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Kommunalwahl: Ohne Ganztag läuft nichts mehr

Bildung und Betreuung – für Schüler, Eltern und Alleinerziehende eines der entscheidenden Themen bei der Kommunalwahl. Wie stehen die Parteien dazu? Welche Ideen und Vorstellungen haben sie? NP-Redakteur Andreas Voigt stellt die Programme vor und ordnet sie ein.

SPD will für jedes Kind einen Krippen- oder Kita-Platz

Wer regiert, darf sich am Ende einer Wahlperiode ruhig mal rühmen. Findet zumindest die SPD – und listet in ihrem Wahlprogramm im Bildungsbereich erst mal einige Erfolge auf. Drei Beispiele: 2000 Krippen- und Kitaplätze habe man eingerichtet, 50 Prozent der Grundschulen befänden sich im Ganztag, die dahinsiechenden Haupt-und Realschulen seien in zukunftsfähige Integrierte Stadtteilschulen umgewandelt. „Hannover packt an“, so das Fazit der Sozialdemokraten.
„Was wir vorhaben“ – diese Rubrik gibt es aber auch, und hier steht der weitere Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten ganz oben auf der Agenda. Deren Ausbau (mit Familienzentren) wolle man bis 2025 mit 110 Millionen Euro vorantreiben und dabei auch die Belange von Kindern mit Behinderungen berücksichtigen. Mit Stimmen der SPD wurden Anfang des Jahres die neue Kita-Beitragsstaffeln beschlossen, jetzt heißt es im Wahlprogramm dazu: „Die finanziellen Auswirkungen werden wir auswerten und gegebenenfalls anpassen.“ Ob nach oben oder unten – das entscheidet sich nach der Wahl.
Die SPD sagt klipp und klar, dass jedes Kind in Hannover einen Krippen- oder Kitaplatz haben soll, und zwar unabhängig von Einkunft oder Herkunft der Eltern. Künftig soll ein zentrales Anmeldeverfahren die Platzvergabe für städtische Einrichtungen regeln (ist schon beschlossen). Klare Ansagen auch beim Ganztag an Grundschulen: Alle 61 Grundschulen Hannovers sollen dieses Angebot machen können. Ob in den kommenden fünf Jahren, steht im Wahlprogramm allerdings nicht. Dafür ist das ausformuliert: „Angebote an Grundschulen und in den Horten werden räumlich, personell, standort- und bedarfsgerecht wie auch inhaltlich-pädagogisch zusammengeführt.“
Wenig nachgefragte Schulformen will die SPD darüberhinaus zu integrierten Schulen entwickeln – die sogenannten integrierten Stadtteilschulen sollen in den Quartieren verankert sein. Alle IGSn bekommen zudem eine gymnasiale Oberstufe.

CDU will Schulformen mit
optimaler Durchlässigkeit

„Qualitativ hochwertige Bildungseinrichtungen sind auch für die Zukunftsfähigkeit Hannovers von entscheidender Bedeutung“, schreibt die CDU in ihrem Programm. Um dahin zu gelangen, schlägt sie eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten, Schulen, Berufsschulen und anderen außerschulischen Einrichtungen vor. „Die Übergänge zwischen den Schulformen müssen optimal die Durchlässigkeit gewährleisten“, so die Forderung.
Die CDU setzt sich für ein differenziertes Schulsystem ein, mit der Wahlmöglichkeit zwischen Haupt-, Real- und Oberschule, Gymnasium oder Integrierter Gesamtschule ein. Ausdrücklich unterstützt die Partei auch das Schulangebot durch private oder kirchliche Träger oder Schulen mit besonderem pädagogischem Profil.
Ein klares Ja kommt von der Partei auch zu den Schulgrenzbezirken, die für die Grundschul-Standortplanung notwendig seien. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich zu machen, sollen in Hannover langfristig alle Schulen als offene oder teilgebundene Ganztagsschule geführt werden. Der Ausbau der Grund- und weiterführenden Schulen zu Ganztagsschulen findet deshalb die Unterstützung der Christdemokraten. Als Kooperationspartner schweben ihnen Vereine und Verbände vor. Bei der Schulbauentwicklung sind grundsätzlich zu berücksichtigen: die Inklusion, der gleichberechtigte Zugang von Menschen mit und ohne Behinderungen zur hannoverschen Schullandschaft.
Ebenfalls Thema: Die Förderung von Betriebskindertagesstätten in Zusammenarbeit mit interessierten Betrieben. Für wünschenswert hält es die CDU außerdem, dass alle Kinder aus Einwanderungsfamilien einen Kindergarten besuchen, um spielerisch die deutsche Sprache zu lernen „und damit die Grundlage für einen erfolgreichen Schulbesuch und die spätere berufliche Qualifikation zu legen“. Den Erhalt der Horte und den Ausbau von Krippen und Kitas hat sich die CDU ebenfalls auf die Fahne geschrieben.

