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SCHWER VERMITTELBAR: Schon zweimal bekam Beagle-Mischling Dori ein neues Zuhause. Jetzt lebt sie wieder im Tierheim.

SCHWER VERMITTELBAR: Schon zweimal bekam Beagle-Mischling Dori ein neues Zuhause. Jetzt lebt sie wieder im Tierheim.© Rainer Droese

NP-Brennpunkt

Ausgesetzt! Endstation Tierheim Krähenwinkel

Eben noch geliebt und plötzlich angeleint an der Raststätte. Jedes Jahr werden hierzulande eine halbe Million Tiere ausgesetzt, besonders zum Start in die Urlaubszeit. Die NP besuchte das Tierheim Krähenwinkel und blickte in viele traurige Augen.

Langenhagen. Und plötzlich ist die Liebe verschwunden. Das eben noch geliebte Tier stört, ist lästig - und soll einfach nur noch weg. Am besten schnell. Klischee? Nein! Jedes Jahr wiederholt sich dieses Drama für geschätzt bis zu 500000 Tiere in Deutschland. Besonders zur Reisezeit sinkt die Hemmschwelle von verantwortungslosen Tierhaltern. Wenn zwischen Kind und Koffern kein Platz mehr im Auto ist, wissen viele nicht, wohin mit ihrem Haustier. Manchmal klingelt dann auch im Tierheim Krähenwinkel das Telefon und ein Anrufer sagt: „Ich will meine Katze abgeben, weil ich in den Urlaub fahre.“ Manchmal ist es auch der nervende Hund, die lästige Vogelspinne, das kranke Mini-Schwein. Andere sind skrupelloser: Sie setzen ihre einstigen Lieblinge aus. Endstation Tierheim!

„Und dann macht jedes Tier sein eigenes Drama durch“, weiß Doris Peterek, (53) Leiterin des Tierheims Krähenwinkel. Sie hat dafür kein Verständnis: „Tierliebe darf nicht nur von einem Urlaub bis zum nächsten gehen.“ Knapp 460 Tiere leben derzeit in Krähenwinkel. 89 Hunde, rund 140 Hasen, Ratten, Hamster, Schweine und Vögel. Und 225 Katzen. „Katzen werden zunehmend zum Problem. Wir haben eigentlich nur Platz für 180“, so Peterek. Doch die Tierexpertin weiß: „Am Ende der Ferien werden wir erst recht aus allen Nähten platzen.“

Jahr für Jahr nimmt das Tierheim Krähenwinkel rund 4000 Tiere auf. Wie hoch die Dunkelziffer der ausgesetzten Tiere ist, weiß niemand. Peterek: „Die Jungtiere bleiben oft nur kurz, sie haben eine Zukunft. Für die anderen, die alten und problematischen, sieht es düster aus.“ Doch nicht alle sind „Urlaubsopfer“. Krankheit, Finanznot, Scheidung und immer wieder Überforderung lassen Tiere zu Waisen werden. Alle eint das gleiche Schicksal: ausgeliebt und abgeschoben!

So wie Batman. Seit einem Monat lebt der schwarze Chihuahua hier. „Seine Besitzerin kam ins Krankenhaus. Wir haben ihn aufgenommen und festgestellt, dass er schwer leberkrank ist. Damit war für die Halterin das Thema offenbar abgeschlossen. Sie hat sich nicht wieder gemeldet“, erzählt Tierpflegerin Ulrike Thiem (39). „Einfach herzlos“, entfährt es ihr. Die Hand fährt über Batmans glänzendes Fell. „Edda-Helena, du bist ein Dreckspatz?“, ruft sie im nächsten Moment einer Mopsdame hinterher. Der Ton tadelnd, aber liebevoll. Fast wie im echten Familienalltag. Thiem: „Für die Tiere sind wir wichtige Bezugspersonen. Wir geben ihnen Sicherheit.“

Jochen lebt schon länger hier.Am 15. Februarsaß der Kater auf einem Parkplatz. Allein. Ausgesetzt. Auch er schwer krank: Diabetes. „Die meisten Katzen können wir zum Glück schnell vermitteln“, so Pflegerin Susanne Jeske (45). Eine Geschichte rührt sie sehr: „Vor wenigen Tagen haben wir eine Katze vermittelt - nach über fünf Jahren. Wir hatten schon keine Hoffnung mehr auf ein Happy End.“

Was geht in Menschen vor, die einfach ihr Tier zurücklassen? Doris Peterek hat sich diese Frage oft gestellt. Eine Antwort hat sie nicht gefunden: „Vielleicht sind sie kopflos, weil die Not so groß ist. Vielleicht aber auch nicht ... Diesen Leuten ist einfach nicht mehr zu helfen. Das weiß ich sicher.“ Wie grausam Menschen sein können, zeigt diese Geschichte: Eine Frau ging nahe dem Tierheim spazieren. Plötzlich rannte sie zu ihrem Wagen und fuhr weg. Ihren Hund ließ sie zurück. Allein, verstört. Peterek: „Ein Kollege hatte alles beobachtet und den Hund eingefangen. Das macht einen echt sprachlos. Jedes Einzelschicksal geht uns sehr nahe.“

Viele Hunde werden abgegeben, weil sie zum „Problemfall“ geworden sind, so die Tierheimleiterin. „Viele haben nach Kindern geschnappt. Aber das ist meist ein Problem der nicht artgerechten Haltung. Das haben die meisten in dieser schnelllebigen Zeit verlernt. Viele informieren sich intensiver, bevor sie ein Auto kaufen, als vorher über ein Tier.“ Darum ist bei der Vermittlung ausgesetzter Tiere Fingerspitzengefühl gefragt. „Wir geben Tiere nicht an irgendjemanden ab, nur um sie loszuwerden. Wir hinterfragen jeden Interessenten“, verrät Peterek.

Doch auch wenn es ein Happy End gibt: Eine Narbe bleibt zurück. Peterek: „Ein Tier leidet extrem, wenn es ausgesetzt wird. Es vergisst das nie! Das bleibt hängen und hat Auswirkungen auf späteres Verhalten.“


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