hin. Außerdem haben wir dafür mit den Betreibern einen Dreijahres-Vertrag geschlossen, damit ein schlechtes Jahr wirtschaftlich zu verkraften ist.

Abschlussfrage: Wenn Sie einem Bayern das Maschseefest erklären müssten, was sagen Sie ihm?
Das Maschseefest ist wie das Oktoberfest, nur schöner.


Öffnungszeiten Maschseefest

Veranstaltungszeitraum:

02. bis 20. August 2017

Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag ab 14:00 Uhr
Sonntag ab 11:00 Uhr
(einzelne Stände können abweichen)


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