Grüne haben mehrere Ideen

„Hannover wächst. Die Schulentwicklungsplanung muss auf diesen Wandel reagieren, qualitativ (inhaltlich und pädagogisch) sowie quantitativ mit Sanierungen und dem Neubau von Schulen“, heißt es bei den Grünen, die in Sachen Bildung in ihrem Wahlprogramm gleich eine Reihe Ideen einbringen.
Thema Sprachlernklasse: Schulen sollen ausreichend solcher Klassen bekommen, um den Bedarf zu decken. Koordiniert wird dies durch eine zentrale Stelle (schon beschlossen). Thema Berufsorientierung: Die Grünen wollen die Zusammenarbeit zwischen weiterführenden Schulen, Betrieben und berufsbildenden Schulen ausweiten. Das Modell „Schule und Beruf“ für Schüler mit Problemen beim Schulabschluss unterstützen die Grünen auch weiterhin.
Thema Schulsanierung: Je nach Möglichkeit soll es Schulküchen geben, damit Schüler das Kochen und Grundkenntnisse gesunder Ernährung lernen.
Der Ausbau der Ganztagsschulen soll darüber hinaus „zügig voranschreiten“, wobei die Grünen die Zusammenarbeit zwischen Schulträgern und Jugendhilfeträgern favorisieren. Bei den Grundschulen soll es außerdem eine verlässliche Ferienbetreuung geben.
Bei den weiterführenden Schulen setzen die Grünen auf das Zwei-Säulen-Modell: Gymnasium und IGS existieren gleichberechtigt nebeneinander. Haupt-und Realschulen sollen langfristig als „kleine IGS“ organisatorisch zusammengehen.

FDP für vielfältiges Angebot

Ein klares Nein kommt von den Liberalen zur Bildungsvereinheitlichung, da es die Individualität und die spezifischen Bedürfnisse des Einzelnen verkenne. „Daher treten die Freien Demokraten entschieden für ein möglichst vielfältiges Bildungsangebot ein“, heißt es in ihrem Kommunalwahlprogramm.
Dies schließe, so die FDP weiter, auch die Förderschulen als Alternative zur inklusiven Regelbeschulung mit ein.
Ebenfalls unerlässlich für eine gute kommunale Schul- und Bildungspolitik sei eine moderne Schulausstattung in allen Schulformen (Fortführen der Schulsanierungen) und eine personell verbesserte sozialpädagogische Betreuung. Anderenfalls, so die Schlussfolgerung, sei keine angemessene inklusive Beschulung möglich und eine Überforderung der Lehrer durch zusätzliche Aufgaben sei absehbar.
Ein Bekenntnis kommt zur Offenen Ganztagsschule, die weiter nach den Bedürfnissen von Schülern und Eltern ausgebaut werden müsse. Und: Schwimmunterricht muss für alle Grundschüler Hannover fester Bestandteil des Sportunterrichts werden.
Bei den Kitas setzt sich die FDP ebenfalls für eine stärkere Ausrichtung der Öffnungszeiten an den Bedürfnissen der Eltern ein, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Die Sprachförderung in den Kitas auszubauen und eine frühkindliche pädagogische Förderung zu verbessern, sind zwei weitere Forderungen der Freien Liberalen.

Linke für mehr Betriebskitas

„Bildung ist keine Ware“, heißt es im Kommunalwahlprogramm. Damit ist eine Chancengleichheit für alle unabhängig der sozialen Herkunft gemeint. Die frühkindliche Bildung stuft die Linke besonders hoch ein – und fordert den weiteren Ausbau von Krippen sowie Kitas und deren kostenlosen Besuch. Erzieherinnen sollten mindestens die Fachhochschulreife haben und vorschulische Sprachförderung sollte durch qualifiziertes Personal erfolgen. Zudem will die Partei Betriebskitas fördern und die Hortbetreuung ausbauen. Statt des dreigliedrigen Schulsystems soll es eine Gemeinschaftsschule für alle geben. Das durchzusetzen, ist allerdings Sache des Landes.

Piraten für kostenlose Kitas

Für die Piraten hat die frühkindliche Bildung eine besondere Bedeutung, wie sie sagen. Deshalb müsse die Zahl der Betreuer in Kitas angehoben, die Kita-Öffnungszeiten dem Bedarf der Kinder und Eltern angepasst werden – und Kitas müssten von den Kommunen steuerfinanziert sein und deren Besuch kostenlos.
Ausdrücklich begrüßt die Partei die inklusive Schule, Hochbegabte sollen durch Bildung von Sonderklassen gefördert werden. Auch die „interkulturelle Erziehung“ ist der Partei wichtig: Die Stadt Hannover sollte deshalb eine „International School“ einrichten – gebührenfrei und auf Grundlage öffentlich geförderter Europaschulen.

Hannoveraner für Gymnasien

„Deutschland war einmal das Land der Dichter und Denker und der Nobelpreisträger. Diese Zeiten sind angesichts des ständig sinkenden Bildungsniveaus längst vorbei“, beklagen die Hannoveraner in ihrem Programm. Für die frühkindliche Betreuung, Erziehung und Bildung seien Kitas in hinreichender Zahl bereitzustellen, heißt es lapidar – auch, um berufstätige Eltern zu entlasten. Aber: Die häusliche Erziehung solle möglich bleiben. Ausdrücklich sagt die Partei Ja zum Gymnasium, denn die „letztlich undifferenzierte Gesamtschule“ dürfe nicht zur Regelschule werden. Inklusion an Schulen sei okay – aber eher als Einzelfall-Entscheidung, so die Hannoveraner.

AfD: Zusätzliches Kindergeld

Kindergärten eröffnen Bildungschancen und führen an die Schule heran, hält die AfD (Alternative für Deutschland) fest und fordert kostenlose Kita-Einrichtungen in Stadt und Umland. Zudem müsse die Zahl der Erzieher erhöht werden: Bei den unter Dreijährigen soll der Betreuungsschlüssel 1:3 betragen. Und: Die Kommune soll für die ersten drei Lebensjahre der Kinder an berufstätige Eltern ein zusätzliches Kindergeld zahlen. Zudem ist die AfD für die Wiedereinführung der Lehrmittelfreiheit an Schulen, freies Schulessen und für die Aufhebung der Schulgrenzbezirke, um einen sicheren Schulweg möglich zu machen, heißt es.


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Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok

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