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Seelze

Kita stockt Sprachförderung auf

Eine positive Zwischenbilanz zieht die katholische Kindertagesstätte St. Michael bei ihrer Sprachförderung. Die Einrichtung ist seit Juni im Bundesprogramm „Offensive Frühe Chancen“ und hat dafür eine zusätzliche halbe Stelle eingerichtet.
Foto: Karen Engelhard (links) und Annemarie Persson wollen auch die Eltern mit einbeziehen.

Karen Engelhard (links) und Annemarie Persson wollen auch die Eltern mit einbeziehen.

© Tschörner

Seelze. In der Kindertagesstätte (Kita) St. Michael habe Horterzieherin Karen Engelhard ihre Stelle für die Sprachförderung um 19,5 Stunden aufgestockt, sagt Leiterin Annemarie Persson. Die Finanzierung übernimmt der Bund. Zu Engelhards Aufgaben gehört nicht nur, die Sprachbildung und -bindung der Kinder zu verbessern, sondern auch die Schulung der Mitarbeiter der Tagesstätte. „Was sie in der Zusatzausbildung lernt, soll sie auch unserem Team vermitteln“, sagt Persson. In einem dritten Schritt sollen auch die Eltern in das Projekt einbezogen werden.

„Die Wissenschaft entwickelt sich weiter“, sagt die Kita-Leiterin. Früher sei die Meinung vertreten worden, dass Kinder ausländischer Herkunft schnellstmöglich Deutsch lernen müssten. Heute herrsche dagegen die Überzeugung vor, dass sie zunächst eine Sprache können sollten. Dann erst könne eine zweite Sprache erlernt werden. „Wenn Kinder zu uns kommen, ist aber auch unklar, wie gut sie ihre Muttersprache tatsächlich beherrschen.“

In der Kindertagesstätte werde deshalb auf einen sorgfältigeren Umgang mit der Sprache geachtet. Als Beispiel nennt Persson ein Memory-Spiel. Bei diesem könnten die Karten einfach aufgedeckt und das jeweilige Pendant gesucht werden. In St. Michael werden die Karten inzwischen genau beschrieben. Im Unterschied zu früher läuft die Sprachförderung in den Gruppen, die schwächeren Kinder werden nicht mehr gesondert betreut.

Etwa ein Drittel der 65 Jungen und Mädchen in der Förderung – 15 Krippenkinder im Alter bis zu drei Jahren und zwei Kindergartengruppen mit je 25 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren – hat Deutsch nicht als Muttersprache. Dies gelte für alle Kinder mit Migrationshintergrund, die etwa aus muslimischen, polnischen, oder russischen Familien stammen, berichtet Engelhard. Dazu kämen aber auch Kinder, die zu Hause kein großes Sprachangebot hätten und auf das Fernsehgerät angewiesen seien. Muslimische Familien schicken ihre Kinder teilweise bewusst in die katholische Tagesstätte. „Es gibt türkische Familien, die uns extra wählen, weil es bei uns wenigstens einen Glauben gibt“, sagt Engelhard.

Das Programm sieht vor, dass ab 2015 die Einrichtungen aus eigener Kraft weitermachen können. Ohne zusätzliches Geld werde es aber nicht gehen, sind sich Engelhard und Persson sicher. Bundesweit beteiligen sich derzeit rund 3000 Tagesstätten, darunter auch der Kindergarten Wiesentau in Letter als zweite Einrichtung in Seelze.

Thomas Tschörner


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