Kinder protestieren vor dem Gebäude des Caritasverbands gegen die Stellenkürzungen.
Hintergrund für die Beratungen sind ungeklärte Fragen zur Einrichtung und ihrer Finanzierung. Der stellvertretende Bürgermeister Rainer-Jörg Grube (Grüne) schlug sogar vor, dem Caritasverband als Träger der Einrichtung die Förderung zu entziehen. „Wir sollten überlegen, die Beihilfe zu kürzen und das Geld an andere Träger zu geben“, sagte er.
Wie berichtet, hatte die Caritas vor einigen Wochen bekannt gegeben, das Personal im Spielhaus um fast die Hälfte zu reduzieren. Die bisherige Leiterin soll ab August mit einer halben Stelle das Familienzentrum in Vahrenheide betreuen, Sozialarbeiter Matthias Wenzel in die Schuldnerberatung des Verbandes wechseln.
Der Geschäftsführer des Caritasverbands Hannover, Gerhard Jürgens, begründet die Stellenkürzung mit Sparzwängen. „Es geht um eine Notsituation. Der Eigenmitteleinsatz ist so hoch, das wir nicht anders können.“ Laut Jürgens kostet der Betrieb des Spielhauses jährlich etwa 150.000 Euro. Rund 75.000 Euro zahlt der Verband aus Eigenmitteln, muss jedoch nach einem Beschluss des Vorstands dort nun 25.000 Euro einsparen. Die gleiche Summe soll auch beim Kinderzentrum am Allerweg eingespart werden.
Jürgens macht auch deutlich: Selbst wenn die Stadt die festgesetzte Sparsumme durch eine entsprechende Erhöhung der Zuschüsse ausgleichen würde, würde sich an der Versetzung Wenzels nichts ändern. Eine Stelle in der Schuldnerberatung müsse nachbesetzt werden, für die nur der Sozialpädagoge aus dem Spielhaus in Frage komme.
Kooperationspartner und Nutzer der Einrichtung befürchten nun, dass die beiden als Ersatz geplanten halben Erzieherstellen nicht ausreichen werden, um das bisherige Angebot in Qualität und Umfang aufrecht erhalten zu können.
Nach Angaben der Verwaltung erhält die Caritas derzeit neun Zuwendungen von der Stadt, eine davon für das Spielhaus. Die Einrichtung, die unter anderem einen Mittagstisch für Schulkinder sowie zahlreiche Projekte für Familien mit Migrationshintergrund anbietet, wird derzeit mit 53 600 Euro jährlich gefördert. Dennoch hat die Stadt nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, in die Gesamtkonzeption des Spielhauses einzugreifen. Die Alleinverantwortung liege beim Träger, sagte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Sie verwies zudem darauf, dass die vorgesehenen Veränderungen innerhalb eines Bereiches liegen, den die Caritas selbst finanziert.
Grundsätzlich muss der Verband – wie alle anderen freien Träger auch – der Stadt für die erhaltenen Zuschüsse zum Jahresende einen Verwendungsnachweis vorlegen. Sollte die Caritas grundlegende Veränderungen im Finanzgefüge der Einrichtung vornehmen, müsste sie die Stadt sofort in Kenntnis setzen. „Dazu besteht derzeit aber von unserer Seite keinerlei Anlass“, sagte Kalmus.
Mit bunten Transparenten und einem „Solidaritätspicknick“ hatten unlängst zahlreiche Kinder, Jugendliche und Eltern vor dem Gebäude des Caritasverbandes am Leibnizufer gegen die Stellenkürzungen protestiert. „Wenn es zu der Stellenreduzierung kommt, dann ist das Spielhaus eine hohle Nuss. Dann ist nur noch die Fassade da“, kritisierte Anne Barkhoff, frühere Bürgermeisterin von Linden-Limmer und eine der Organisatorinnen der Veranstaltungen. Verärgert äußerte sie sich auch darüber, dass es im Vorfeld keine Signale vom Caritasverband über Finanzierungsprobleme gegeben habe.
Gunda Puls von der Gesellschaft zur Förderung Ausländischer Jugendlicher (GFA) sagte: „Die wissen gar nicht zu schätzen, was sie da haben.“ Briefe an das Bistum Hildesheim und die Stadt Hannover seien bisher ohne Wirkung geblieben, sagt Puls. Inzwischen hat zwischen dem Caritasverband und den Protestlern ein Gespräch stattgefunden, das nach der Einschätzung von Puls jedoch völlig „nutzlos“ gewesen sei.
Bestürzt auf die geplanten Stellenkürzungen reagierte auch das Stadtteilforum Linden-Limmer. „Wir Teilnehmer sind sehr besorgt, dass in der Versorgung der Kinder und Jugendlichen in unserem Stadtteil eine weite Lücke gerissen wird“, heißt es in einer Stellungnahme.
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Kommentare
Protestpostkarten Spielhaus – 10.06.10
Es gibt eine Protestpostkarte, die an den Rat der Stadt Hannover adressiert ist. Sie liegt im Stadteil aus. Auch über die Internetseite linden-entdecken kann an die verschiedenen Entscheidungsträger eine Protestmail geschickt werden.Nutzt die Möglichkeiten, den Linden braucht das Spielhaus!!!