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Laatzen

Krise angekommen: Diakonie erlebt Ansturm Hilfesuchender

Die Wirtschaftskrise ist im Leinetal bei den Menschen angekommen. Die Beratungsangebote der Diakonie erleben einen Ansturm Hilfesuchender. Mit Erleichterung wird dort das Hartz-IV-Urteil des Verfassungsgerichts aufgenommen.

„Wir haben Zuweisungen vom Jobcenter ohne Ende“, sagt Erwin Bogena, Schuldnerberater in Alt-Laatzen. Die Zahl der Beratungen sei 2009 wie bei anderen Stellen des Diakonieverbandes Hannover-Land um 20 Prozent gestiegen. Inzwischen würden selbst relativ kleine Beträge unter 5000 Euro Menschen in die Insolvenz zwingen. Betroffen seien immer häufiger Kleinstunternehmer, Kioskbetreiber, Gastronomen und Scheinselbstständige, die sich auf Tätigkeiten wie Parkettlegen spezialisiert haben. „Dass jemand eine Festanstellung bekommt, ist die ganz große Ausnahme.“ Viele pendelten zwischen Hartz IV, 400-Euro-Job und Zeitarbeitsvertrag.

Eine ähnliche Situation hat Monika Brandt-Zwirner festgestellt, die bei der Diakonie Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung anbietet. Die Zahl der Frauen, die dort Hilfe suchen, sei 2009 von 48 auf 81 gestiegen. „Wir hören vermehrt, dass sich Familien Verhütung nicht mehr leisten können“, sagt Brandt-Zwirner. Das Einsetzen einer Spirale etwa würde weder von Krankenkassen noch vom Jobcenter finanziert. Andere fänden keinen Job und entschieden sich für ein weiteres Kind. Das Nachsehen hat häufig Nachwuchs: „Die Familien sparen am Kind“, sagt Brandt-Zwirner. Babykurse, Schwimmkurse mit Neugeborenen – das können sich viele Mütter nicht leisten. „Die Teilhabe ist nicht gewährleistet.“

Vor diesem Hintergrund nimmt man beim Diakonieverband das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts positiv auf. Laut Gericht müssen Hartz-IV-Sätze neu festgelegt werden, weil unter anderem bei Kindern die Höhe nicht nachvollziehbar sei und Härtefälle nicht berücksichtigt werden.

„Es ist ein schlechtes System“, sagt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Vielen fehle das Geld für Anschaffungen. „Es klappt doch nicht, dass die Familien jeden Monat Geld zurücklegen.“ Bogena spricht von einem Teufelskreis. So sei inzwischen bei vielen seiner Kunden ausgerechnet das Jobcenter einer der Schuldner. Die Behörde verleiht in Ausnahmefällen Geld – etwa für Winterbekleidung – und zieht die Ratenzahlungen anschließend vom Hartz-IV-Satz ab.

Johannes Dorndorf


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