„Hier rollen die Bagger, und wir sollen nicht mehr reiten dürfen?“ Der stellvertretende Vorsitzende Eugen Klein steht vor der Sandabbaufläche in Sichtweite der umstrittenen Dressurplätze.
Isernhagen N.B. Die Stimmung im Reiterstübchen Cavaletti ist auf dem Tiefpunkt. Der geschäftsführende Vorstand mit der Vorsitzenden Elke Gerns-Bätke, ihrem Stellvertreter Eugen Klein und Finanzvorstand Bernd Euler guckt betreten. Es sei eine Farce, wie im Reiterland Niedersachsen mit dem Verein umgegangen werde, sagt Gerns-Bätke. Total frustriert sei sie – „ich glaube nicht, dass die Vereinsauflösung noch abzuwenden ist.“ Wenige Augenblicke später klingt das wieder ganz anders. Der Pferdesportverband und die Reiterliche Vereinigung seien alarmiert. „Da wird noch was kommen, das wird noch eine Welle geben“, sagt die Vorsitzende voller Inbrunst.
Es ist ein uneinheitliches Bild, das der Vorstand abgibt – ein Zustand zwischen Hoffen und Bangen, der schwierigen Situation geschuldet. Einerseits soll der Verein bei einer Versammlung am 12. März aufgelöst werden, so hat es der Vorstand vorgeschlagen. Die Einladungen fanden sich gestern in den Briefkästen der Mitglieder. Mit dem Rückbau der Plätze werde man viele Reiter als Mitglieder verlieren, ist der Vorstand überzeugt – und diese sponserten mit ihren Beiträgen den Schulbetrieb für die 90 Kinder und Jugendlichen. Der Verein hat sein renommiertes Reitturnier mit alljährlich rund 10000 Zuschauern, den Großen Preis von Isernhagen, abgesagt.
Doch gleichzeitig mit den Überlegungen zur Auflösung ruft der Verein zu einer Demonstration auf, will auch weiterhin um seine Sportstätten kämpfen.
Hintergrund der Absage ist die ungewisse Zukunft des Vereinsgeländes. Zwei Dressurplätze und ein Abreiteplatz waren ohne Genehmigung im Landschaftsschutzgebiet gebaut worden. Im Umweltausschuss der Region hatten Sprecher der Mehrheit aus SPD und Grünen in der vergangenen Woche angekündigt, einer nachträglichen Legalisierung dieser baulichen Anlagen nicht zustimmen zu wollen. Auch die Regionsverwaltung befürchtet andernfalls eine „fatale Vorbildfunktion“, was Klein sehr erstaunt: „Eigentlich war das in trockenen Tüchern“, erinnert er sich an den Tenor mehrerer Gespräche bei der Region unter anderem über die mit viel Mühe gefundenen Ersatzflächen für den Landschaftsschutz. Klein vermutet ein politisches Ränkespiel und spricht von parteipolitischen Argumenten.
„Wir waren bisher davon überzeugt, dass wir gemeinsam mit der Regionsverwaltung in vielen Vorgesprächen eine Lösung gefunden haben. Und jetzt werden wir fast in eine strafrechtliche Ecke gestellt“, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende Klein die angebliche Kehrtwendung der Verwaltung in der Sitzung des Umweltausschusses der Region. „Zwei Jahre wurden Hoffnungen gestreut“, beschreibt auch Finanzvorstand Euler den Tenor der Gesprächstermine.
Regionssprecher Klaus Abelmann weist derlei zurück: Die prinzipielle Tendenz sei immer gewesen, dass sowohl Bauaufsicht als auch Naturschutzbehörde die nachträgliche Legalisierung der Dressur- und Abreiteplätze ablehnen. „Offenbar ist das vom Reitverein falsch verstanden worden.“
Unterstützer des Vereins haben eine Facebook-Gruppe namen Politik wendet sich gegen Reiterei - Isernhagen kämpft für seinen Verein gegründet. Diese hat bereits mehr als 1100 Mitglieder.
Von Frank Walter
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