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OHREN ZU: Wenn ein Flugzeug über das Haus von Eva-Maria und Klaus Meyer in Langen-hagen hinwegfliegt, sind Gespräche im Garten unmöglich.

OHREN ZU: Wenn ein Flugzeug über das Haus von Eva-Maria und Klaus Meyer in Langen-hagen hinwegfliegt, sind Gespräche im Garten unmöglich.© Nigel Treblin

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NP-Brennpunkt

Langenhagen: Der unerträgliche Lärm von oben

Flugzeuglärm für Anlieger rund um die Uhr – weil der Flughafen Langenhagen kein Nachtflugverbot hat. Die NP hat sich in Langenhagen von einem betroffenen Ehepaar schildern lassen, wie sie seit Jahren mit dem Fluglärm leben muss, der sogar gesundheitliche Folgen haben kann.

Langehagen. Der Lärm stört die Tage und zerstört die Nächte. Seit Jahren. Das Ehepaar Meyer hat sich längst in Galgenhumor geflüchtet. „Das Gespräch am Telefon endet, wenn der Fluglärm kommt. Läuft im Fernsehen sonntags der Tatort, müssen wir das Gerät lauter drehen, wenn ein Flugzeug naht, sonst kriegen wir nicht mit, wer der Täter war.“ Und nachts müsse man mit geschlossenem Fenster schlafen, sonst bekomme man gar kein Auge zu. „Das ist wie Käfighaltung.“

Zum Beweis, wie laut die Flieger über ihrem Dach sind, bitten Klaus und Eva-Maria Meyer in den Garten und zeigen dann in den Himmel. Dort nähert sich ein Flugzeug der Linie „Fly Niki“, es ist die Donnerstagnachmittag-Maschine von Wien nach Hannover. Der Lärm schwillt bis zum Unerträglichen an, bis das Flugzeug in wenigen hundert Metern Höhe über das Wohngebiet Nahe des Reuterdamms fliegt. Ein paar Sekunden Krach, dann ist es wieder still - für einige Minuten, dann geht es von vorne los. An ein Gespräch in normaler Lautstärke ist wieder nicht zu denken. Das Ehepaar sagt, über den Tag verteilt sind es mehr als ein dutzend Flugzeuge. Es geht aber auch mehr: „Pfingstsonnabend flogen 18 Flugzeuge in einer Nacht.“

Die Meyers fühlen sich dem Fluglärm ausgeliefert, seitdem der Terminal C des Langenhagener Flughafens zur Weltausstellung 2000 gebaut wurde. Seither wird ein Großteil der Urlaubsflieger von und nach Hannover- Langenhagen darüber abgewickelt. 1990 sind Eva-Maria und Klaus Meyer von Godshorn in die Nähe des Reuterdamms gezogen - von so vielen Flugzeugen sei damals nicht im Traum zu denken gewesen. „Wenn wir gewusst hätten, wie sich das entwickeln wird, wären wir natürlich hier nicht hergezogen“, sagt Eva-Maria Meyer deutlich.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten setzen sich die Langenhagener zur Wehr: Das Ehepaar misst seit 2000 für den Deutschen Fluglärmdienst (DFLD) die Lärmdaten aller Flugzeuge, die bei Start oder Landung über ihr Haus fliegen, um die Daten an die Öffentlichkeit zu bringen. „Damit können wir lückenlos nachweisen, wie laut die einzelnen Flugzeuge tatsächlich sind“, sagt Eva-Maria Meyer. Denn in der Regel veröffentlichen Flughäfen den mittleren Lärmpegel über einen längeren Zeitraum - und der ist meist niedriger.

2002 haben sie sich außerdem der Fluglärm-Bürgerinitiative für Garbsen, Langenhagen und Umgebung (Bigum) angeschlossen, die auf mehr als 200 Mitglieder angewachsen ist. Ihr Hauptziel: Ein Nachtflugverbot von 22 Uhr bis 2 Uhr morgens. „Wir sind ja nicht pauschal gegen Flugzeuge. Wir wollen die Lärmbelastung auf ein erträgliches Maß reduzieren“, stellen sie klar.

Auf einen Teilerfolg ist die Bigum bis heute stolz: Sie schreibt sich mit zu, dass das 2004 geplante Luftdrehkreuz des Expresszustellers DHL nicht nach Hannover kam, sondern sich in Leipzig ansiedelte. Die Meyers sind aber auch ein Stück weit resigniert: „Wir haben unser Leben lang dafür gearbeitet, dieses Haus schuldenfrei zu kriegen. Und heute ist es gutachterlich wegen des Fluglärms 20 Prozent weniger wert.“

Nachlassen im Kampf um weniger Fluglärm wollen sie aber auf keinen Fall: „Wenn wir nicht mehr nachhaken, machen die doch was sie wollen. Und das wollen wir nicht.“


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