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Steigende Mieten

Lindener sorgen sich um das einstige Arbeiterviertel

Immer mehr Besserverdienende zieht es in das ehemalige Arbeiterviertel Linden-Nord. Angesichts steigender Mieten und Immobilienpreise fürchten viele alteingesessene Bewohner, von den zahlungskräftigen Zuzüglern verdrängt zu werden.
Linden-Nord verändert sich: In der Bennostraße wird das alte Gebäude links gerade umgebaut, rechts stehen bereits Neubauten.

Linden-Nord verändert sich: In der Bennostraße wird das alte Gebäude links gerade umgebaut, rechts stehen bereits Neubauten.

© Link

Linden-Nord. Zuerst stieg die Attraktivität, dann zogen die Wohnungsmieten und Immobilienpreise an: Das einstige Arbeiterviertel Linden-Nord ist mittlerweile auch bei Besserverdienenden beliebt. Etliche Lindener befürchten deshalb, dass zahlungskräftige Zuzügler die alteingesessenen Bewohner verdrängen könnten. Mehr als 30 Einwohner diskutierten auf Einladung des Forums Linden-Nord im Freizeitheim Linden. Jonny Peter, Soziologe und Mitglied des Lindener Vereins Quartier, äußerte sich dabei besorgt über die schleichende „Durchmischung“ des Stadtteils.

Anlass für die Veranstaltung waren die jüngsten Entwicklungen in Linden-Nord: Mietverträge einiger alteingesessener Geschäftsleute sollen gekündigt werden, alte Häuser werden umgebaut oder abgerissen. „Gentrifizierung“ nennt man diesen Vorgang in der Soziologie. Peter wollte aber lieber von „Schickimickisierung“ sprechen. „Da weiß man wenigstens, was dahinter steckt.“ Angefangen habe der Wandlungsprozess damit, dass die niedrigen Mieten viele Studenten und Künstler nach Linden-Nord gezogen hätten. Die Zuzügler hätten sich eine eigene Infrastruktur geschaffen – und damit die Attraktivität des Stadtteils gesteigert. Dass Linden-Nord von 1976 bis 2000 saniert worden sei, habe die Immobilienwerte und Mieten zusätzlich erhöht. Auch der Bau von „Eigentumsinseln“ wie dem Gilde Carré habe dazu beigetragen: Wohnquartiere mit reicher Bevölkerung strahlten auf den restlichen Stadtteil ab. „Es besteht die Befürchtung, dass diejenigen, die den Stadtteil attraktiv gemacht haben, von einer neuen Welle Zuzügler verdrängt werden“, sagte Peter.

Die Politik kann aus seiner Sicht kaum etwas unternehmen. Sie habe die Mittel dazu freiwillig aus der Hand gegeben. Peter bezog sich dabei auf die Erhaltungssatzung, die die Stadt 1996 für das Viertel erlassen, aber schon rund fünf Jahre später wieder kassiert hatte. Eine solche „Milieuschutzsatzung“ schreibt vor, dass Wohngebäude nur mit Genehmigung des Wohnungsamtes abgerissen, verändert oder umgenutzt werden dürfen.

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (Grüne) sieht inzwischen eine „neue Qualität“ erreicht: Viele Menschen würden aus ihren Wohnungen verdrängt, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfahre. „Der Trick besteht darin, die Wohnungen leer zu kriegen, damit man sie anschließend verkaufen oder neue, deutlich höhere Mieten nehmen kann“, sagte Grube, selbst Kaufmann für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Seit 2007 seien die Mieten in Linden-Nord im Durchschnitt um etwa zehn Prozent gestiegen und der Wohnungsleerstand habe sich halbiert. Zwar sei eine Aufwertung des Stadtteils grundsätzlich nicht schlecht – sie dürfe aber nicht zu einer Verdrängung führen.

Harm Baxmann von der Aktion Limmerstraße machte für die Entwicklung im Stadtteil auch Veränderungen bei den Hausbesitzern verantwortlich: „Diejenigen, die noch eine Verbindung zum Stadtteil haben, sind gestorben oder sterben bald weg.“ Diese Einschätzung bestätigte der Inhaber eines Kopierladens: Der neue Hauseigentümer habe ihm für sein Geschäft in der Limmerstraße einen Mietvertrag mit unzumutbaren Konditionen vorgelegt. Inzwischen ist er in den Kötnerholzweg umgezogen.

Ludwig Prilop, Vorsitzender des Mieterladens Hannover, dagegen verweist darauf, dass es Mieterhöhungen und Hausverkäufe schon immer gegeben hat und auch in anderen Stadtteilen beobachtet wird. „Das hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert“, sagte er auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers. Die von Grube angeführten zehnprozentigen Mietsteigerungen hält Prilop für Einzelfälle. Daraus könne kein Trend abgeleitet werden. Verlässliche Vergleichsdaten zeige erst die nächste Erhebung des Mietspiegels, die für 2013 geplant sei.

Auch Susanne Schönemeier, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbunds (DMB) Hannover, sieht keinen Anlass zur Sorge. „Wir haben in Hannover seit zwei, drei Jahren generell steigende Mieten“, sagte sie dem Stadt-Anzeiger. Dass die Mieten in Linden-Nord um zehn Prozent gestiegen seien, könne sie sich aber nicht vorstellen: „Um das zu untersuchen, kann man nur die Anzeigen für Neuvermietungen auswerten. Und diese liegen in der Regel immer höher“, sagt die Geschäftsführerin. Diese Mieterhöhungen seien nach Sanierungen häufig auch gerechtfertigt.

Christian Link


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