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Prozessauftakt

45-Jährige soll Polizisten terrorisiert haben

Im Amtsgericht Wennigsen kommt es eher selten zu Personenkontrollen. Aber seit den tödlichen Schüssen auf einen Staatsanwalt in Dachau ist man auch hier vorsichtig geworden. Und bei der Angeklagten, die sich am Dienstag eine Leibesvisitation gefallen lassen muss, handelt es sich immerhin um eine Frau, die immer wieder durch wüste Beschimpfungen von Polizisten aufgefallen ist.

Prozessauftakt in Wennigsen: Eine 45-Jährige soll Polizisten drangsaliert haben.

© Symbolfoto

Wennigsen. Die 45-Jährige, die mit zwei Anwälten vor Gericht erschien, gilt in Wennigser Polizeikreisen als Querulantin, weil sie Beamte seit Jahren mit Beleidigungen und falschen Verdächtigungen überzieht. Gut 150 Anzeigen hat sie gegen Polizisten und andere Amtsträger erstattet. Einmal wurde sie bereits wegen Beamtenbeleidigung zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sie hatte die Polizisten des Ronnenberger Kommissariat mit Begriffen wie „Arschloch“, „Oberidiot“ oder „Gehirnamputierte“ tituliert.

Jetzt wird ihr vor Gericht erneut vorgeworfen, Vollzugsbeamte und andere Personen massiv beleidigt und erdachter Straftaten bezichtigt zu haben. So soll sie im November 2010 einer Polizistin den Mittelfinger gezeigt sowie ungerechtfertigterweise einen Beamten wegen Parkens auf einem Behindertenstellplatz angezeigt haben. Einen weiteren Polizisten beschuldigte sie laut Staatsanwaltschaft wegen weggeworfener Zigaretten der Umweltverschmutzung. Einem Vollstreckungsbeamten soll sie die Beschädigung ihres Autos sowie den Diebstahl ihrer Fahrzeugpapiere vorgeworfen haben. Dazu gesellen sich laut Anklage falsche Beschuldigungen wegen Körperverletzung sowie Beleidigungen per Telefon. Bereits vor drei Jahren hatten Polizisten die Frau für eine Nacht in Gewahrsam genommen, weil sie zuvor die Telefonleitungen der Dienststelle mit Anrufen im Minutentakt lahmgelegt hatte.

Um die acht verschiedenen Anklagepunkte zu klären, hatte das Gericht zwölf Zeugen – darunter sieben Polizisten – vorgeladen. Die beiden Anwälte der Frau versuchten vorwiegend mit Detailfragen, die Aussagen der Zeugen in Zweifel zu ziehen und die Vorwürfe gegen ihre Mandantin zu entschärfen. Zeitweise nahm die Verhandlung abstruse Züge an. Etwa als die Anwälte dem Richter eine Handvoll Kippen vorlegten, von denen ihre Mandantin behauptete, ein Polizist habe sie in ihren Blumenbeeten entsorgt. Umweltverschmutzung soll es nach Auffassung der Angeklagten auch gewesen sein, als ein Vollstreckungsbeamter Plaketten an ihrem Auto abgekratzt habe, weil sie die Versicherungsbeiträge nicht bezahlt hatte. Er habe die Reste der Plakette einfach auf den Boden fallen gelassen, argumentierten die Anwälte.

Die Angeklagte selbst zeigte sich bei der Verhandlung ungewöhnlich ruhig – sie schwieg zu allen Vorwürfen. Bei einem vorangegangenen Prozess hatte sie angegeben, von den Polizisten schikaniert zu werden. Ein Gutachter soll nun klären, ob die Frau womöglich unter
paranoiden  Vorstellungen leidet. Am 2. Februar wird die Verhandlung fortgesetzt.

Ingo Rodriguez und Sonja Fröhlich


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