Die SPD erhebt schwere Vorwürfe gegen CDU-Ortsratsherrn Ralf Wengorsch.
Steinwedel. Wengorsch flatterte gestern ein offener Brief der SPD-Abteilung Steinwedel ins Haus. Die Sozialdemokraten werfen ihm „fragwürdiges Demokratieverständnis“ vor und begründen ihre Rücktrittsforderung mit dem Verhalten des CDU-Politikers gegenüber der stellvertretenden Ortsbürgermeisterin Sabine Rösler (SPD). Er soll die Sozialdemokratin als ihr Vermieter unter Druck gesetzt haben, sich von der politischen Bühne zurückzuziehen. Wengorsch bestreitet das.
Rösler hatte mit einer Geschäftspartnerin Räume eines Hauses von Wengorsch an der Dorfstraße in Steinwedel angemietet, um ein Café zu eröffnen. Am 30. November 2011 lösten die Parteien den Vertrag schriftlich wieder auf – aus welchem Grund, ist strittig.
Die SPD beruft sich auf eine schriftliche Erklärung Röslers, die diese bei einem Rechtsanwalt hinterlegt habe. Demnach habe Wengorsch in einem Vier-Augen-Gespräch am Tag nach der konstituierenden Ortsratssitzung erklärt, Rösler könne das Café nur unter der Bedingung verwirklichen, dass sie aus der SPD austrete, als stellvertretende Ortsbürgermeisterin zurücktrete, ihr Ortsratsmandat niederlege und Kontakte zur SPD aufgebe. Wengorsch habe vermeiden wollen, dass die SPD mit dem Café in Verbindung gebracht werde, denn das wäre nicht in seinem Sinne als CDU-Mann gewesen, schreiben die Sozialdemokraten. Laut SPD hatte der Mietvertrag zunächst eine einjährige Laufzeit. Wengorsch habe in Aussicht gestellt, den Vertrag nicht verlängern zu wollen. Rösler bestätigte dem Anzeiger gestern die Version der SPD. Sie habe dem offenen Brief auch selbst zugestimmt.
Der Vorwurf, er habe Rösler auf diese Weise unter Druck gesetzt, „ist falsch, das streite ich komplett ab“, sagt Wengorsch. Der Mietvertrag sei wegen unterschiedlicher Vorstellungen der Mietparteien aufgelöst worden. Röslers SPD-Engagement „war für mich kein Thema“, sagt Wengorsch: „Schließlich war mein Vater sogar SPD-Vorsitzender.“ Er wolle sein Mandat behalten: „Hier wird versucht, auf niederträchtige Art und Weise jemanden, der für den Ort etwas tut, kaputt zu machen.“
Eike Brunhöber
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