Die Vorsitzende des Orgelbauvereins Irmgard Knüppel und Kirchenmusikdirektor Lothar Mohn vor der Spendentafel für die neue Orgel.
Noch erfüllt ihr Schall das Kirchenschiff, und bis zum Sommer wird ihr Klang noch musikalische Märchen für Kinder und Erwachsene untermalen. Danach aber wird die Orgel der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis für immer verstummen. Das Instrument ist defekt und nicht mehr zu gebrauchen. Kirchengemeinde, Orgelbauverein und Landeskirche wirken jetzt gemeinsam daran mit, eine gebrauchte Orgel aus dem britischen Wales in die Calenberger Neustadt zu holen.
Mit ihren 47 Jahren ist die bisherige Orgel noch nicht sonderlich alt. Doch zu schaffen machen ihr die Pfeifen. „Für die Zink-Blei-Legierung wurde damals zuviel Blei genommen“, erläutert Kantor und Kirchenmusikdirektor Lothar Mohn. Als Folge des Materialfehlers hätten die Pfeifen sich mittlerweile verformt und seien somit zunehmend instabil. Im Inneren seien außerdem einige Motoren kaputt, für sie gebe es aber keine Ersatzteile mehr.
Begleitet von einem „Orgelmakler“ aus Wuppertal war eine kleine Delegation hannoverscher Orgelexperten schon im Februar 2007 in das walisische Seebad Llandudno gereist. Die Kirche dort wurde gerade in ein Freizeitzentrum für Kinder umgewandelt, die 1902 gebaute Orgel wurde nicht mehr gebracht. Den Kriterien der Hannoveraner aber hielt sie stand. Und so fand das Instrument kurz danach ihren Weg von Großbritannien nach Deutschland und wurde auf dem Bauernhof von Lothar Mohns Schwager in der Nähe von Osnabrück zwischengelagert.
Von dort soll die Orgel im Mai in das hessische Städtchen Lich reisen, wo eine Fachfirma sie reinigen und von Grund auf überprüfen wird. Weil das Instrument an seinem früheren Standort an eine Wand gebaut war, fehlt ihm die Rückwand. Für seinen Einsatz in St. Johannis erhält es deshalb ein neues Gehäuse. Sie wird außerdem von 27 auf 31 Register erweitert, denn die Neustädter Kirche ist etwas größer als das Gotteshaus in Llandudno.
Auch wenn sie aus Wales kommt, wird sie allgemein die „englische“ Orgel genannt: Als typisch für ihre Herkunft gilt ihr warmer Klang. Der soll nach Möglichkeit Ostern 2011 in der Neustädter Kirche erstmals zu hören sein. Etwa 350 000 Euro kosten Transport, Überarbeitung und einige Veränderungen an der Empore. 30 Prozent der Kosten trägt die Landeskirche; rund 250 000 Euro indes muss die Gemeinde selber zahlen. Eine Spendenaktion ist bereits angelaufen: Unter der Empore der Neustädter Kirche hängt eine nachempfundene Orgelklaviatur. Wer mindestens zehn Euro gibt, wird „Pate“ für eine Taste oder ein Register, kann seinen Namen erst an dieser Nachbildung und später an der Orgel lesen. Auch der Orgelbauverein unter Leitung von Irmgard Knüppel wird sich weiter um Spenden bemühen.
„Mit der englischen Orgel bekommen wir in unserem Umfeld eine europäische Orgellandschaft“, sagt Mohn. Die Marktkirche sei darin mit einer italienischen, St. Clemens mit einer französischen und die Neustädter Kirche zudem mit einer spanischen Orgel vertreten. Dieses Instrument gehört im Übrigen nicht den „Neustädtern“ sondern der Musikhochschule. Mit der einen Tastenreihe lassen sich jedoch nur sehr alte, historische Stücke spielen. „Alles von Bach an aufwärts geht damit nicht“, sagt Mohn.
Gerda Valentin
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